Ingenieur verrät Technik-Details: So viel Ford steckt im Red-Bull-Motor

F1-Triebwerk nach Dietrich Mateschitz benannt
So viel Ford steckt im Red-Bull-Motor

ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.01.2026
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Als Honda im Oktober 2020 den Ausstieg aus der Formel 1 bekanntgab, musste sich Red Bull etwas einfallen lassen. Die vier WM-Titel von Max Verstappen, die in den Jahren danach folgen sollten, waren noch nicht in Sicht. Dass Honda seine Entscheidung durch die anschließenden Erfolge noch einmal revidieren sollte, konnte keiner ahnen. Also entschied sich Red Bull kurzerhand, eine eigene Motorenentwicklung aufzubauen.

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz segnete die Investition in Milliardenhöhe 2021 ab. Kurz darauf rollten am Technologie-Campus in Milton Keynes die Bagger an. Die Zeit drängte. Schließlich musste das erste eigene Triebwerk pünktlich zum Beginn des neuen Reglement-Zyklus in der Saison 2026 fertig sein. Viele Experten bezweifelten damals, dass die ambitionierte Idee zum Erfolg führen würde.

Als dann Ford im Februar 2023 auf den Zug aufsprang und eine Motoren-Kooperation mit Red Bull bekanntgab, belächelten die meisten Experten die Partnerschaft als reinen Sponsor-Deal. Schließlich war in Milton Keynes schon alles vorbereitet für die Entwicklung und die Produktion der Power Units in Eigenregie. Doch mit dem neuen US-Partner bekam das Antriebsprogramm noch einmal eine ordentliche Anschubhilfe.

Red Bull schneller, Ford strukturierter

"Ich wünschte, wir hätten nur unsere Logos draufgeklebt, wie alle behaupten. Das hätte uns das Leben deutlich einfacher gemacht", grinste Ford-Chefingenieur Christian Hertrich bei der Vorstellung des Antriebs in Detroit. Der US-Amerikaner erinnert sich noch gut an die Anfangszeiten des Projekts: "Vor vier Jahren war in Milton Keynes noch niemand. Jetzt arbeiten da mehr als 600 Leute. Es gab Zeiten, da sind 20 neue Mitarbeiter pro Monat dazugestoßen."

Hertrich berichtet, dass sich die Mitarbeiter von Ford und Red Bull erst einmal aneinander gewöhnen mussten: "Wir haben unterschiedliche Herangehensweisen. Wir arbeiten langsam, dafür nach einer bewährten Methodik und sorgfältigen Prozessen. Sie sind schnell und bringen Kreativität ins Spiel. Sie haben uns immer angetrieben. Am Ende kommen die Ideen dann zusammen. Es ist eine perfekte Partnerschaft. Wir haben das gemeinsame Ziel, zu gewinnen."

Eine Qualität, die Ford in das Projekt einbringen konnte, ist die schnelle Produktion von Komponenten für den Antrieb. "Wir haben eine große Expertise, wenn es darum geht, Teile zu fertigen. Sie mussten bei Null starten. Unsere Firma hat 125 Jahre Erfahrung. Wir können alles bauen."

Red Bull Ford Powertrains - Fabrik - Milton Keynes
Red Bull

Zwölf Hardware-Komponenten von Ford

Dabei ging es nicht um das aufwendige Fräsen oder Gießen von mechanischen Bauteilen. Um Zeit zu sparen, brachte Ford seine Expertise beim 3D-Druck von Metallkomponenten ein. Die US-Spezialisten nutzen hierbei eine Technik, die sich DMLS ("Direkt Metal Laser Sintering") nennt.

"Damit sind wir viel schneller als mit traditionellen Produktionsmethoden. Da haben wir schon Jahrzehnte Erfahrung und hier im Haus jede Menge Expertise. Teile können in kurzer Zeit hergestellt und getestet werden. Insgesamt steuern wir 12 Komponenten in verschiedenen Systemen zur Power Unit bei", verrät der Ingenieur.

Bei den Komponenten von Ford handelt es sich zum Beispiel um Teile für die Elektromaschine (MGU-K). Auch zum Turbolader steuert der Partner aus den USA Hardware bei. Am Rande des Launches stellte Ford auch noch ein paar weitere Komponenten öffentlich aus, die der 3D-Drucker für das gemeinsame Motorenprojekt ausgespuckt hatte, wie zum Beispiel Wasserleitungen und Teile des Auspuffs (siehe Galerie).

Red Bull - Ford - Formel-1-Launch - Detroit  - 2026
Red Bull

Simulation, Elektronik, Software

Neben der Hilfe bei der Produktion unterstützt Ford die Red-Bull-Kollegen nach eigenen Angaben auch bei der Entwicklung. "Eine Reihe unserer Ingenieure arbeitet dafür direkt im Team in Milton Keynes. Anders funktioniert das nicht. Man muss direkt nebeneinandersitzen, damit die Zusammenarbeit reibungslos klappt", betont Hertrich.

Einer der Bereiche, in dem Ford sein Know-how einbringt, ist die Simulation des Motors. Mit Hilfe des Computers werden die Belastungen auf jede einzelne Komponente errechnet. Damit lassen sich aufwendige Prüfstandsläufe einsparen. Auch für die Optimierung des Energiemanagements während der Rennwochenenden liefert Ford Simulations-Software für die Ingenieure, um die optimale Verteilung von Elektro- und Verbrenner-Power zu ermitteln.

Der dritte Punkt, bei dem Ford die Finger im Spiel hat, ist die Batterie. Sie muss 2026 deutlich mehr aushalten, als das bisher der Fall war. Die Ford-Spezialisten haben eine Software entwickelt, mit der die Ladezyklen der Energie-Speicher optimiert werden, um einen vorzeitigen Verschleiß zu vermeiden. Auch bei den Testläufen mit den Batterien in der Fabrik sind stets Ford-Mitarbeiter dabei.

In Detroit war zu spüren, dass die Ford-Verantwortlichen stolz auf ihren Beitrag bei der Entwicklung des neuen Red-Bull-Motors waren. Offiziell trägt die Power Unit übrigens die Typenbezeichnung DM01. Mit dem Kürzel will Red Bull an das Vermächtnis von Firmengründer Dietrich Mateschitz erinnern, ohne den der Rennstall das Abenteuer nicht gewagt hätte. Schon bald wird sich zeigen, ob sich die Investitionen gelohnt haben.

Fazit