ADAC-Motorsport-Chef Thomas Voss ADAC

ADAC-Motorsport-Chef Thomas Voss im Interview

Interview mit ADAC-Sportchef Thomas Voss „GT3 wird noch einige Jahre stabil bleiben“

Ab der kommenden Saison richtet der ADAC die DTM aus und stellt sich auch dafür an vielen Stellen neu auf. Im Gespräch mit auto motor und sport erklärt der Motorsportchef Thomas Voss, warum der Weg zurück zu traditionellen Tourenwagen kompliziert ist, wie man deutsche Fahrer im Formelsport stärken will und auf welche Weise der ADAC für die Rennsport-Zukunft plant.

Mit der Übernahme der DTM ist die Zukunft der Serie als GT3-Format mittelfristig gesichert. Gibt es Überlegungen, langfristig wieder zu Tourenwagen oder Tourenwagen-artigen Autos wie bei den australischen Supercars zurückzukehren?

Voss: Die GT3-Klasse ist stabil und wird das auch durch den Zuwachs weiterer Marken sicherlich noch einige Jahre bleiben. Es zählt aber natürlich zu unseren Aufgaben, uns Gedanken darüber zu machen, was darauf folgen könnte. Dabei steht aber primär nicht die Karosserieform im Fokus, sondern das Antriebskonzept. Bei der Karosserieform sind wir als Promoter von den Angeboten der Automobilindustrie abhängig.

Bei den Herstellern und auch bei den Verbrauchern genießen viertürige Limousinen als klassische Basis des Tourenwagensports nicht mehr den Stellenwert wie zu Hochzeiten der Gruppe A oder der Supertourenwagen in den 1990er-Jahren. Andere Karosserievarianten dominieren den Serienmarkt und selbst in der australischen Supercars-Meisterschaft fahren ab dem kommenden Jahr zweitürige Coupés.

Supercars Gen3 Ford Mustang
Supercars
Die australische Supercars-Serie versteht sich als Tourenwagen-Format. Doch auch hier wird der Wechsel auf Autos mit GT-Silhoutten nötig.

Der ADAC stellt seine Formel-4-Serie ein und wird stattdessen ein Förderteam in Frankreich melden. Welche Philosophie steckt hinter der umgebauten Jugendförderung?

Voss: Eine Formel-4-Saison ist für einen Nachwuchsfahrer mittlerweile kaum mehr zu finanzieren. Obwohl die Preise für Fahrzeuge und Ersatzteile in der Klasse gedeckelt sind, sind die Kosten in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen – sei es durch doppelte oder dreifache Rennprogramme oder ausufernde Tests. Das hat dazu geführt, dass es in den vergangenen Jahren nur ein, zwei deutsche Fahrer gab, die sich eine gesamte Saison in der ADAC Formel 4 leisten konnten. Es war an der Zeit, diese Spirale zu durchbrechen.

Wir sehen in der FFSA Formel 4 gute Ansätze, denn die dortige Serie ist die einzige Formel-4-Serie in Europa mit einem Zentraleinsatz und so transparenten und überschaubaren Kosten. Daher sind wir eine Kooperation mit der Fédération française du sport automobile, dem französischen DMSB, eingegangen und geben im kommenden Jahr zwei deutschen Talenten dort eine Chance. Wir planen, diese Kooperation auszubauen, sprechen über eine Ausweitung der Plätze für das ADAC Formel Junior Team, Rennen bei der DTM und prüfen, ob ein Zentraleinsatz auch ein Modell für eine ADAC Formel 4 in den kommenden Jahren sein könnte. Ganz sicher werden wir uns in diesem Bereich weiter engagieren.

Opel Corsa-e Rally
Opel
Elektrische Formate wie der ADAC Opel e-Rally Cup ebnen den Weg für neue Antriebe. Die Impulse müssen wie im Fall von Opel aber aus der Automobilindustrie kommen.

Der deutsche Motorsport steht zusehend unter Druck. Viele Teams und Fahrer hadern mit einer schwierigen Sponsorensuche und den steigenden Kosten. Wie will der ADAC die deutsche Szene unterstützen?

Voss: Der ADAC unterstützt den Motorsport unter anderen durch die Ausschreibung und Durchführung von Serien und natürlich Plattformen, im Rallyesport wie auch auf der Rundstrecke. Im Breitensport haben wir zum Beispiel erfolgreich das ADAC Racing Weekend etabliert, das mittlerweile vielen Serien und Amateurmotorsportlern ein Zuhause gibt. Beim ADAC Racing Weekend unterstützen wir die Veranstalter mit unserer Expertise und zeitgemäßen Standards in unterschiedlichen Bereichen, mit dem Ziel, diese Events zukunftsfähig zu gestalten.

Welche Rolle spielen dabei neue Antriebe?

Voss: Neue Antriebe spielen im ADAC Motorsport eine große Rolle, aber auch herkömmliche Antriebe mit fossilfreien Kraftstoffen. Im Rallyesport haben wir erfolgreich den ADAC Opel e-Rally Cup etabliert. Bis jetzt ist der Cup die erste elektrische Rallyeserie, und auch die einzige elektrische Serie im Nachwuchs- und Breitensport. Wir sind für jeden Automobilhersteller offen, so ein Konzept mit uns auch auf der Rundstrecke umzusetzen.

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