Liest und hört man die Aussagen von Piloten, Experten und ehemaligen Rennfahrern nach dem Saisonauftakt in Australien, könnte man zu dem Entschluss kommen, dass die neue Formel 1 eine Katastrophe ist. Sie beschweren sich über den massiv gestiegenen Anteil der Elektro-Leistung und des komplizierten Energie-Managements.
Die Überholmanöver seien zu künstlich, der Fahrer stehe nicht mehr im Vordergrund, sondern das Dosieren der kostbaren E-Power. Die neue Generation von Rennwagen und das in ihren Augen schlechtere Racing würden die Königsklasse gefährden. Sie sorgen sich um das Produkt Formel 1, das in den letzten Jahren einen Rekord nach dem anderen brach.
Der Post-Corona-Boom hielt an und die Eliteserie gewann immer mehr neue Fans. Die Marktwerte der Teams schossen durch die Decke. Es ist mittlerweile sogar möglich, Geld mit einem Rennstall zu verdienen. Das war jahrzehntelang undenkbar.
Das ist den Automobilherstellern natürlich nicht verborgen geblieben. Drei große Namen sind 2026 erstmals am Start beziehungsweise wieder zurückgekehrt: Audi, Cadillac und Ford. Vor allem der deutsche Premiumhersteller hatte bei dem neuen Reglement seine Finger im Spiel. Die VW-Tochter machte seinen Einstieg davon abhängig, dass die Elektro-Leistung signifikant steigen müsste. Das fruchtete.

Audi ist 2026 einer von drei neuen Herstellern in der Formel 1.
BYD-Gerüchte um Einstieg
Audi gab in Melbourne seine Visitenkarte ab. Das Team mit Sitz in Hinwil holte dank Gabriel Bortoleto beim Debüt zwei Punkte und genoss die Aufmerksamkeit, die ein F1-Engagement mit sich bringt. Kurz nach dem Rennwochenende in Down Under ploppten nun Gerüchte auf, dass ein weiterer Hersteller in die Beletage des Motorsports einsteigen will: BYD.
Der chinesische Autobauer hat in den letzten Jahren einen rasanten Aufstieg hingelegt. Die 2003 in Shenzhen gegründete Marke verkaufte 2025 insgesamt 4,6 Millionen Autos. Das Gerücht des BYD-Interesses gibt es schon länger. Die Formel 1 will den zwölften Startplatz in der Boxengasse einem Automobilhersteller geben. Denn dieser könnte dem Produkt zu noch mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Die Türen für BYD stehen offen. Laut FIA-Präsident Mohammed Bin Sulayem hält man den zwölften Startplatz für einen chinesischen Hersteller frei.
Allerdings müsste BYD aus dem Stand ein Formel-1-Team aufbauen. Erfahrung im Motorsport hat der Hersteller nicht. Als warnendes Beispiel dürfte Toyota 2002 gelten. Der Autogigant hatte geglaubt, mit Geld als unendlicher Ressource die F1 zu erobern. Toyota scheiterte krachend und verschwand bis 2024 aus der Serie. Mittlerweile ist man als Technik-Partner bei Haas eingestiegen und schaut sich an, ob ein eigenes Engagement in Zukunft Sinn ergibt.

Alpine ist ein Übernahme-Kandidat bei den aktuellen F1-Teams.
Aston Martin und Alpine als Übernahme-Kandidaten
Eine andere Möglichkeit wäre, ein bestehendes Team zu übernehmen. Aktuell gelten Aston Martin und Alpine als Kandidaten. Letztere sind nach dem Wechsel auf Mercedes-Motoren als Basis für Einsteiger geeignet. Zwar startet die in Enstone beheimatete Truppe noch unter dem Namen der Renault-Tochter Alpine, allerdings ergibt das Engagement der Franzosen mit Power Units von Mercedes auf Dauer wenig Sinn.
Zudem gilt der seit Juli 2025 tätige Renault-CEO François Provost nicht als Motorsport-Fan. Am Jahresende steigt Alpine bereits aus der Sportwagen-WM (WEC) aus. Dennoch erscheint ein schneller Verkauf an BYD unwahrscheinlich. Verschiedene Investoren sind schon in Gesprächen, das Team in Zukunft zu übernehmen. Allerdings hält die Renault-Gruppe weiterhin 76 Prozent der Anteile. Die restlichen 24 Prozent gehören Otro Capital. An denen unter anderem Christian Horner interessiert ist.
Aston Martin bleibt als zweiter Übernahme-Kandidat. Nach dem Debakel bei den Testfahrten und in Melbourne, könnte Besitzer Lawrence Stroll in Bälde der Kragen platzen. Der Kanadier investierte massiv Geld in die Infrastruktur und das Personal. Trotzdem hinkt man den Ansprüchen meilenweit hinterher. Honda muss zunächst seine Probleme an der Power Unit in den Griff bekommen.
Auf den ersten Blick könnte BYD hier zuschlagen, doch ist es gerade wegen Honda unrealistisch, dass die Japaner als Hersteller schnell den Stecker ziehen. Diese waren erst zu der laufenden Saison werksseitig zurückgekehrt. Hier sind die Türen so lange geschlossen, bis man ein anderes Team als Partner finden würde. Oder Honda übernimmt zukünftig Aston Martin selbst. Das hatte man bereits in der Vergangenheit gemacht. Ende 2005 schluckten die Japaner das BAR-Team.
Welche Technologie will BYD?
Das größte Problem für BYD sind die Kosten einer Übernahme. Der Boom hat die Teams unglaublich teuer gemacht. Die Chinesen müssten warten, bis die Kurve wieder nach unten zeigt. Alle interessierten Investoren würden sich deshalb momentan zurückhalten.
Ein weiteres Fragezeichen, wie realistisch ein Einstieg wäre, ist die Technologie. BYD hat Hybridautos im Portfolio, ist aber vor allem auf den Bau von Elektroautos spezialisiert. Und das erfolgreich. Die Chinesen waren 2025 mit 2,3 Millionen verkauften E-Autos der globale Marktführer.
Aus Sicht von BYD wäre es zumindest fragwürdig, in die Formel 1 einzusteigen, wenn in Zukunft auf Verbrenner gesetzt werden sollte. F1-Boss Stefano Domenicali und FIA-Präsident Mohammed Bin Sulayem brachten schon mehrmals die Rückkehr der V8- oder V10-Sauger ins Spiel. Diese würden dann mit nachhaltigem Sprit fahren. Das aktuelle Reglement gilt auf Motorenseite mindestens für drei Jahre. Wahrscheinlicher ist aber ein Zyklus bis Ende 2030.












