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Porsche bestätigt LMDh-Projekt: Rückkehr nach Le Mans 2023

Porsche bestätigt LMDh-Rennwagen Angriff auf den 20. Le Mans-Titel

Porsche baut einen LMDh-Prototypen für die Topklasse im weltweiten Langstreckensport. Ab 2023 sind dann Renneinsätze in IMSA und WEC geplant. Und die Rückkehr nach Le Mans. Audi hatte bereits vor zwei Wochen den Bau eines LMDh-Autos angekündigt – alles positive Signale für den Langstreckensport!

Die deutschen Hersteller Audi und Porsche haben den Langstreckensport im Dezember vorzeitig mit Weihnachtsgeschenken überhäuft: Nachdem Audi den LMDh-Einstieg am 1. Dezember verkündet hat, zieht Porsche nun zwei Wochen später nach.

Der Audi-Einstieg war eine kleine Sensation, weil selbst Experten nicht mit dieser Entscheidung gerechnet hatten. Über den möglichen Porsche-Zutritt hatten Fachmedien dagegen seit Monaten spekuliert. Trotzdem sollte man die Bedeutung und Wichtigkeit der Porsche-Mitteilung nicht kleinreden: In schwierigen Zeiten können große Entscheidungen schnell mal unter die Räder geraten. Insofern wertet die Szene die Bekanntmachung von Porsche als entscheidenden Durchbruch für eine erfolgreiche Perspektive im globalen Langstreckensport.

Porsche hatte seiner Motorsportabteilung zuvor bereits im Januar 2020 einen Evaluierungsauftrag für die neue LMDh-Klasse erteilt, die in Zukunft gleichberechtigt mit den FIA Hypercars um Gesamtsiege in der amerikanischen IMSA-Rennserie, der Sportwagen-WM und in Le Mans kämpfen wird.

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Noch ist offen, an welches Straßenprodukt sich das Renndesign anlehnt.

LMDh: Ein Auto für die Welt

Jetzt hat der Porsche-Vorstand grünes Licht für den Bau eines LMDh-Prototypen gegeben, die mit einem Gewicht von circa 1.000 Kilogramm und einer kombinierten Systemleistung aus Verbrenner und Einheitshybrid von knapp 700 PS an den Start gehen werden.

Die Motivation für die Entscheidung war das attraktiv niedrige Kostenniveau, denn ein LMDh kostet nur einen Bruchteil dessen, was man früher für ein LMP1-Hybridauto investieren musste. Dazu sind die aus dem amerikanischen DPI-Konzept abgeleiteten LMDh-Autos deutlich billiger als die FIA Hypercars für die Sportwagen-WM, weil sie als Basis die LMP2-Chassis und ein kostengünstiges Einheitshybridsystem verwenden. In der Hypercarklasse können die Hersteller dagegen eigene Chassis bauen, spezielle Hybridsysteme entwickeln, ihre Batterien selber bestimmen und obendrein auch noch Allrad-Antrieb einsetzen.

"Die neue LMDh-Kategorie ermöglicht uns, mit einem Hybridantrieb bei den Klassikern in Le Mans, Daytona und Sebring um Gesamtsiege zu kämpfen – und das zu vertretbaren Kosten", wird der Vorstandsvorsitzende von Porsche, Oliver Blume, zitiert. Der zweite Aspekt besteht darin, dass der Motorsport die Bandbreite der Antriebsvarianten in den Porsche-Serienwagen spiegeln soll, wie Entwicklungsvorstand Michael Steiner erläutert:

"Porsche setzt mittelfristig auf drei verschiedene Antriebskonzepte: Vollelektrische Fahrzeuge, effiziente Plug-in-Hybride und emotionale Verbrenner. Diesen Dreiklang wollen wir bei der Entwicklung von hochmodernen Straßenfahrzeugen und im Motorsport gleichermaßen darstellen." Will sagen: Formel E repräsentiert den elektrischen Ansatz, der GT-Sport steht für die Verbrenner – und die neue LMDh-Klasse für die Hybridisierung der Verbrenner-Technologie.

Porsche fasste den Entschluss drittens, weil das LMDh-Konzept erstmals seit langer Zeit wieder die Perspektive eröffnet, mit einem Fahrzeug alle wichtigen Langstreckenformate – von WEC bis IMSA, von Le Mans bis Daytona – abzudecken. Entwicklungsvorstand Michael Steiner könnte sich eine zusätzliche Optimierung des Ansatzes vorstellen: "Wenn das Reglement perspektivisch Raum für den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen bietet, dann wäre das für mich im Sinne der Nachhaltigkeit ein noch größerer Ansporn."

