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Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 27. August 2021
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Vettel-Abschied: Aston Martin wollte Entscheidung

Aston Martin wollte Entscheidung Vettel-Ansprache mit Tränen

Sebastian Vettel hat sich am Donnerstagmorgen von seinem Team in der Garage mit einer emotionalen Rede verabschiedet. Es flossen auch ein paar Tränen. Aston Martin wollte von seinem Ex-Champion eine Entscheidung vor Sommerpause. Um notfalls Ersatz zu suchen.

Um 10 Uhr morgens wurde es voll in der Aston Martin-Garage. Alle Teammitglieder hatten sich um die beiden Einsatzautos herum versammelt. Mittendrin Sebastian Vettel. Man konnte ihn in der Menge von außen gar nicht sehen. Es war der Moment, in dem Vettel seiner Mannschaft mitteilte, dass er am Ende des Jahres zurücktreten werde. Und in dem er noch einmal allen für ihren Einsatz dankte. "Ich wollte nicht, dass sie es aus der Presse erfahren."

Sportdirektor Andy Stevenson erzählt: "Es war eine sehr emotionale Ansprache. Jeder hat gespürt, dass es von Herzen kommt und dass da nichts gespielt ist. Da sind einige Tränen geflossen, auch bei gestandenen Männern."

Die Teamleitung hatte von Vettels Entscheidung schon am Mittwoch erfahren. Bis dahin hatten sich alle noch Hoffnung gemacht, dass der vierfache Weltmeister noch ein Jahr dranhängen würde. "Seb ist ein intelligenter, schneller und strategischer Fahrer. Wir werden seine Qualitäten vermissen", gibt Teamchef Mike Krack zu.

Vettel räumte ein, dass er diese Entscheidungen lange mit sich herumgetragen hat, und dass seine Frau ihn eher zum Weitermachen als zum Aufhören gedrängt hat. Weil sie weiß, wie sehr Vettel an diesem Sport hängt.

Und trotzdem: 2023 beginnt ein neuer Lebensabschnitt, vor dem Vettel durchaus Respekt hat: "Es ist die richtige Zeit etwas anderes zu tun, auch wenn ich noch nicht weiß, wie das andere aussieht. Es kann sein, dass ich in das berühmte schwarze Loch falle. Aber ich habe genug Freunde, die mir da raushelfen werden, wenn es so weit kommen sollte."

Wer folgt auf Vettel?

Aston Martin wollte seinen Chefpiloten, seinen Antreiber halten. Man war sich auch bis auf kleine Vertragsdetails weitgehend einig. Und doch war der Rücktritt für Vettel die bessere Option. "Für diesen Job musst du alles geben. Ich ziehe keine Befriedigung daraus, nur mitzufahren. Dafür sind die Opfer zu groß. Der mentale Einsatz, der Zeitaufwand und die Zeit, die ich weg von der Familie bin. Ich liebe den Motorsport immer noch, aber es gibt jetzt genug Gründe, die mich davon wegziehen."

Aston Martin hatte ihn gebeten, sich vor der Sommerpause zu entscheiden, um notfalls genug Zeit zu haben einen Nachfolger zu suchen. Die stehen nicht einfach so auf der Straße. Fernando Alonso verhandelt gerade mit Alpine um eine Verlängerung. Für ihn wäre Aston Martin nur ein Notnagel. Und wer weiß, ob der schwierige Spanier trotz seiner fahrerischen Exzellenz überhaupt willkommen ist.

Sebastian Vettel - GP Ungarn 2022
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In Budapest informierte Vettel sein Team vor der öffentlichen Bekanntgabe über seine Entscheidung zum Rücktritt.

Sonst werden noch Daniel Ricciardo, Mick Schumacher und Nico Hülkenberg gehandelt. Hülkenberg wird kommende Woche für Aston Martin einen Tag die 2023er Pirelli-Reifen testen. "Der Test war aber von langer Hand geplant", beugt Stevenson voreiligen Gerüchten vor. Vettel macht sich für Mick Schumacher stark, weil er an das Talent seines Landsmannes glaubt, "weil er einer ist, der lernt und sich weiterentwickelt, wo andere stehenbleiben."

Sebastian Vettel hatte eine Woche vor seiner Rücktrittserklärung noch von Gesprächen mit Aston Martin erzählt, und dass es den gemeinsamen Wunsch gebe weiterzumachen. Der Rennstall konnte ihm zwar keine Resultate bieten aber wenigstens Hoffnung. Mit der B-Version habe Aston Martin gezeigt, dass die Moral im Team stimmt, dass man notfalls Tag und Nacht arbeitet, um etwas auf die Räder zu stellen, was in der Kürze der Zeit eigentlich gar nicht möglich ist.

Opfer für die Familie zu groß

Und 2023 sollte alles besser werden. Mit Top-Ingenieuren, die man von Red Bull und Mercedes abgeworben hatte. Mit dem Verständnis, was man in diesem Jahr falsch gemacht hat. Vettel würde sich vielleicht nächstes Jahr ärgern, wenn der Aston Martin um Podiumsplätze fährt und er selbst auf der Couch sitzt.

