Formel 1: Hamilton-Verdacht: Verfügt Mercedes über geheimen Quali-Modus?

Ferrari im Rennen besser als in der Qualifikation
Geheimer Quali-Modus bei Mercedes?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.03.2026
Als Favorit speichern
Lewis Hamilton vs. George Russell - Formel 1 - GP China 2026
Foto: xpb

Im Sprint-Qualifying konnten die beiden Silberpfeile noch einsam an der Spitze ihre Kreise ziehen. Die Pole-Position-Zeit von George Russell war rund sechs Zehntel schneller als die beste Runde von Lando Norris, der als erster Verfolger Rang drei belegte. Auch die beiden Ferrari konnten nicht in den Kampf um die Plätze in der ersten Startreihe eingreifen.

Die meisten Experten erwarteten, dass sich die Silberpfeil-Show im Sprint am Samstag (14.3.) fortsetzen würde. Doch vom Start weg leistete Ferrari überraschend viel Gegenwehr. Lewis Hamilton konnte Russell in den ersten Runden immer wieder ärgern. Die Führung wechselte mehrmals hin und her.

Erst in Runde 6 schaffte es Russell schließlich, den Verfolger in Schach zu halten und sich vorne etwas abzusetzen. "Ich habe versucht, ihn so lange wie möglich hinter mir zu halten", berichtete Hamilton im Ziel. "Da habe ich leider den linken Vorderreifen zerstört. Ihr Rennpace-Vorteil liegt aktuell bei drei bis fünf Zehnteln. Wenn sie erstmal freie Fahrt haben, ziehen sie einfach vorne weg."

George Russell, Lewis Hamilton & Charles Leclerc - Formel 1 - GP China 2026
Anni Graf via Getty Images

Jojo-Spiel an der Spitze

Russell hatte eine andere Erklärung dafür, warum er vor allem in der Anfangsphase mehr Gegenwehr bekommt, was man schon beim Saisonstart in Australien sehen konnte. "In beiden Fällen lag es auch an mir. Ich war schon in Melbourne sehr vorsichtig unterwegs. Das war das erste Rennen mit einem brandneuen Auto, neuen Reifen und einem neuen Motor. Da wusste keiner, was auf uns zukommt."

Im Sprint von Shanghai sei er von der Attacke Hamiltons überrascht worden. Der Ferrari-Pilot setzte schon in Kurve 7 zum Angriff an, bezahlte dafür dann aber mit weniger Energie auf der langen Geraden. Das Batterie-Management und die Hilfe des Overtake-Modus führten dann in den nächsten Runden zum bereits erwähnten Jojo-Spiel an der Spitze, bevor sich Russell irgendwann doch noch absetzen konnte.

Dem Briten half dabei, dass Hamilton selbst unter Druck geriet, weil Teamkollege Charles Leclerc besser auf seine Reifen aufgepasst hatte. Nach der späten Safety-Car-Phase war es dann der Monegasse, der sich formatfüllend im Rückspiegel von Russell bemerkbar machte. Dank des Gratis-Boxenstopps in der Neutralisation herrschte auf Reifenseite wieder Gleichstand. "Am Ende hatte ich nur sieben Zehntel Vorsprung", rechnete Russell vor. "Wenn es noch eine Runde länger gedauert hätte, wäre es zum Kampf gekommen. Das war kein Spaziergang heute."

Lewis Hamilton vs. Charles Leclerc - Formel 1 - GP China 2026
Guido de Bortoli via Getty Images

Ferrari sucht nach Erklärung

Auch der Engländer erkannte, dass Mercedes in der Sprint-Qualifikation am Freitag noch mehr Puffer hatte als am Samstag. "Wir waren selbst überrascht über unsere Quali-Pace bzw. die Probleme der anderen. Im Rennen sah es deutlich enger aus. Das haben wir schon in Melbourne gesehen. Ich bin nicht sicher, ob wir das Rennen dort auch bei gleicher Strategie gewonnen hätten."

Leclerc suchte nach dem Shanghai-Sprint nach einer Erklärung für den Unterschied zwischen Qualifying- und Rennpace: "Vielleicht spielt es eine Rolle, wie wir unsere Systeme optimiert haben. So ganz können wir es aktuell aber noch nicht verstehen. Der Abstand im Qualifying ist riesig. Ich sehe nichts an unserem Auto, was das erklären kann. Es ist schon seltsam, dass wir im Rennen dann plötzlich wieder im Spiel sind. Die Regeln sind sehr komplex. Da gibt es viel zu analysieren."

George Russell, Lewis Hamilton & Charles Leclerc - Formel 1 - GP China 2026
Dom Gibbons via Getty Images

Comeback des Party-Modus?

Kollege Hamilton hatte immerhin einen konkreten Erklärungsansatz parat: "Ich war lange Zeit bei Mercedes und ich weiß, was da läuft. Im Qualifying haben die einen speziellen Modus, den sie aktivieren können. So ähnlich wie der Party-Modus früher. Wenn es ins Q2 geht, schalten sie den einfach ein. Was auch immer es ist, wir verfügen leider nicht über so etwas. Im Rennen steht ihnen dieser Modus nicht zur Verfügung."

Ganz so einfach, wie es der Rekordsieger klingen lässt, ist es aber nicht. Die Regeln verbieten seit einigen Jahren schon spezielle Motor-Einstellungen für die Qualifikation. Möglicherweise handelt es sich aber um ein spezielles Energie-Management, das die Mercedes-Ingenieure ausgetüftelt haben.

"Im Q1 sind wir immer nicht weit weg – eine Zehntel oder so. Im Q2 kommt dann ein großer Schritt von ihnen und es ist plötzlich eine halbe Sekunde. Das ist eine Menge. Da müssen wir herausfinden, was sie genau machen", spornt Hamilton seine eigenen Techniker an.

Fazit