Porsches LMDh-Auto mit V8-Sauger?

Es war nicht damit zu rechnen, dass Porsche schon jetzt die technischen Details des neuen Projekts im Detail kommuniziert. "Natürlich haben wir bei der Evaluierung schon eine detaillierte Abprüfung der Optionen vorgenommen", erklärt Pascal Zurlinden, Leiter Werkssport bei Porsche Motorsport. "Daher werden wir zeitnah im nächsten Schritt unseren Chassipartner kommunizieren können, im zweiten Schritt werden wir auch Details zum Antrieb nennen."

Beim Chassis hat Porsche wie alle anderen LMDh-Hersteller die Wahl zwischen Oreca, Ligier, Dallara und Multimatic. Beim Motor wird offenbar ein V8-Saugmotor favorisiert, der in seiner Grundform bereits über ausgewiesene Renngene verfügt.

Die weiteren Entwicklungsschritte ergeben sich für Porsche aus der Frage, wie schnell die Zulieferer die Chassis und andere Baugruppen liefern können, denn die LMP2-Spezifikation als technische Basis für die LMDh-Wagen ändert sich für die Saison 2022 noch einmal. "Wir haben natürlich das klare Ziel, 2023 mit dem Porsche-LMDh in Daytona am Start zu stehen", erklärt Zurlinden. Dieser Termin bildet den zeitlichen Fluchtpunkt für den Entwicklungsprozess. Wer in Daytona fahren will, muss das Auto im Juni 2022 homologieren, das heißt, bis dahin sollte auch die Entwicklungserprobung weitgehend erledigt sein.

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Die neuen LMDh-Wagen wiegen circa 1.000 Kilo und haben knapp 700 PS.

WEC und IMSA als Ziel

Zu möglichen Einsatzteams will sich Porsche noch nicht äußern. "Wir werden zeitnah mit der Evaluierung von Einsatzteams beginnen," erläutert Zurlinden. "Das Ziel besteht natürlich darin, in den beiden großen Langstreckenserien, also Sportwagen-WM und IMSA-Meisterschaft, vertreten zu sein." Bei Porsche legt man Wert auf die Feststellung, dass es sich hier um ein langfristiges Commitment handelt, das sich mindestens über den regulären Homologationszeitraum von fünf Jahren erstreckt – und womöglich sogar noch darüber hinausreichen könnte. Kurz nachgerechnet: Die LMDh-Ära startet im Januar 2023 und geht folglich mindestens bis 2028.

Porsche hat übrigens einen Wunschgegner: Ferrari. Angeblich soll sogar mal der Plan bestanden haben, dass beide Marken den LMDh-Einstieg gemeinsam bekannt machen, doch offenbar ist die finale Entscheidung bei den Italienern immer noch nicht gefallen. Porsches Leiter Werksmotorsport Pascal Zurlinden formuliert mit einem Augenzwinkern: "Es war jetzt an der Zeit, dass sich mal jemand aus der Deckung wagt..."

Die Chancen sollen aber weiterhin gut stehen, dass Ferrari dem Vorbild von Porsche zeitnah folgen könnte. Wenn Porsche und Ferrari LMDh machen, werden sie zwangsläufig die GTE-Kategorie verlassen, womit das Doppelpass-Spiel zwischen Deutschland und Italien mittelfristig auch dazu führen könnte, dass die GT3-Wagen die GTE-Fahrzeuge beerben. Weitere Hersteller wie GM, Ford, Mazda, Lexus, McLaren und Hyundai sollen sich ernsthaft mit Einstiegsgedanken beschäftigen.

Auf der anderen Seite des Atlantik warten mit Peugeot und Toyota zwei hochkarätige Gegner aus dem Hypercar-Lager auf die LMDh-Blase. Der überraschende Einstieg von Audi bringt zusätzliche Brisanz ins Geschäft, denn niemand hätte ernsthaft damit gerechnet, dass der VW-Konzern zum zweiten Mal binnen eines Jahrzehnts zwei Konzernmarken in die Topklasse des Langstreckensports entsendet. Nicht zu vergessen: Lamborghini scharrt bereits seit drei Jahren mit den Hufen, damit sie im VW-Konzern endlich eine Chance erhalten, nach Le Mans zu gehen.

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