Die Euphorie des WM-Titels ist verflogen. Mit den neuen Formel-1-Autos wurde McLaren direkt wieder auf den Boden der Realität geholt. Zum Pace-Rückstand gegenüber Mercedes und Ferrari kamen zuletzt auch noch Zuverlässigkeitsprobleme. In China konnten Lando Norris und Oscar Piastri noch nicht einmal starten. Vor Suzuka standen gerade einmal 58 Rennrunden auf dem Konto – weniger hat kein anderes Team.
Die Ansage der Teamleitung war klar: In Japan soll der Reset-Knopf gedrückt und die Saison neu gestartet werden. Der Auftakt am Trainingsfreitag (27.3.) verlief da schon mal vielversprechend. Oscar Piastri setzte in der zweiten Session die absolute Bestzeit. Die Uhr blieb am Ende bei 1:30.133 Minuten stehen.
China-Sieger Kimi Antonelli fehlte ein Zehntel. George Russell im zweiten Mercedes reihte sich ein weiteres Zehntel dahinter auf Position drei ein. "McLaren war echt schnell heute", staunte Russell anschließend. "Das kam etwas überraschend, wenn ich ehrlich bin. Wir müssen uns noch steigern. Da haben wir heute Nacht noch etwas Arbeit vor uns."

McLaren-Teamchef Andrea Stella hat die Schwachstellen des Autos schon identifiziert.
Mercedes im Longrun klar vorne
Ist das Weltmeisterteam also schon wieder zurück in alter Form? Zu früh sollte man den Champagner in Woking nicht kaltstellen. Die Longrun-Zeiten im zweiten Training deuteten an, dass Mercedes immer noch einen großen Vorsprung vor dem eigenen Kundenteam hat. Auch Charles Leclerc im Ferrari präsentierte sich über die Distanz schneller, obwohl dem Monegassen bei der Qualifying-Simulation mit weichen Reifen noch sieben Zehntel fehlten.
Andrea Stella will nicht zu viel in das Klassement interpretieren. "Wir verlieren vor allem in den Highspeed-Kurven im ersten Sektor noch zu viel Zeit auf Ferrari und Mercedes. Verglichen mit diesen beiden Teams haben wir noch generelle Defizite, was den Grip angeht. Wir wissen, in welchen Bereichen wir uns verbessern müssen. Dafür haben wir für die nächsten Rennen auch schon Upgrades geplant. Wir glauben, dass unser Auto eine gute Basis mit viel Entwicklungspotenzial darstellt."

Lando Norris verbrachte am Suzuka-Freitag mehr Zeit in der Garage, als ihm lieb war.
Norris mit Rückstand
Der Trainingsfreitag von Suzuka zeigte auch, dass die Zuverlässigkeit immer noch die Achillesferse des McLaren ist. Lando Norris musste zum Start der zweiten Session 23 Minuten tatenlos zuschauen, wie die Konkurrenz ihre Runden drehte. Die Mechaniker schafften es zum Glück noch, das Hydraulik-Leck in den Griff zu bekommen. Am Ende kam der Weltmeister wenigstens auf 17 Runden. Mehr als Platz vier mit einer knappen halben Sekunde Rückstand war in der verkürzten Zeit aber nicht drin.
"Das war ein ziemlich schlechter Tag für uns heute", klagte Norris anschließend. "Wir haben einfach nicht die Runden zusammenbekommen. Es läuft momentan irgendwie nicht so, wie wir das wollen. Man lernt mit jeder Runde dazu, aber diese Runden fehlen mir gerade. Das war nicht der beste Start. Jetzt nutzen wir die Nacht, um uns alles nochmal genau anzuschauen und für morgen ein paar Dinge zu verbessern."
Laut Stella hat McLaren auch noch Defizite gegenüber Mercedes, das volle Potenzial der Power Unit zu nutzen. Bei der Rekuperation der Elektro-Power konnte man aber schon in China Fortschritte erkennen. "Wir befinden uns da auf einer steilen Lernkurve. Wir arbeiten sehr gut mit den Kollegen bei Mercedes HPP zusammen, um alles aus der Power Unit rauszuholen. Unsere Formkurve zeigt nach oben. Ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Jahr noch aus eigener Kraft um Podiumsplätze und Siege kämpfen können."












