Mick Schumacher: So lief der erste Ovaltest des IndyCar-Rookies

So liefen Mick Schumachers erste Ovalrunden
„Mick hatte vom Start weg perfektes Feedback“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.02.2026
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Die größte Hürde ist übersprungen! Bei bestem Wetter wagte sich Mick Schumacher erstmals auf ein Oval. Für die historische Ausfahrt wählte sein Team Rahal Letterman Lanigan einen Kurs, der Anfängern durchaus Furcht einflößen kann. Der Homestead-Miami Speedway im Süden der Florida-Metropole misst 1,5 Meilen (2,41 Kilometer) und weist Steilkurven mit bis zu 20 Grad auf. Zum Vergleich: Der Indianapolis Motor Speedway ist eine Meile länger (4,02 km), hat allerdings nur die Hälfte der Gradzahl.

Natürlich hielt sich das Risiko in Grenzen. Anstatt direkt ans Limit zu gehen, bekam Mick Schumacher mehrere kontrollierte Runs am Morgen und Nachmittag. Videos, die das Traditionsteam über soziale Medien teilte, zeigen das Herantasten. Micks Kollege Graham Rahal, der als Sohn des Eigentümers Bobby Rahal bei der Team-Organisation unterstützt, und der neue Fahrercoach Ryan Briscoe lieferten dem Deutschen zahlreiche Tipps. In einem Video rät Altstar Rahal: "Wenn das Auto übersteuert, musst du hier nichts riskieren. Es ist nur ein Test, hier kann man nur verlieren. Im Rennen wirst du jedoch damit leben müssen."

Obwohl sich der Ovalsport durch seine ausschließlichen Linkskurven viele Klischees gefallen lassen muss, ist er alles andere als ein Kinderspiel. Die Linienwahl und das Hochhalten der Geschwindigkeit bei konstanten G‑Kräften gelten als Kunst. Der ehemalige Formel-1-Pilot Marcus Ericsson beschrieb: "Die größten Lektionen des Umstiegs waren, dass Erfahrung sehr wichtig ist und kleinste Details bei der Fahrweise sowie beim Setup entscheidend sind. Diese Nuancen musste ich erlernen." Mit Erfolg: Der heutige Andretti-Pilot gewann 2022 das legendäre Indy 500.

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Erste Fortschritte und früher Spaß

Davon ist Mick Schumacher wohl noch etwas entfernt. Seine grundsätzlich positive Haltung zu Ovalen sollte sich bewahrheiten: "Es ging schon mal gut los! Wir haben etliche Runden abgespult und bereits das Setup in kleinen Schritten verbessert. Das macht wirklich Laune!" Gegenüber TV-Partner FOX scherzte er: "Beim ersten Einlenken in die Steilkurve war ich feige und musste die Bremse antippen, dabei wäre es fast voll gegangen. Daran muss ich mich gewöhnen."

Die Aussagen entsprechen einem Muster. Zahllose IndyCar-Einsteiger taten sich schwer, die Parallel-Disziplin zu Rund- und Stadtkursen einzuschätzen. Diverse fürchteten nach Simulatorfahrten – wie auch Schumacher sie absolvierte – mögliche Monotonie. Der reale Eindruck öffnete jedoch bisher allen die Augen. Was auf dem Papier bzw. Bildschirm simpler wirkt, wird nämlich schnell zum Thriller. Einerseits sind Ovale nur in den seltensten Fällen wirklich glatt – viele haben sogar charakteristische Bodenwellen.

Andererseits verändern sich die Renner mit jeder einzelnen Runde. Wenn man am Limit angelangt ist, können kleinste Balance-Verschiebungen durch Spritverbrauch sowie Reifenabnutzung gravierende, im schlimmsten Fall teure, Folgen haben. Deswegen finden die Piloten spezielle Einstellungs-Werkzeuge vor, die Europäern meist komplett fremd sind. Aus all diesen Gründen war Kollege Rahal im Anschluss an den Test beeindruckt: "Ich bin nicht überrascht, dass Mick so gut startete. Aber wie er alles zügig umgesetzt hat, war ungewöhnlich. Vom Start weg hatte er ein perfektes Feedback."

Mick Schumacher - IndyCar-Test - Homestead-Miami - 2026
IndyCar

Countdown zum Saisonstart

Die Aspekte des Racings, allen voran Dirty-Air bzw. Windschatten, blieben dem 26-Jährigen beim Privattest erspart. Der Miami-Trip drehte sich rein um das Gefühl. Schumacher musste etwa lernen, zielsicher seinen Dallara-Honda in die Pitlane zu bringen. Was auf normalen F1-Strecken fast nebensächlich ist, verlangt hier viel Fokus. Erst müssen die IndyCar-Racer sicher von den Steilkurven herunterziehen, dann mit durch Fahrtwind ausgekühlten Bremsen das Speedlimit anpeilen und abschließend zielsicher im Pitlane-Abschnitt halten. Speziell in Indianapolis werden regelmäßig Mechaniker ungewollt angefahren – Ovale sind für alle hardcore.

Hardcore beschreibt Schumachers nächste Teststation ebenfalls treffend. Der rustikale Flugplatzkurs von Sebring (9./10.2.) könnte aber kaum unterschiedlicher zu Homestead-Miami sein. Da hilft auch die gemeinsame Heimat Florida nicht. Die Unebenheiten der legendären Sportwagen-Schleife werden Mick eine wichtige Idee dafür geben, wie sich die 2,2-Liter-Biturbo-Hybrid-V6 auf Stadtstrecken verhalten. Außerdem trifft er etliche zukünftige Rivalen. Eine Woche später erfolgt dann die Rückkehr auf ein Oval.

Dieses Mal wird es sich allerdings um eines aus dem aktuellen Kalender handeln. Während nahe Miami die Basisarbeit dominierte, verlangt Phoenix (17./18.2.) bereits Feintuning an der Seite der Teamkollegen Graham Rahal und Louis Foster. Die Strecke in Arizona zelebriert am 7. März ihre Rückkehr in den Jahresplan – parallel feiert Mick Schumacher sein Ovalrenndebüt. Eine Woche davor (1.3.) startet die Saison auf dem Stadtkurs von St. Petersburg (Florida).

Fazit