Himmel und Hölle liegen im Sport häufig ganz dicht beieinander. Vor allem Fans von Ferrari kennen das nur allzu gut. Die Scuderia stellt ihre Anhänger seit Jahrzehnten auf die Probe. Seit dem Ende der Schumacher-Ära sind konstante Leistungen ein Fremdwort. Die Achterbahn-Fahrten auf der Strecke haben sich eingenistet. Immer wenn sich die Hoffnung breitmacht, zerstört Ferrari diese selbst. Häufig durch unkluge Entscheidungen am Kommandostand.
In Australien wiederholte sich Geschichte mal wieder. Doch der Reihe nach. Nach den Startplätzen vier und sieben für Charles Leclerc sowie Lewis Hamilton ließen die Piloten die Schultern hängen. Zu groß war der Abstand auf den dominanten Pole-Setter George Russell. Acht Zehntelsekunden fehlten Leclerc auf den Engländer im Qualifying (7.8.), Hamilton war fast eine Sekunde langsamer.
Das Fahrerlager stöhnte am Samstag kollektiv auf. Die Befürchtungen einer erneuten Mercedes-Dominanz wegen des Vorteils bei einem Reglementwechsel im Hinblick auf den Antrieb schienen sich zu bewahrheiten. Einige gratulierten George Russell voreilig zum Gewinn des WM-Titels.

Die Ferrari legten in Melbourne einen Raketenstart hin.
Ferrari schießt an die Spitze
Tags darauf (8.3.) sah die F1-Welt schon wieder anders aus. Als die Ampeln beim Rennstart des Australien-GP ausgingen, flogen die Ferrari an die Spitze. Der Vorteil des kleinen Turbos hatte sich bewahrheitet. Trotz des kurzen Sprints von nur 257 Metern bis zum ersten Bremspunkt pfeilte Leclerc auf Platz eins und ließ Russell, Andrea Kimi Antonelli und Isack Hadjar hinter sich.
Hamilton profitierte ebenfalls vom Vorteil am Start, musste sich aber zunächst hinter Hadjar und dem Rookie Arvid Lindblad gedulden (Racing Bull). Die zwei Youngster aus dem Red-Bull-Kader kämpften in Runde 1 noch verbissen gegeneinander, wovon Hamilton profitierte und auf P3 vorrückte.
Der führende Leclerc geriet sofort unter Druck und musste Russell in der zweiten Runde passieren lassen. Schnell machte sich die Sorge breit, dass der Mercedes-Mann nun auf und davon fahren würde. Allerdings hatte Leclerc was dagegen und schnappte sich mit einem Energie-Überschuss den Silberpfeil vor T1 von Runde 3.

Lewis Hamilton litt wie Teamkollege Charles Leclerc unter der Fehlentscheidung, in der VSC-Phase nicht zu stoppen.
VSC wirft Ferrari zurück
Das verbissene Duell dauerte mehrere Umläufe. Hamilton holte beide ein und auch Antonelli schloss wieder auf. Alles deutete auf einen Vierkampf um den ersten Sieg des Jahres hin. Bis Hadjar in Runde 11 seinen Red Bull am Streckenrand wegen eines technischen Defekts abstellen musste.
Die Rennleitung verhängte das Virtual Safety Car. Während Mercedes beide Piloten an die Box beorderte, um auf den harten Reifen zu wechseln, ließ Ferrari seine Autos mit den Medium-Gummis auf der Strecke. Obwohl das VSC erst in Runde 14 endete, änderte man bei der Scuderia nichts an der Taktik. Man glaubte, dass zwei Stopps notwendig seien. Ein Irrtum.
Als das Rennen wieder freigegeben wurde, bekam Hamilton die Info, dass Russell zehn Sekunden hinter ihm liegt. Die Antwort: "Wie kann er nur zehn Sekunden hinter mir sein?", war der Superstar entgeistert.
Zweites VSC hilft nicht
Die zweite Chance, einen freien Boxenstopp zu erhalten, zerschlug sich schnell. Valtteri Bottas parkte seinen kaputten Cadillac nahe der Boxengasseneinfahrt. Für einige Piloten reichte es noch, die Reifen zu wechseln, ehe die Rennleitung die Boxengasse schloss, um den Cadillac durch selbige zu schieben.
Somit stoppte Leclerc in Runde 25, Hamilton kam drei Umläufe später rein. Die Mercedes waren anschließend zu weit weg und konnten das Tempo an der Spitze kontrollieren. Am Ende fehlten Leclerc 12,5 Sekunden auf den Sieger. Sein Stallgefährte Hamilton beendete das erste Rennen des Jahres auf dem vierten Platz und war nur 0,6 Sekunden hinter Leclerc über den Strich gerollt.
"Es war ein schwieriges Rennen. Man weiß nicht, wann die Batterie dann leer ist auf der Geraden. Unglücklicherweise hat es nicht für den Rest des Rennens gereicht, vorn zu bleiben. Aber mehr P3 war nicht möglich", bilanzierte Leclerc.
Auf die Nachfrage von Interviewer Jenson Button, ob mehr drin war, meinte der 28-Jährige: "Ich glaube nicht. Aber vielleicht liege ich da falsch. Es sah so aus, als hätte Mercedes mehr Pace als wir gehabt." Das stimmt wohl beim Blick in die Rundenzeiten, doch der Kommandostand von Ferrari schmiss in Melbourne zumindest die Möglichkeit weg, länger am Sieg zu schnuppern. In sieben Tagen gibt es die Chance, das wieder besser zu machen. Dann steht in Shanghai der GP von China (15.3.) an. Die Tifosi werden bis dahin wieder neue Hoffnung schöpfen.












