Es war das Aufreger-Thema der ersten Testwoche in Bahrain. Max Verstappen ließ in seiner Medienrunde am Donnerstag (12.2.) kein gutes Haar an der neuen Formel-1-Generation. Trotz der Ansage der Verantwortlichen, dem Reglement eine Chance zu geben und die Wortwahl zu überdenken, drosch Verstappen auf das Reglement ein.
"Es macht nicht viel Spaß, diese Autos zu fahren", schimpfte der Niederländer. Sowohl in der Medienrunde mit den schreibenden Journalisten als auch in TV-Interviews kanzelte er die Formel-1-Renner ab: "Es fühlt sich mehr an wie Formel E auf Steroiden." Damit hatte der 28-Jährige viel Staub aufgewirbelt.
Dass Verstappen von seinen Aussagen abrücken wird, scheint unwahrscheinlich. Der viermalige Weltmeister gilt als Mann klarer Worte. Er gilt schon lange als Kritiker der neuen Formel-1-Generation. Er verbiegt sich nicht plötzlich. Maulkörbe lässt er sich nicht anlegen. Er sprach das aus, was auch viele seiner Kollegen nach den ersten Eindrücken dachten. Sein WM-Rivale von 2021, Lewis Hamilton, wählte weniger drastische Worte, aber im Kern war die Botschaft ähnlich. Die beiden sind die Superstars der Königsklasse, ihre Aussagen haben Gewicht.
Norris macht die neue F1 Spaß
Es dauerte nicht lange, ehe die Kollegen Verstappens mit dessen Kritik konfrontiert wurden. Die meisten hielten sich zurück, gaben dem Red-Bull-Piloten in puncto Spaßfaktor aber recht. Doch der Ex-Champion bekam auch Gegenwehr. Unter anderem von seinem Nachfolger und Kumpel Lando Norris: "Wenn er zurücktreten will, dann kann er ja zurücktreten", kommentierte er den Auftritt Verstappens. "Jeder Fahrer kann ja etwas anderes finden. Es ist nicht so, als wäre jemand gezwungen, hier zu sein", frotzelte Norris in Richtung des Ausnahmefahrers.
"Es macht sehr viel Spaß. Ich genieße es", sagte der McLaren-Pilot über die neuen Autos, die nun mit nahezu 50 Prozent elektrischer Energie über die Rennstrecken jagen. "Die Formel 1 ändert sich permanent. Wir bekommen eine absurde Menge Geld dafür bezahlt, dass wir hier fahren. Am Ende des Tages kann man sich nicht wirklich beschweren," fand Norris die Reaktion seines WM-Gegners von 2025 überzogen.

George Russell (links) und Max Verstappen (rechts) sind schon mehrmals aneinandergeraten.
Russell schickt Verstappen auf die Nordschleife
Bei der Kritik an der Verstappen-Kritik bekam der aktuelle Weltmeister auch Rückendeckung von George Russell: "Wir sind sehr privilegiert. Ich bin nur einer von 22 Menschen, die das erleben dürfen. Aber wir Fahrer lieben es, uns zu beschweren. Er kann ja gerne auf der Nordschleife zu fahren", spielte der 28-Jährige auf Verstappens Zuneigung für den Nürburgring an und zeigte seinem Widersacher verbal die Tür.
Russell und Verstappen kamen sich in der Vergangenheit bereits häufiger in die Quere. Ein Titelduell zwischen den beiden hätte einen besonderen Reiz. "Ich will einfach nur gewinnen. Ein Fahrer, der in letzter Zeit bereits viel gewonnen hat, will stattdessen die besten und spaßigsten Autos fahren", glaubt Russell über Verstappen zu wissen.
Mit den Aussagen hat sich Verstappen im Fahrerlager nicht nur Freunde gemacht. Die Frage lautet, wer in Zukunft welchem Lager angehören wird? Der Red-Bull-Star hat genug Erfolge gefeiert. Ein weiterer WM-Titel scheint ihm nicht so wichtig zu sein wie Russell oder Norris. Falls das Racing jedoch enttäuschend sein sollte, dürfte das Pendel in Richtung Verstappen und dessen harscher Kritik ausschlagen.












