Die Formel 1 expandiert in allen Bereichen. Dank Cadillac wurde die Königsklasse erst zu dieser Saison auf elf Teams aufgestockt. Das offizielle Reglement sieht vor, dass maximal zwölf Rennställe teilnehmen dürfen. Der letzte freie Platz ist somit heiß begehrt. Durch den immer noch anhaltenden Boom des Grand-Prix-Zirkus stehen die Interessenten an der Tür von Formel-1-Boss Stefano Domenicali Schlange.
Die Verantwortlichen haben bereits angekündigt, dass man die letzte freie Position nur an einen namhaften Bewerber geben wolle. Schon im Fall von Cadillac wurde lange herumdiskutiert. Als sich das Projekt noch unter dem Namen "Andretti" angemeldet hatte, gab es zunächst eine Absage. Erst mit dem Rückenwind des großen GM-Konzerns bekam der Interessent schließlich grünes Licht.
FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem hat bereits signalisiert, dass er den zwölften Startplatz gerne an einen chinesischen Hersteller vergeben würde. Damit wolle man der Bedeutung des chinesischen Marktes und der aufstrebenden Position der Autobauer aus dem Reich der Mitte auf dem Weltmarkt Rechnung tragen. Bisher war aber nicht klar, welcher Hersteller sich für die Teilnahme am besten eignen würde.

Am Rande des Rennens in Shanghai gab es zuletzt Gespräche zwischen BYD und F1-Boss Stefano Domenicali.
BYD bestätigt Gespräche mit Domenicali
Nun kristallisiert sich immer mehr heraus, dass BYD wohl der aussichtsreichste Kandidat ist. Der Konzern hat sich bereits den Titel als größter Elektroauto-Hersteller der Welt gesichert. Auf vielen Märkten hat der Emporkömmling die Konkurrenz aus der alten Welt schon hinter sich gelassen. Demnächst will man die Gegner auch auf der Rennstrecke in die Knie zwingen.
Auf der Peking Motor Show hat Stella Li, die Vizepräsidentin des Unternehmens, erstmals ein konkretes Interesse am F1-Einstieg bestätigt. Dazu wurden bereits Gespräche mit F1-Boss Domenicali geführt. Gegenüber "Sportmediaset" sagte sie: "Wir haben Stefano Domenicali zuletzt in Shanghai getroffen. Wir pflegen eine gute Beziehung und stehen in regulärem Kontakt."
Li erklärte dabei auch, dass sie selbst ein großer Fan der Königsklasse ist: "Ich liebe die Formel 1 wegen der Leidenschaft und der Kultur. Viele Menschen träumen davon, einmal in der Formel 1 zu fahren." Auf die Frage, ob es bei BYD schon konkrete Einstiegspläne gibt, antwortete Li: "Ja, wir sprechen darüber. Es wäre eine echte Chance, unsere Technologie zu testen."

Am Beispiel von Cadillac konnte man sehen, dass der Formel-1-Einstieg ein langwieriger Prozess ist.
Gegenwehr der etablierten Teams?
Die Frage lautet, wann der nächste Expansionsschritt vollzogen wird? BYD ist ein großer Name, der mit entsprechendem finanziellen Commitment sicher einen Platz verdient hätte. Das Beispiel von Cadillac zeigt aber auch, dass potenzielle Neueinsteiger erst einmal mit Gegenwehr rechnen müssen.
Die anderen Teams werden sicher wieder versuchen, Widerstand zu leisten, weil jedes weitere Team ein Stück des Einnahmenkuchens wegnimmt. Das Concorde-Agreement sieht zwar eine Ausgleichszahlung zum Einstieg vor. Der finanzielle Verlust wird aber nicht auf Dauer kompensiert.
Ein weiterer Stolperstein ist die Motorenfrage. Eigentlich wollten die Formel-1-Verantwortlichen den letzten Platz nur an einen Autobauer vergeben, der seine eigene Power Unit bauen kann. So ist es auch bei Cadillac gewesen. Erst als der Mutterkonzern GM ankündigte, einen eigenen Antrieb entwickeln zu wollen, gingen die Türen auf.

Mit Rekordfahrten auf der Nordschleife hat BYD schon erste Rennstreckenambitionen angedeutet.
Kommt BYD alleine oder mit Partner?
BYD hat die Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren schon 2022 eingestellt. Die Formel 1 scheint mit Blick auf die nächste Antriebsgeneration (2031) aber wieder ein Stück weg von der Hybrid-Technik gehen zu wollen. Aus Marketingsicht würde es wenig Sinn machen, wenn ein Elektroauto-Hersteller an einer Rennserie teilnimmt, die nur mit einem sehr kleinen Elektroteil unterwegs ist.
Außerdem ist BYD im Rennsport bisher noch ein unbeschriebenes Blatt. Die Frage lautet, ob der Hersteller einen eigenen Formel-1-Rennstall aufbauen kann oder sich lieber mit einem etablierten Team zusammenspannen sollte. Mit einem schnellen Einstieg ist aktuell also nicht zu rechnen. Unterschätzen sollte man die Chinesen aber bekanntlich auch nicht.





