Der Frust von Max Verstappen ist in jedem Interview zu spüren. Dem vierfachen Weltmeister gefallen die neuen Autos nicht. Daraus macht der Red-Bull-Pilot kein Geheimnis. Wie groß der Ärger während der Fahrt im Cockpit ausfällt, erfuhr man bisher kaum. Die internationale Regie verzichtet offenbar absichtlich darauf, die genervten Funksprüche des Niederländers einzuspielen.
Erst nach dem Rennen in Shanghai konnte man sich bei der Analyse des Funkverkehrs in den Onboard-Aufnahmen ein genaueres Bild machen, mit welchen Problemen der Vizechampion zu kämpfen hatte. Das Rennen hatte für Verstappen schon nicht gut begonnen. Ein schlechter Start und ein Boxenstopp kurz vor der Safety-Car-Phase warfen ihn weit zurück.
Bei der Aufholjagd ging es dann nicht so schnell voran, wie es sich der 28-Jährige vorgestellt hatte. Dabei zeigten die Funksprüche, dass der Pilot im Cockpit nicht das volle Potenzial seines Autos ausnutzte. Ein Kommunikationsfehler im Team sorgte dafür, dass Verstappen über weite Strecken des Rennens in einer Kurve unnötig Tempo herausnahm.

Bei Max Verstappen fährt aktuell der Frust im Cockpit mit.
Missverständnis am Red-Bull-Funk
Erst in Runde 35 des insgesamt 56 Runden langen Rennens wurde ihm klar, dass er in Kurve 6 stärker verzögerte als erforderlich. Verstappen fragte seinen Renningenieur Gianpiero Lambiase: "Muss ich jetzt in Kurve 6 vom Gas oder nicht?" Die Antwort: "Das Lupfen ist nicht nötig!" Worauf Verstappen genervt entgegnete: "Ich nehme hier schon das halbe Rennen den Fuß vom Gas. Warum sagt mir das niemand?"
Um die Leistung der neuen Formel-1-Antriebseinheiten optimal zu nutzen, weisen Teams ihre Fahrer regelmäßig an, vor schnellen Kurven "Lift and Coast" zu betreiben, also frühzeitig vom Gas zu gehen und das Auto rollen zu lassen. In Shanghai reduzierte Verstappen sein Tempo insbesondere vor den Kurven 1 und 14 deutlich. Er erhielt früh im Rennen die Anweisung, dort noch stärker zu lupfen.
Zusätzlich begann er auch vor Kurve 6 das Tempo zu drosseln. Sein Renningenieur informierte ihn schließlich darüber, dass er in diesem Abschnitt Zeit auf den vor ihm liegenden Oliver Bearman verlor. Erst da keimte bei Verstappen der Verdacht auf, dass es gar nicht nötig war, in dieser Passage den Fuß vom Gas zu nehmen.

Spaß hat Max Verstappen an der neuen Formel 1 noch nicht.
Frust auch beim Renningenieur
Als Verstappen seinen Renningenieur anfauchte, man solle sich sein Onboard-Video ansehen, um ihm Tipps für Verbesserungen zu geben, reagierte Lambiase ungewohnt scharf: "Ich bin hier auf Deiner Seite, Max. Ich versuche Dir zu helfen und Dir Informationen zu geben. Nichts weiter!"
Das Rennen dauerte für Verstappen danach aber nur noch sieben Runden. In dieser Zeit konnte er den Rückstand auf Bearman kaum verringern. Zwölf Runden vor Schluss schied Verstappen schließlich mit einem Defekt an der Kühlung des Hybrid-Systems aus. Zu diesem Zeitpunkt lag er bereits 47 Sekunden hinter dem späteren Rennsieger Kimi Antonelli.





