Formel 1: Verstappen beleidigt F1-Fans: Ist die Watschen berechtigt?

Keine Ahnung von echtem Racing
Hat Verstappen mit der Fan-Watsche recht?

GP China 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.03.2026
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Zwei Rennen mit der neuen Hybrid-Formel liegen nun hinter uns. Wenn die Serienbosse gehofft haben, dass die Diskussionen über die neuen Autos irgendwann abebben, dann haben sie sich getäuscht. Allerdings ist das Echo nicht mehr ganz so kritisch wie noch zu Beginn der Testfahrten. Immer mehr Fans und Fahrer können der Energie-Revolution mittlerweile etwas abgewinnen.

Lewis Hamilton sprach nach seinen rundenlangen Duellen mit Teamkollege Charles Leclerc davon, dass er das Rennen richtig genießen konnte. Die roten Rennwagen wechselten fast im Minutentakt die Reihenfolge. So viel Spaß habe er lange nicht mehr im Cockpit gehabt, strahlte der Rekordsieger. Auch von den Mercedes-Piloten hört man verständlicherweise nur positive Töne. Wer vorn fährt und Erfolge sammelt, will natürlich nicht, dass sich etwas ändert.

Als neutraler Beobachter konnte man feststellen, dass die Überholmanöver nicht mehr ganz so künstlich und einfach wirkten wie noch in Australien. Das Layout ermöglichte es allen Fahrern, etwas besser mit der verfügbaren Elektro-Power zu haushalten. Natürlich gab es immer noch die viel kritisierten Jojo-Phasen, in denen sich Autos mit Energie-Überschuss innerhalb weniger Kurven hin und her überholten. Doch es gab auch mehrere Rad-an-Rad-Duelle, bei denen die ganze Fahrkunst der Piloten sichtbar wurde.

Lewis Hamilton vs. Charles Leclerc - Formel 1 - GP China 2026
James Sutton via Getty Images

Viel positives Feedback

Das Feedback von Fans, die nicht ganz so tief in der Materie stecken, ist überwiegend positiv. Ihnen ist es egal, dass man nicht immer genau weiß, warum ein Fahrer jetzt plötzlich schneller ist als der direkte Gegner. Dass nicht jedes Manöver auf letzter Rille in der Bremszone durchgeführt wird. Oder dass die Geschwindigkeit der Autos am Ende der Geraden trotz Vollgas plötzlich runtergeht. Sie freuen sich einfach, dass sich die Reihenfolge häufiger ändert als früher.

Gerade diese neuen Gelegenheitsfans sind es, um die sich die Formel 1 in den letzten Jahren besonders bemüht hat. Bisher wurde vor allem versucht, die Show neben der Strecke zu verbessern. Nun scheint sich das Verhältnis zwischen Entertainment und Sport auch auf der Piste zu verschieben.

Dass sich die öffentliche Meinung langsam zu drehen scheint, verärgert Chefkritiker Max Verstappen umso mehr. Er bezeichnete es als "schrecklich" und "einen Witz", dass man nun deutlich einfacher an anderen Autos vorbeifahren kann, wenn es der Füllstand der Batterie erlaubt. "Wenn das jemandem gefällt, dann hat er einfach keine Ahnung von echtem Racing." Rumms – das hat gesessen!

Max Verstappen - Red Bull - Bahrain - Test - Formel 1 - 2026
Wilhelm

Grenze überschritten

Natürlich muss man es, vor allem als Journalist, immer loben, wenn Fahrer ihre ehrliche Meinung kundtun. Als vierfacher Weltmeister hat Verstappen jedes Recht dazu, Kritik anzubringen, wo er es für richtig hält. Mit der verbalen Watschen für einen Teil der Formel-1-Zuschauer hat er aber eine Grenze überschritten.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich sehe mich selbst eher in der kritischen Fraktion, was die neuen Regeln angeht. Schon die vielen positiven Rückmeldungen auf den Start in Melbourne konnte ich nicht nachvollziehen. Das wirkte in der Anfangsphase einfach zu künstlich. Doch in China gab es schon deutlich mehr, was mir gefiel. Nicht alles war gut, aber auch nicht alles war schlecht.

Verstappen glaubt, dass die Formel 1 den Fokus auf mehr Spektakel irgendwann bereuen wird. Bei dieser Warnung gebe ich ihm recht. Wenn sich die jungen Fans etwas anderes suchen, weil es irgendwo einen neuen Hype gibt, und die alten Hardcore-Fans keine Lust mehr auf den Zirkus haben, dann bleibt nicht mehr viel übrig. Schnellschüsse sind noch nicht nötig. Aber die Serienbosse müssen im Auge behalten, dass das Verhältnis stimmt, und im Notfall nachjustieren.

Fazit