Vettel meinte dazu, dass ihm das gleiche Prinzip Hoffnung schon letztes Jahr verkauft wurde. Mit dem Neustart der Formel 1 wären alle gleich, und ein Team wie Aston Martin könnte das goldene Los ziehen. Man zog zunächst einmal eine Niete.

Vettel verteidigte das erste Modell des AMR22 sogar noch. "Im Windkanal hat er sensationelle Werte geliefert." Und die B-Version sei ein Schritt zur Seite, um in Zukunft mehr Entwicklungsoptionen zu haben. Andererseits warnte er davor, dass mit den neuen Ingenieuren alles gleich viel besser wird. Die müssten sich auch erst einmal einleben.

Und dann ist da noch die Familie, die er bei einem ständig wachsenden Kalender immer seltener sieht. Das Opfer ist erträglich, solange man um Siege mitfährt. Für neunte Plätze wird es groß.

Sebastian Vettel - Aston Martin TT1 - Showrun - GP Frankreich 2022 - Paul Ricard
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Viele Facetten: Sebastian Vettel interesssierte sich sowohl für Rennhistorie als auch für Umweltschutz.

Weitermachen war Vettel nicht genug

Vettel hat aus zwei Gründen die Reißleine gezogen. Erstens, weil ihm klar wurde, dass ein Erfolg mit Aston Martin, wenn er denn je kommt, zu spät für ihn käme. Und er auch keine Alternativen hat. "Am Ende gewinnen doch immer nur Red Bull, Mercedes und Ferrari", meinte er zuletzt etwas desillusioniert. Nur mitfahren, das ist nichts für Vettel. Er war wie so viele vor ihm mit seiner Karriere auf ein Abstellgleis gedriftet. Dem geplatzten Traum bei Ferrari folgte das Experiment Aston Martin, das auch nicht so funktionierte wie erhofft.

Es gibt in der Geschichte der Formel 1 genug Beispiele von Mehrfach-Weltmeistern, die nicht aufhören konnten und sich in den letzten Jahren keinen Gefallen mehr getan haben. Graham Hill hätte schon Anfang der 70er Jahre aufhören müssen, statt sich mit Brabhams und Lolas ins Rentenalter zu schleppen. Emerson Fittipaldi hätte die brasilianische Mission mit seinem eigenen Team früher beenden müssen.

Michael Schumacher hat sich mit seinen drei Mercedes-Jahren auch keinen Gefallen mehr getan. Er erntete intern viel Lob, extern dagegen viel Unverständnis. Die Resultate verbargen, was er wirklich für Mercedes geleistet hat.

Ähnliches wird man mal über Vettel bei Aston Martin sagen. "Es war ein Vergnügen mit ihm zusammenzuarbeiten", meinte Chefingenieur Tom McCullough. "Er kam mit einem frischen Ansatz. Seine Erfahrung, seine Ideen und sein Einsatz haben uns weitergebracht. Vor allem seine Liebe zum Detail."

Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 10. Juni 2022
Aston Martin
Sebastian Vettel bekommt viel Lob von seinem Team, obwohl die Ergebnisse kaum Anlass zum Jubel gaben.

Zwischen Formel 1 und Umweltkampagne

Vettel spürte außerdem immer häufiger, dass seine Umweltkampagne und sein Job als Formel-1-Fahrer nicht zusammenpassen. Zumal die Formel 1 viel zu spät auf den klimaneutralen Kraftstoff aufspringt. Bis 2026 zu warten, machte ihn fast zornig. Vettel hatte bei seinen Demo-Fahrten mit dem 1992er Williams und dem Aston Martin TT1 von 1922 bewiesen, dass E-Fuels sich mit jedem Motor vertragen.

Es fühlte sich einfach falsch an für die Umwelt zu kämpfen und gleichzeitig um die Welt zur reisen und die schnellsten Autos der Welt zu fahren. Vettel meint es ernst mit seinen Sorgen um das Klima: "Die Menschheit steht vor ihrer größten Herausforderung. Wenn wir dieses Rennen verlieren, dann dreht sich die Welt bald ohne uns. Das ist eine Bedrohung für die nächste Generation. Deshalb sage ich was ich denke, und es ist vielleicht nicht richtig Dinge zu tun, die dem entgegenstehen."

Was also tun? Die Formel 1 kritisieren und trotzdem weiterfahren? Oder den Mund halten und sich von den Umweltaktivisten als Heuchler beschimpfen lassen? Vettel mag keine halben Sachen. Dann besser aufhören und nur noch seine Meinung sagen. Das kann er als Privatmann sicher nicht so publikumswirksam wie als Formel-1-Fahrer. Dann hält ihm keiner mehr ein Mikrofon unter die Nase.

Vielleicht hat er deshalb fast gleichzeitig mit seinem Rücktritt ein Instagram-Profil angelegt. Es wird seine Plattform für die Zukunft sein. Es wäre, so Vettel, auf jeden Fall falsch gewesen nur deshalb weiterzufahren, um eine Bühne zu haben, die Leute aufzurütteln. "Meine Stimme wird an Gewicht verlieren. Doch für mich ist die Message wichtiger als die Bühne."

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