Als das Reglement für die neue Autogeneration im Herbst 2024 veröffentlicht wurde, bildeten sich bei vielen Ingenieuren Sorgenfalten auf der Stirn. Von 800 Kilogramm sollte das Mindestgewicht auf 770 Kilogramm sinken. Und das bei verschärften Vorschriften für die Crashtests, die sich negativ auf der Waage bemerkbar machen.
Aus einigen Ecken kam schnell der Vorwurf an den Weltverband, dass hier eine unrealistische Zahl einfach aus der Luft gegriffen wurde. Nach den ersten Reaktionen konnte man den Eindruck gewinnen, dass zumindest zum Start der neuen Ära keiner der Rennwagen an das Limit herankommen würde. Doch das sieht jetzt, wenige Wochen vor dem ersten Grand Prix, ganz anders aus.
Im Fahrerlager zirkulieren Gerüchte, dass es den meisten Teams gelungen sein soll, an die Gewichtsgrenze heranzukommen. Eines dieser Teams ist offenbar auch Audi. Laut Technik-Chef James Key hat man sich diesem Thema ganz besonders intensiv gewidmet: "Wenn es bestimmte Vorgaben gibt, die so große Auswirkungen haben, dann muss man da einen speziellen Plan aufstellen", erklärte der oberste Ingenieur auf Nachfrage von auto motor und sport.

Bei Audi operiert man mit dem R26 nahe am Gewichtslimit.
Leichtbau-Tradition
Nach Auskunft des Briten ist es fast schon Tradition, dass die Formel-1-Techniker aus der Schweiz beim Abspecken immer besonders erfolgreich sind: "Das Gewichtsmanagement gehört zu einer der großen Stärken des Teams in Hinwil. Zum Start ins Jahr 2022 hatte Sauber das einzige Auto im Feld, das deutlich unter dem Mindestgewicht lag. Für das neue Modell haben wir wieder ein besonderes Programm aufgelegt."
Beim angesprochenen Start in die Groundeffect-Ära soll bei Sauber so viel Luft zum Limit geherrscht haben, dass man sogar ein paar Kilos Ballastgewicht einladen konnte. Der Vorteil auf der Waage spiegelte sich direkt in der Performance wider. Als Faustregel gilt: 10 Kilogramm bringen ungefähr drei Zehntel. Die Folge: Bei den ersten neun Rennen ging es für Sauber sieben Mal in die Punkte.
Doch irgendwann schaffte es auch die Konkurrenz, ihren Autos die überschüssigen Pfunde abzutrainieren. Sauber verlor den Vorteil. Es ging im Kräfteverhältnis immer weiter rückwärts. In der zweiten Hälfte sammelten Valtteri Bottas und Guanyu Zhou nur noch vier Pünktchen. Platz sechs in der Teamwertung konnte dennoch als Erfolg gewertet werden.

Glaubt man den Gerüchten, dann hat der Williams FW48 einige Kilo Übergewicht.
Wird das Limit weiter verschärft?
Auch dieses Jahr hoffen die Ingenieure, dank eines strammen Diätprogramms in die Erfolgsspur zu finden. "Es ist wirklich ein hartes Ziel. Ich bin nicht sicher, ob es jeder erreichen wird. Wir wissen es für uns selbst auch noch nicht genau. Das Auto, mit dem wir bisher gefahren sind, hatte noch jede Menge Sensoren an Bord. Ich hoffe, dass wir ans Limit rankommen", grübelte Key.
Beim Gewicht geben sich die Teams generell sehr verschlossen. Mercedes-Teamchef Toto Wolff verriet immerhin, dass man in diesem Punkt "einigermaßen gut" aufgestellt sein sollte. Auch Alpine-Boss Flavio Briatore deutete schon an, dass seine Ingenieure bei der Leichtbau-Entwicklung die selbstgesteckten Ziele erreichen konnten.
Bei Williams gibt es dagegen Gerüchte, dass der neue FW48 etwas übergewichtig ist, was Teamchef James Vowles aber nicht bestätigen wollte. "Dazu kann ich keine verlässliche Aussage treffen. Das wissen wir erst, wenn das Auto vollständig zusammengebaut und alle Sensoren demontiert sind. Den genauen Wert werden wir also erst in Melbourne erfahren. Sollten wir dann ein paar Kilo zu viel haben, werden wir uns ein strenges Diätprogramm verordnen."
Klar ist, dass der Wert, den die FIA-Experten angesetzt haben, auf keinen Fall so unerreichbar ist, wie er zu Beginn schien. Gut möglich, dass die Regelhüter die Daumenschrauben in den kommenden Jahren noch weiter anziehen, um die Teams weiter zu zwingen, leichtere Autos zu bauen. Auf die Frage, ob er eine erneute Reduzierung des Limits unterstützen würde, hatte James Key aber noch keine Antwort: "Das hängt davon ab, wo die anderen liegen. Da muss man strategisch denken."












