Ferrari ist mit dem Ziel in den China-Grand-Prix gegangen, die beiden Mercedes herauszufordern. Am Ende konnte man den zweiten Doppelsieg der Silberpfeile in dieser Saison aber nicht verhindern. Dabei schossen die roten Autos mal wieder wie Raketen aus ihren Startboxen. Lewis Hamilton ging noch vor der ersten Kurve an Pole-Setter Kimi Antonelli vorbei. Charles Leclerc schnappte sich George Russell und übernahm Rang 3.
Doch wie schon in Melbourne spielten die beiden Silberpfeile danach ihren Pace-Vorteil aus. Schon in Runde 4 war die alte Reihenfolge wieder hergestellt. Danach sorgte nur eine kurze Safety-Car-Phase noch einmal für Hoffnung bei den Tifosi. Nach dem Restart in Runde 14 brachten die Ferrari die Reifen besser auf Temperatur. Leclerc und Hamilton konnten Russell kurzzeitig ärgern. Doch in Runde 29 war die Mercedes-Doppelführung zurück.
Noch bevor Russell die rote Wand vor ihm durchbrechen konnte, begannen Leclerc und Hamilton untereinander zu bekämpfen. In den Runden 25 bis 27 wechselten die beiden Scuderia-Piloten mehrmals die Reihenfolge. Am Kommandostand hielten die Verantwortlichen den Atem an. Trotz der wiederholten Rad-an-Rad-Duelle verzichtete Teamchef Frederic Vasseur aber auf eine Stallregie.

Die Reihenfolge der beiden Ferrari-Piloten wechselte in Shanghai mehrmals hin und her.
Erstes Hamilton-Podium für Ferrari
Entschieden wurde das Duell erst in Runde 35. Leclerc verbremste sich in der Haarnadel-Kurve und musste seinen Teamkollegen wieder vorbeilassen. Anschließend hielt Hamilton das Schwesterauto auf Distanz. Der Lohn war das erste Grand-Prix-Podium mit Ferrari. Leclerc nahm die Niederlage locker. Noch während des Rennens funkte er: "Dieser Fight hat echt Spaß gemacht."
Einige Experten fragten sich jedoch, ob es Ferrari nicht mehr geholfen hätte, wenn man gemeinsame Sache gemacht hätte, um Russell länger hinter sich zu halten. Doch die Mercedes hätte man wohl auch mit einem Nichtangriffspakt nicht stoppen können. Antonellis Vorsprung im Ziel betrug satte 25 Sekunden. Auf Russell fehlten Hamilton am Ende fast 20 Sekunden.
Mit einer Stallregie so früh in der Saison hätte man nur die eigenen Fahrer verärgert. "Wir haben sicher ein bisschen Zeit verloren, als wir uns dazu entschieden haben, gegeneinander um den letzten Podiumsplatz zu kämpfen", gab Leclerc zu. "Wir haben unsere Rennzeit also nicht ganz optimiert, aber das hat nichts am Ergebnis geändert. Mercedes ist einfach sehr stark. In Australien hatten sie ihre wahre Pace im Rennen nicht ganz gezeigt. Heute haben wir gesehen, wie schnell sie wirklich sind."

Lewis Hamilton feierte das erste Grand-Prix-Podium für Ferrari.
Stallregie wäre unfair
Teamchef Vasseur verriet, wie die Stimmung am Kommandostand war: "Ich habe zwischendurch meinen Puls gecheckt. Der lag aber im grünen Bereich", grinste der Franzose. "Ich vertraue unseren Fahrern. Es wäre auch nicht einfach gewesen, sie zu stoppen. Deshalb wollten wir sie auch nicht bitten, die Positionen zu halten. Das wäre unfair gewesen. Sie sind Profis und haben die Situation gut gemeistert. Das war gut für das Team und die ganze Formel 1."
Vor allem Hamilton, der mit der neuen Rennwagen-Generation deutlich besser zurechtkommt, hätte einen Nichtangriffspakt wohl kaum akzeptiert. Nach dem Rennen strahlte der Rekordsieger: "Das war eines der spaßigsten Rennen, die ich seit langem hatte – vielleicht sogar das spaßigste überhaupt, was auch an diesen Autos liegt. Der Kampf mit Charles war toll. Alles lief sehr fair ab. Genau so wollen wir das."

Auch ohne den internen Kampf hätte Ferrari den Mercedes-Doppelsieg nicht verhindern können.
Kleiner Kuss im internen Kampf
Auch die neutralen Fans fühlten sich gut unterhalten. In den sozialen Medien gab es viel Lob für die Entscheidung, das Duell nicht künstlich zu entschärfen. Am Ende sammelten Hamilton und Leclerc für Ferrari wichtige Punkte in der Teamwertung. Hier belegt man nun deutlich vor dem restlichen Mittelfeld Rang zwei hinter Mercedes. Im teaminternen Kampf steht es 34 zu 33 für Leclerc. Sollten die Silberpfeile weiter vorne einsam ihre Kreise ziehen, wird es wohl noch einige heiße Schlachten zwischen den Scuderia-Teamkollegen geben.
In Shanghai ging alles gut. Allerdings hätte es auch mit Tränen enden können, wie Hamilton zugab: "Es gab einen Moment, an dem wir uns berührt haben. Das war aber nur ganz leicht. Nur ein kleiner Kuss. Also alles okay. Aber darum geht es ja auch. Wir wollen hartes Racing", freute sich der Engländer. "Ich muss mich bei allen in Maranello bedanken, die uns in diese Position gebracht haben."












