Jetzt passiert es also tatsächlich, Mercedes-AMG beginnt, den in den Modellreihen oberhalb der Kompaktklasse unbeliebten Vierzylinder M139 auszusortieren. Zuerst trifft es den GLC 43, den ein entsprechender 53er ersetzt, gleiches passiert im Zuge der C-Klasse-Modellpflege im nächsten Winter mit dem C 43.
"Wir haben gesehen, dass wir mit diesem Motor im CLE und der E-Klasse unsere Fans begeistern können. Für die neuen Modelle haben wir das Aggregat noch drehfreudiger ausgelegt und zudem die Spreizung in den einzelnen Fahrmodi vergrößert, sprich: Mehr Komfort einerseits, mehr Emotionalität andererseits", sagt Michael Schiebe, Vorsitzender der Geschäftsführung von Mercedes-AMG und Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group AG. Die 63er-Varianten, bei denen der Vierzylinder-Turbomotor in ein Performance-orientiertes Plugin-Hybrid-Konzept eingebettet ist, werden mit dem Update ebenfalls aussortiert.
V8 in Sicht
Außerdem hat Mercedes-AMG bereits nach dem Purespeed auf SL-Basis ein weiteres Modell der sogenannten Mythos-Reihe angekündigt. Erlkönig-Bilder zeigen ein wild geflügeltes CLE Coupé, unter dessen Haube voraussichtlich ein V8-Triebwerk steckt. "Ja, wir haben einen V8-Motor entwickelt, der EU7-fähig ist und den wir in einigen Baureihen anbieten werden", bestätigt Schiebe, ohne näher ins Detail zu gehen.
Im Rahmen der S-Klasse-Modellpflege hat Mercedes gerade erst einen neuen V8-Motor enthüllt, der auf dem M177-Triebwerk von AMG basiert und um ein Mildhybrid-System ergänzt wurde. Interessant: Das Vierliter-Biturbo-Aggregat verfügt über eine 180-Grad-Kurbelwelle, so, wie sie zuletzt beim Rennstrecken-orientierten GT Black Series verwendet wurde – da allerdings wegen Möglichkeit, den Motor höher drehen zu lassen. Jetzt versprechen sich die Entwickler von der Technik ein besseres Abgasverhalten.
SUV weiter vorn
Der Vierzylinder jedenfalls erwies sich sowohl in der C-Klasse als auch im GLC als nur mäßig erfolgreich im Verkauf, trotz hoher Leistungsausbeute und im Vergleich zu den Vorgängermodellen einer insgesamt höheren Agilität. Übrigens: SUV stellen bei Mercedes-AMG mehr als die Hälfte des Jahresabsatzes, Schiebe sieht hier auch keine Trendwende.
Hat Mercedes-AMG also den Wunsch der Kunden nach besonders emotionalen Motoren ignoriert oder zumindest unterschätzt? "Frühere Entscheidungen wurden unter anderen Rahmenbedingungen getroffen und wir sind auch von einer höheren Akzeptanz ausgegangen. Die hat sich in wichtigen Märkten, unter anderem in den USA, stark geändert", erklärt Schiebe.

Michael Schiebe ist seit dem 1. Dezember 2025 Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group AG. Im Interview mit auto motor und sport gab er einen Ausblick auf die AMG-Zukunft.
Dafür bleibt der Vierzylinder-Turbomotor den Fans dort erhalten, wo sie ihn besonders schätzen: Im Kompaktmodell A45. Im Rahmen der 2022 ausgerufenen Luxus-Strategie des Konzerns sollten sowohl A- als auch B-Klasse aussortiert werden. Das Thema "Luxus über alles" ist inzwischen vom Tisch, ebenso der Produktionsstopp der Kompakten. Schiebe: "Wir freuen uns, dass der A45 noch da ist und auch noch eine ganze Weile bleibt. Dennoch werden wir unseren Kunden auch bald ein Angebot auf Basis des vollelektrischen CLA machen".
GT Viertürer bleibt elektrisch
Apropos vollelektrisch: Ungeachtet der aktuell schwierigen Marktbedingungen für vollelektrische Fahrzeuge in hochpreisigen Segmenten, hält Mercedes-AMG daran fest, Mitte des Jahres mit dem neuen GT Viertürer auf Basis der AMG.EA-Plattform an den Start zu gehen. Ebenso gesetzt: Ein SUV auf derselben Architektur zum Jahreswechsel sowie ein SUV Coupé im Frühjahr 2027. Tatsächlich will man mit dem Viertürer jene Kunden ansprechen, die bislang gerne zum vorwiegend V8-befeuerten Vorgänger griffen, dessen Produktion endete.
Pikant: Selbst Wettbewerber wie Porsche und Audi mühen sich derzeit arg mit dem Verkauf ihrer etablierten Produkte in diesem Segment. Schiebe gibt sich naturgemäß optimistisch, verspricht sich vor allem durch die Verwendung besonders leistungsstarker und kompakter Axialflussmotoren eine hohe Akzeptanz. Mehr noch: "Wir werden hier einiges anders machen als andere, vor allem hinsichtlich der Emotionalität. Tempo und Beschleunigung alleine sind kein entscheidendes Differenzierungskriterium mehr", sagt Schiebe. Ach ja: Das Fahrzeug wird bis zu 1.360 PS leisten.
Preisfrage
Den aufgrund des hohen technischen Aufwands im Vergleich zum Verbrenner-Vorgänger voraussichtlich deutlich höheren Preis rechtfertigt der AMG-Chef so: "Die Milch kostet heute ja auch mehr als noch vor fünf Jahren. Allerdings wir gehen mit dem Preis des Fahrzeugs nicht in ein völlig neues Territorium". Eine nachträgliche Integration eines Verbrenner-Antriebsstrangs in die AMG.EA-Plattform schließt Schiebe aus. Doch vermutlich haben seine Vorgänger es auch für ausgeschlossen gehalten, dass der Vierzylinder-Motor wieder durch größere Triebwerke ersetzt werden (müssen).












