Formel 1: Antonelli wütend: Hätte es eine Strafe für Russell geben müssen?

Antonelli schimpft über Teamkollegen
Hätte Russell eine Strafe verdient gehabt?

GP Kanada 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.05.2026
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George Russell vs. Kimi Antonelli - GP Kanada 2026
Foto: xpb

Die Mercedes-Piloten scheinen den WM-Titel in diesem Jahr im teaminternen Duell auszufechten. In der WM-Wertung liegen Kimi Antonelli und George Russell schon weit vor ihren Verfolgern. Und auch in Montreal fuhren die Silberpfeile der Konkurrenz bisher vor der Nase herum. Als es am Samstag (23.5.) in den Sprint ging, hatte Russell mit der Pole-Position die bessere Ausgangslage.

Doch so leicht gab sich Antonelli nicht geschlagen. Der WM-Spitzenreiter heftete sich an die Fersen des Schwesterautos. Russell versuchte alles, den Teamkollegen abzuschütteln. Doch mit dem Vorteil des Windschattens und des Overtake-Modus hielt Antonelli den Anschluss. In Runde 6 holte der Teenager dann zur Attacke aus.

Auf der Zielgeraden saugte er sich an und setzte sich in Kurve 1 außen neben seinen Widersacher. Doch Russell schmiss die Tür kompromisslos zu und schickte den Italiener mit einem kleinen Hüftcheck neben die Piste. Mit ordentlich Wut im Bauch probierte es Antonelli in Kurve 8 noch einmal, verbremste sich dabei aber auf einer Bodenwelle auf der Innenseite und musste erneut durch die Wiese.

George Russell vs. Kimi Antonelli - GP Kanada 2026
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Norris profitiert von Mercedes-Duell

Dadurch rutschte auch noch der McLaren von Lando Norris durch, der die Ziellinie am Ende zwischen den beiden Silberpfeilen auf Rang zwei überquerte. Noch während des Sprints beklagte sich Antonelli mehrfach über die aus seiner Sicht überharte Fahrweise seines Teamkollegen. Er hatte das Gefühl, unfair von der Strecke geschubst worden zu sein.

Irgendwann musste sich sogar Teamchef Toto Wolff einschalten, um seinen Youngster zu beruhigen. Doch auch auf der Auslaufrunde hatte sich Antonelli noch nicht abgeregt, so dass sich Wolff noch einmal mahnend im Cockpit meldete: "Das war jetzt das vierte Mal. Wir sprechen darüber intern und nicht über Funk."

In den TV-Interviews im Anschluss an den Sprint konnten die beiden Fahrern den Nachfragen nicht entfliehen. Antonelli gab seine Sicht der Dinge wieder: "Das war ein enger Kampf. Ich habe meinen Angriff gestartet. Ich muss mir die Szene nochmal anschauen, aber ich lag schon direkt neben ihm. Dann wurde ich abgedrängt."

George Russell vs. Kimi Antonelli - GP Kanada 2026
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Russell-Aktion am Limit

Russell konterte, dass Angriffe auf der Außenseite von Kurve 1 nur eine geringe Chance auf Erfolg haben. Sein Gegner hätte wissen müssen, was ihm blühen würde. Der Brite versuchte, die Kontroverse locker zu sehen. "Es war ein guter Kampf. Ich bin froh, dass wir beide nach dem Rennen hier stehen können."

Bei genauerer Analyse der strittigen Szene kann man den Ärger von Antonelli durchaus nachvollziehen. Er hatte am Scheitel von Kurve 1 tatsächlich einen Großteil seines Autos neben seinem Gegner, der ihm dann am Ausgang keinen Platz ließ. Die Rennleitung verzichtete allerdings auf eine Strafe, was durchaus durch die im Winter überarbeiteten Überhol-Richtlinien gedeckt ist. Dass die Szene während des Rennens aber noch nicht einmal untersucht wurde, war etwas überraschend.

Wolff versuchte, den internen Streit ohne große Emotionen abzumoderieren: "Es war eine sehr gute Lehrstunde, wie wir es machen wollen, oder wie wir es nicht machen wollen. Es zeigt, wie schnell man einen Vorsprung aufgibt, wenn man hart miteinander fightet. Da gehören immer zwei dazu. Meine Lehre ist, dass wir es früher einbremsen müssen und uns nicht öffentlich beschweren."

Kein Krieg der Sterne

Nach den turbulenten Zeiten mit dem Duell Lewis Hamilton gegen Nico Rosberg scheint Wolff nun wieder mehr gefordert, um den Zweikampf seiner Piloten nicht eskalieren zu lassen. "Ich mag solche Situationen. In ihnen kann man lernen und sich überlegen, wie man damit in der Zukunft umgeht. Wir wollen den Rahmen festlegen. Ich habe so etwas lieber in einem Sprint, wo es nicht so viele Punkte gibt."

Für Wolff geht es jetzt darum, schnell zu reagieren. Schon am Sonntag steht das Hauptrennen in Montreal auf dem Programm, wo sich die beiden Streithähne wohl erneut begegnen werden. "Wir wollen nicht schon im fünften Rennen der Saison Überschriften wie "Krieg der Sterne" oder "Eskalation" lesen. Das ist es nämlich nicht. Es sind Emotionen eines jungen Fahrers. Und George hätte wohl das Gleiche gemacht. Jetzt müssen wir schauen, wie wir damit umgehen."

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