Diese Technik-Kontroverse wird uns sicher noch ein paar Monate beschäftigen. Mercedes soll einen cleveren Trick gefunden haben, um das Verdichtungsverhältnis im Fahrbetrieb vom eigentlich erlaubten Wert von 16:1 auf 18:1 zu erhöhen. Das verbessert die Effizienz der Verbrennung. 10 bis 15 PS soll der Trick bringen. In Rundenzeit ausgedrückt sind das ein bis zwei Zehntelsekunden.
Das Problem dabei: Gemessen wird die Verdichtung unter statischen Bedingungen bei normalen Außentemperaturen. Und da erfüllt der Mercedes-Motor alle Richtlinien. Das hält die Konkurrenz aber nicht davon ab, bei der FIA eifrig Lobbyarbeit zu betreiben. Das Ziel lautet, den Trick so schnell wie möglich zu verbieten.
Doch die Schiedsrichter sind bislang nicht auf die Argumente der Gegner eingegangen. Wegen der langen Vorlaufzeiten für Motorenkomponenten würde das kurzfristige Ändern der Regeln einem Startverbot gleichkommen – und das nicht nur für Mercedes, sondern auch für die Kundenteams Williams, McLaren und Alpine. Bei den nächsten Meetings der Power-Unit-Arbeitsgruppe soll das Thema aber erneut auf der Agenda stehen.
Toto Wolff: "Regeln völlig klar"
Mercedes-Teamchef Toto Wolff fand zu der ganzen Diskussion deftige Worte. "Man muss nicht immer verstehen, was die Mitbewerber machen", schüttelte der Österreicher mit dem Kopf. "Dass man sich hier nicht einfach eingestehen kann, dass Regularien, die so mit der FIA vereinbart waren, völlig klar sind in der Interpretation und in der Umsetzung. Und dass trotzdem immer wieder die Nörgler um die Ecke kommen und sagen: Das gefällt uns nicht."
Wolff gibt der Konkurrenz den Tipp, lieber vor der eigenen Haustür zu kehren: "Da gibt es geheime Treffen, dann werden Briefe gesendet. Ich sage nur: Get on with your Job! Das versuche ich auch hier bei uns immer zu propagieren: Wir konzentrieren uns nicht darauf, was die anderen machen und uns ständig zu beklagen, sondern wir versuchen, das Bestmögliche aus unserem Paket zu machen. Und hier jede Woche mit einer neuen Initiative zu kommen, um irgendetwas zu argumentieren, das nicht argumentierbar ist – das ist ganz anders, als wie wir die Dinge hier machen."
Das Mercedes-Oberhaupt hält die ganze Diskussion für einen Sturm im Wasserglas: "Vielleicht suchen sie nach Ausreden für ihr internes Stakeholder-Management, dass etwas nicht legal ist, was 100-prozentig legal ist. Ich habe das hier bei uns komplett abgestellt, weil es eine totale Ablenkung ist. Vor allem, wenn es so eindeutig klar ist. Aber wenn sie sich selbst damit unterhalten wollen, dann ist ja gut. Aber ich glaube, dass das Regelwerk hier ziemlich klar ist und wir auch immer transparent waren."

Die Konkurrenz rätselt immer noch, wie Mercedes die Verdichtung im Betrieb erhöht.
Wird Red Bull zum Verbündeten?
Angeblich soll auch Red Bull wissen, wie sich die Verdichtung im Rennbetrieb steigern lässt, auch wenn noch nicht ganz sicher ist, ob das Verstappen-Team den Trick auch schon einsatzbereit hat. Für Mercedes wäre der alte Rivale damit ein Verbündeter im politischen Kampf. Zusammengeschlossen hat man sich aber offenbar noch nicht. "Ich weiß nicht, was der letzte Stand von Red Bull ist", erklärt Wolff. "Ich weiß auch nicht, ob sie das gleich interpretiert haben. Deshalb kann ich dazu nichts sagen."
Ein Verbot zur aktuellen Saison scheint aktuell eher unwahrscheinlich. Es ist aber gut möglich, dass die FIA dem Treiben dann nach dem ersten Jahr mit den neuen Hybrid-Aggregaten einen Riegel vorschiebt. So wurde es in der Vergangenheit auch schon in vergleichbaren Fällen gehandhabt. Zum Beispiel beim Lenkungstrick "DAS". Laut Wolff wurde ein mögliches Verbot des Verdichtungstricks für die Saison 2027 aber auch noch nicht diskutiert.












