In seiner Rookie-Saison musste sich Kimi Antonelli im internen Duell gegen George Russell noch deutlich geschlagen geben. Auch beim Saisonstart in Australien deutete nichts darauf hin, dass sich die Machtverhältnisse bei Mercedes verschieben könnten. Doch nach dem zweiten Grand Prix in Shanghai fehlen dem Youngster plötzlich nur noch vier Zähler auf den Teamkollegen. Der erste Formel-1-Sieg seiner Karriere macht den Teenager plötzlich zum Meisterkandidaten.
Auf den ersten Blick sieht es nach einer spannenden Konstellation aus. Doch der Schein könnte trügen. Antonelli wurde der Weg zum ersten Grand-Prix-Erfolg in China ziemlich leicht gemacht. Dank des überlegenen Autos ist Russell aktuell der einzige Konkurrent um Siege. Doch der Brite wurde schon in der Qualifikation von der Technik im Stich gelassen. Erst bremste ihn ein Frontflügel-Problem. Dann streikte plötzlich der Motor.
Erst ein dreifacher Neustart ermöglichte Russell in letzter Sekunde überhaupt die Teilnahme am Q3-Finale. Mit leerer Batterie und kalten Reifen zum Start seiner einzigen fliegenden Runde war nicht mehr als der zweite Startplatz drin. Die Raketenstarts der beiden Ferrari warfen Russell früh auf Rang vier zurück. Doch schon am Ende der dritten Runde war Silberpfeil-Doppelführung wieder hergestellt.

Pole-Position, schnellste Runde und Grand-Prix-Sieg - am Ende fehlte Kimi Antonelli nur eine einzige Führungsrunde zum Grand Slam. Die hatte ihm Lewis Hamilton am Start geklaut.
Antonelli erfüllt sich Formel-1-Traum
Eine Safety-Car-Phase nach dem Ausfall von Lance Stroll mischte die Karten dann noch einmal neu. Mit kalten Reifen beim Restart fiel Russell erneut hinter beide Ferrari. Bis er sich in Runde 29 durch die rote Wand gekämpft hatte, war der Rückstand auf Antonelli bereits auf knapp acht Sekunden angewachsen. Und Russell musste seine Reifen härter rannehmen.
Ein Verbremser von Antonelli kurz vor Schluss ließ den Puls am Mercedes-Kommandostand noch einmal kurz in die Höhe schnellen. Am Ende brachte er den Sieg aber mit 5,5 Sekunden Vorsprung locker über die Linie. "Damit hat sich für mich ein großer Traum erfüllt. Ich bin echt sprachlos und könnte weinen. Dass ich diesen Moment mit George und Lewis auf dem Podium teilen kann, ist wirklich toll", strahlte der Youngster.
Einige Experten sehen Antonelli schon als ernsthaften Meisterkandidaten. Sky-Co-Kommentator Ralf Schumacher hatte das Mercedes-Talent sogar schon vor der Saison ganz oben auf dem Zettel. Bei nur noch vier Punkten Rückstand scheint alles möglich. Klar ist auch: Antonelli wird im Laufe der Saison weiter dazulernen und eher noch schneller werden.

Viele Experten sehen in Kimi Antonelli einen kommenden Weltmeister. Klappt es schon dieses Jahr mit dem Titel?
Russell eingebremst
Vater Marco Antonelli versuchte die Erwartungen an seinen Sohn im Zaum zu halten: "Einige sprechen jetzt schon von der Weltmeisterschaft. Aber Kimi ist noch jung. Er muss noch viel lernen. Und er hat einen starken Teamkollegen. George wurde heute von den beiden Ferrari eingebremst. Wir müssen jetzt erstmal abwarten."
Wie lang der Weg für Antonelli noch ist, zeigte sich einen Tag zuvor im Sprint. Am Start vergaß der 19-Jährige den richtigen Energie-Modus zu aktivieren. Beim Versuch die verlorenen Plätze wieder gutzumachen, krachte er in Isack Hadjar. Die Strafe warf ihn am Ende auf Rang fünf zurück.
Der Rest des Wochenendes zeigte aber auch, dass sich Antonelli von Rückschlägen nicht lange einbremsen lässt. "Vielleicht ist der Knoten jetzt geplatzt, vielleicht kracht er aber auch beim nächsten Rennen direkt in die Mauer", grinste Teamchef Toto Wolff. Unterschätzen sollte man das Supertalent auf jeden Fall nicht.












