Renault Twingo mit 6.800 km: Ur-Twingo im Museumszustand - aber so teuer?!

Renault Twingo 1.2 mit nur 6.800 km
Ur-Twingo im Museumszustand - aber so teuer?!

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.02.2026
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Rund um den Marktstart der elektrischen Neuauflage in Retro-Optik (siehe Video nach dem zweiten Absatz) ist um den Renault Twingo wieder ein gewisser Hype entstanden. So ähnlich muss es schon 1993 gewesen sein, als die Franzosen die revolutionäre erste Generation ihres Kleinwagen-Klassikers ins Rampenlicht geschoben haben. Der 3,43 Meter lange Autoknirps eroberte mit Kindchenschema-Optik und – angesichts der Größe – sehr geräumigem und variablem Innenraum die Herzen vieler Käuferinnen und Käufer im Sturm.

Twingo im "Museumszustand" mit 6.800 km

Doch der automobile Alltag hat vielen Exemplaren der ersten Twingo-Generation längst den Garaus gemacht; aus dem aktuellen Straßenbild ist der Trendsetter weitgehend verschwunden. Umso erstaunlicher und schöner ist es, wenn einem heute noch ein Vertreter in Bestzustand begegnet. Wie jener Renault Twingo 1.2, den der spanische Autohändler Ewagen aktuell im Angebot hat. Ein glänzend schwarzes Exemplar der zweiten Phase (Erstzulassung 05/1999), bestens in Schuss und mit nicht einmal 6.800 Kilometern auf dem Tacho. Der Händler bescheinigt dem kleinen Franzosen einen "Museumszustand" und hält ihn für das "möglicherweise am besten erhaltene Exemplar".

Tatsächlich beteuert Ewagen, dass der Twingo noch seine originale Lackierung trägt und auch sonst nicht restauriert wurde. Kunststoff, Felgen, Unterboden, Innenausstattung und Mechanik befinden sich "in Topzustand", das Auto "fühlt sich an und riecht wie neu!". Beim Betrachten der Fotos glaubt man das sofort. Damit das die potenzielle Kundschaft seriös einschätzen kann, verfügt der Twingo über eine dokumentierte Historie aus Inspektions-Scheckheft und TÜV-Prüfberichten.

Kaum gefahren, bestens gepflegt

Die beigelegten Dokumente weisen übrigens darauf hin, dass der Zeitkapsel-Twingo nach Deutschland erstausgeliefert wurde. Bisher gab es nur einen Besitzer, der mit dem Kleinwagen in den ersten zehn Jahren offenbar einigermaßen regelmäßig unterwegs war. Bis zu einem Inspektionstermin im Mai 2009 sammelte der Twingo 5.621 Kilometer. In den folgenden 15 Jahren kamen nur noch gut 1.000 Kilometer hinzu. Seit der letzten TÜV-Überprüfung im Dezember 2024 erhielt der Franzose eine Inspektion sowie einen neuen Zahnriemen samt Wasserpumpe und Thermostat. Eine Unterbodenbehandlung mit Hohlraumwachs soll er ebenfalls erhalten haben.

Reinsetzen, losfahren und sich in die 1990er-Jahre beamen lassen, dürfte also kein Problem sein. Besonders flott geht es dabei – typisch Twingo – nicht voran. Der 1,2-Liter-Vierzylinder-Benziner (Bezeichnung D7F) mit Zweiventiltechnik liefert 58 PS sowie maximal 93 Newtonmeter und überträgt seine Kraft über ein manuelles Fünfgang-Getriebe mit einem langen, nicht besonders präzise geführten Schalthebel auf die Vorderräder.

Innen: astreines 1990er-Jahre-Flair

Dass der Motor nur die Abgasnorm Euro 3 erfüllt, dürfte angesichts der bald zu erwartenden H-Zulassung verschmerzbar sein, sollte das Auto nach dem Verkauf den Rückweg nach Deutschland antreten. Und dass mit 155/70er-Reifen auf 13-Zoll-Stahlfelgen mit Original-Radkappen keine fahrdynamischen Wunderdinge zu erwarten sind, liegt ebenfalls auf der Hand. Aber für solche war die erste Twingo-Generation sowieso nicht bekannt.

Innen verbreitet der Dreitürer endgültig den unvergleichlichen Twingo-Charme. Hier gibt es einerseits viel mausgraues Plastik am Armaturenbrett mit den typischen Instrumentenschlitzen, an den Türtafeln oder am flachstehenden Lenkrad. Doch schon einzelne Bedienelemente setzen kleine gelbe Farbtuper. Astreines 1990er-Jahre-Flair verströmen letztlich die Sitzbezüge mit ihren bunten Farbsprenklern.

12.500 Euro – ernsthaft?!

Die Ausstattung ist für Twingo-Verhältnisse übrigens sehr reichhaltig. Fensterheber und Rückspiegel lassen sich elektrisch bedienen beziehungsweise verstellen, eine Klimaanlage liefert angenehme Temperaturen, die Zentralverriegelung sorgt für Komfort und die Front- sowie Seitenairbags bieten die nötige Sicherheit. Das in der ersten Twingo-Generation viel zu weit unten angeordnete Radio stammt übrigens von Blaupunkt.

Bei der Beschreibung des Renault Twingo greift Händler Ewagen rhetorisch ins oberste Regal. Er sei ein "Modell speziell für Sammler und Liebhaber" und berge ein gewisses Wertsteigerungspotenzial in sich. Dabei siedelt sich der von den Spaniern aufgerufene Preis bereits sehr weit oben an. 12.500 Euro soll der Renault kosten – nicht verhandelbar, wie der Händler betont. Das ist wahnsinnig viel Geld für einen Erstgenerationen-Twingo. Aber vielleicht sogar vertretbar für einen Fast-Oldtimer im Bestzustand, der bei jedem Treffen und jeder Ausfahrt zu den Exoten gehören dürfte. Und dem automatisch die Herzen zufliegen.

Fazit