Das Timing hätte wirklich nicht besser ausfallen können. Nach einem schwierigen Sommer bislang mit unglücklichen Rennen sammelte Mick Schumacher im Beton-Rund von Nashville den achten Rang ein. Zwar ist es gegensätzlich zur Formel 1 deutlich leichter, unter die besten Zehn zu kommen. Aber durch die hohe Konkurrenz des 25-Renner-Feldes bleibt es auf jeden Fall ein Achtungserfolg. Zuvor war der 16. Platz das höchste der US-Gefühle.
Dementsprechend erleichtert zeigte sich sein RLL-Team nach dem auf Montag verschobenen Rennen. Weil Leader Graham Rahal mit Setup-Problemen haderte und Youngster Louis Foster eine Strafe kassierte, rettete Schumacher dem Rennstall den Tag. "Ich glaube, wir können wirklich stolz auf alles sein, was wir an diesem Wochenende geleistet haben", bedankte sich der 27-Jährige. "Ohne die Mannschaft hätte ich das nicht geschafft. Die Boxenstopps waren den ganzen Tag über großartig. Wir wussten nach dem zweiten Training, dass wir ein gutes Auto haben."
Der 16. Startrang sollte das noch nicht wiedergeben. Doch viel wichtiger war, dass in der Quali das Setup bereits stimmte. "Die Bodenwellen der dritten und vierten Kurve können einen schon mal nervös machen. Da wir die Downforce der Geschwindigkeit zuliebe so weit wie möglich runtersetzen, wird es auch nicht einfacher", beschrieb Mick mittlerweile erfahren. "Ich habe das Gefühl, das meiste vor dem Rennen rausgeholt zu haben. Nashville ist sehr unterschiedlich zu meinen bisherigen Strecken-Erfahrungen."

Mittendrin statt nur dabei: Schumacher startete von der 16. Position und zeigte sich in der Anfangsphase direkt aggressiv.
Harte Lektionen smart umgesetzt
Nach einem Tag Pause wegen deftiger Gewitter kam Schumacher gut in den Montagslauf. Beim Start war er hellwach und direkt aggressiv – eine wichtige Lektion des Indy 500. Der Deutsche arbeitete sich an den Rand der Top 10 vor, anschließend konnte er sich in ihr halten. Im Schlussspurt schien ein sechster Platz greifbar. Aber die erfahrenere Konkurrenz um den Penske-Star Scott McLaughlin stufte ihn auf P8 zurück.
Diese Umstände erlaubten sogar hier mal positiven Frust. "Das Auto war so gut, dass wir wirklich noch weiter vorn hätten landen können. Es war nur schwierig zu überholen, und zeitweise fühlte ich mich ein bisschen instabil." Trotzdem fiel die Erleichterung riesig aus, wie das intensive Abklatschen und die Umarmungen mit den Mechanikern unterstrichen.
Hinter den Kulissen hatte die Rahal-Truppe zuletzt Vieles umgebaut. Schumacher hatte mehr Ansprechpartner, als ihm wohl lieb gewesen wäre. Das jetzige Paket scheint endlich zu funktionieren. Außerdem gab es immer zwei Konstanten: "Mein Spotter Jeff Troyer oben auf der Haupttribüne und mein Fahrercoach Ryan Briscoe haben mich super durch das Rennen gebracht. So muss ein Wochenende aussehen und das kann dann das Resultat dessen sein." Der frühere Penske-Pilot Ryan Briscoe begleitet Mick seit der allerersten Linkskurven-Ausfahrt in Miami.

Vergleichswert: Foyt-Rookie Caio Collet mag zwar regelmäßig schneller sein, aber er macht mehr Fehler wie hier in Nashville.
Wichtige Wochen für Schumacher
Auch die Szene zollte Schumacher den verdienten Respekt. Zur Erinnerung: Er ist einer von drei Rookies, die anderen haben allerdings vorherige Oval-Erfahrung durch die Indy NXT, welche als US-Formel-2 fungiert. Ein achter Rang beim erst vierten Oval-Lauf überhaupt und beim Debüt in Nashville sei per se herausragend. Mick hätte dafür sogar nicht mal Glück durch ein Safety-Car oder Ähnliches gebraucht.
"Wenn wir ein sauberes Wochenende haben, ist das die Art von Ergebnis – ein Top-10-Platz –, die wir konstant erwarten können, falls nicht sogar besser", richtete Schumacher den Blick zügig nach vorne. "Ich bin einfach sehr stolz auf das Team. Wir müssen nur auf diesem Schwung aufbauen und das bis zum Ende des Jahres durchziehen."
Ende August stehen noch zwei Rennen auf dem ältesten Rennsport-Oval der Welt, die Milwaukee Mile, an. Im Wochentakt ist die IndyCar zuvor auf dem Rundkurs von Portland (9.8.) und den neuen Stadtkursen von Markham (Kanada, 16.8.) und Washington (23.8.). Am 6. September findet bereits das Saisonfinale in Laguna Seca statt. Nashville-Sieger Álex Palou (Ganassi) wird aber davor den fünften Titel eingesackt haben.
Sowohl für das Selbstvertrauen als auch für die Teamkasse geht es für Schumacher im Endspurt um viel. Aktuell ist er nur auf dem 24. Platz der Fahrertabelle. Ab dem 22. Rang gibt es eine Gewinnausschüttung durch die Serie. Die RLL-Mittelfeldmannschaft könnte diese dringend gebrauchen. Eine weiter nach oben zeigende Formkurve sollte Mini-Zweifel zur Serien-Zukunft des Deutschen endgültig ausräumen. Wegen starker Umbauten bei den Top-Teams herrschte zuletzt viel Nervosität im Fahrermarkt. Aber wer will diesen Oval-Spezialisten schon gehen lassen?





