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Land Rover Serie II und Serie III: Kaufberatung

Land Rover Serie II und Serie III Kaufberatung Das kleine 4x4 der frühen Land Rover

Der Freundeskreis des urigen Allradlers Land Rover wächst stetig. Wer sich einen zulegen möchte, sollte sich allerdings auch mit der notwendigen Wartung auskennen.

Der frühe Land Rover Series II (ab 1958) ist eine besondere Art von Auto, mit dem nicht jeder glücklich wird - selbst wenn er immer von so einem Wagen geträumt hat. Denn dieser harte Bursche verlangt Nehmerqualitäten, und wer damit laut und langsam fernen Zielen entgegenrumpelt, kommt leicht auf den Gedanken, ihn bald wieder abzustoßen.

Elektronikfreie Zone und urige Fortbewegung

Andere wiederum sind von der urigen Art der Fortbewegung geradezu entzückt. Sie genießen diese elektronik- und servofreie Zone, die vielfältige Geräuschkulisse und freuen sich über den engen Kontakt zur Mechanik, der ihnen bei mancher Schrauberstunde zuteil wird. Die von Experte Thomas Schnell aus Hamburg an die Käufer älterer Land Rover gerichtete Warnung, "Ihr kauft Euch eine Dauerbaustelle", schreckt solche Leute nicht ab. Sie gilt aber auch nicht für jeden Landy. Allerdings ist heutzutage die Zahl der Hobby-Schrauber unter den Land Rover- Besitzern deutlich geringer als früher.

Land Rover ist kein unverwüstliches Auto

Die meisten kaufen einen Landy nicht für den Alltagseinsatz, sondern sehen in ihm ein Liebhaberfahrzeug für besondere Gelegenheiten, manche achten sogar auf absolute Originalität. Wer aber nicht selbst schraubt, muss mit dem Wagen in die Werkstatt und benötigt dafür eine finanzielle Reserve. Er sollte nicht auf den Gedanken kommen, es handele sich um ein robustes, unverwüstliches Auto, an dem nie etwas kaputt geht. Das stimmt leider nicht, und das zeigt sich besonders dann, wenn die Vorbesitzer schon so dachten und die Wartung des Landy schlichtweg vernachlässigten. Zudem hat die gesamte Technik 30 oder mehr Jahre auf dem Buckel - so bleibt es selten bei den in der Servicetabelle für bestimmte Arbeiten angegebenen Kosten, weil immer noch der eine oder andere Punkt dazukommt.

So zum Beispiel bei der Einstellung des Zenith-Vergasers, der beim Vierzylinder-Benzinmotor montiert ist, um den es in dieser Servicegeschichte bevorzugt geht. "Oft gibt es Probleme mit der CO-Einstellung", sagt Ole Fauster, Werkstattmeister bei Landypoint. Extremer Verschleiß von Bauteilen wie etwa die Drosselklappenwelle machen eine korrekte Einstellung manchmal unmöglich. Den kompletten Vergaser gibt es zwar als Neuteil, "doch die Qualität ist mäßig, daher rüsten wir auf Weber um", ergänzt Fauster. Kostenpunkt rund 400 Euro statt der 25 oder 30 Euro, mit der bei einer Vergaserjustierung normalerweise zu rechnen ist.

Den echten Land Rover erkennt man daran, dass er sein Revier markiert

Sofern es sich um einen Motor in gutem Zustand handelt, hält sich der finanzielle Aufwand für Wartungsarbeiten wie die Kontrolle der Zündung, des Ventilspiels oder ein Keilriemenwechsel in einem überschaubaren Rahmen. Auch Arbeiten wie ein Thermostat- oder Wasserpumpenwechsel oder das Erneuern der Auspuffanlage - sofern die Schrauben am Krümmer nicht abreißen - sind dank günstig verfügbarer Ersatzteile relativ preiswert. In früheren Zeiten wurden die mit zunehmendem Alter durstig und schlapp werdenden Benzinmotoren oft durch Dieselaggregate von Mercedes oder Peugeot ersetzt, weil der Landy-Diesel keine prickelnde Alternative war.

Heute gibt es auch im Rover-Programm potente Dieselmotoren, doch wer das H-Kennzeichen nicht aufs Spiel setzen will, bleibt besser bei der originalen Kraftquelle. Austauschmotoren aus England kosten etwa 5.600 Euro, hinzu kommen dann noch an die zwei Tage Arbeitszeit und eventuell einige zusätzlich benötigte Teile. Wer einen Ölfleck auf dem Boden unter seinem neu erworbenen Landy entdeckt, sollte aber nicht in Panik geraten und glauben, er benötige einen neuen Motor. Erstens dauert es eine Weile, bis die bei den Kosten für den Ölwechsel spürbaren fast sieben Liter Öl ausgelaufen sind, und zweitens "erkennt man einen echten Landy daran, dass er sein Revier markiert", scherzt Fauster.

80 Prozent der Land Rover S2 und S3 haben Probleme mit den Chromkugeln

Für die Herkunft solcher Öltropfen gibt es viele Möglichkeiten, denn an einem Landy existieren etliche Ölreservoirs, die natürlich regelmäßig zu kontrollieren sind. Neben der Motorölwanne zählen dazu das Hauptgetriebe, das Reduziergetriebe, die beiden Differenziale, die beiden Achsschenkelgehäuse, das Lenkgetriebe, das Lenkrelais, das die Lenkbewegung durch die Traverse beim Kühler nach unten leitet, und sogar der Luftfilter. Doch zumindest dieser ist in aller Regel dicht. Es klappt selten, einen Landy ganz trocken zu bekommen. "Erneuert man zum Beispiel einen Achssimmerring, kann der Schmierstoff trotzdem noch austreten, wenn der Flansch eingelaufen ist, der dann ebenfalls ersetzt werden müsste", erklärt Fauster.

Noch schlimmer: Nach seiner Erfahrung gibt es bei 80 Prozent der Land Rover Probleme mit den vorderen Chromkugeln, auch Achsschenkelgehäuse oder Gehäuseglocken der Kugelgelenke genannt. Die ungeschützten Kugeln werden von Steinschlägen malträtiert, es entsteht Rost - dann leidet die Abdichtung. Eine entsprechende Reparatur kostet richtig Geld, wenn sich dabei ergibt, dass die Achsschenkelbolzen in den Kugeln zu viel Spiel haben. Dann steht locker ein vierstelliger Betrag auf der Rechnung. Okay, manches muss sein, aber bei Ölverlust sollten Kunden grundsätzlich mit der Werkstatt absprechen, wie weit der sinnvolle Aufwand getrieben wird, ohne dass die Kosten zu sehr explodieren.

Beim Land Rover schadet Schraubergeschick nicht

Noch ein paar Worte zum Fahrwerk. Auch hier kann jede Arbeit teurer ausfallen, als zuvor kalkuliert wurde. So etwa beim optischen Vermessen oder einem Wechsel der Spurstangenköpfe. Besonders wenn der Landy im Gelände eingesetzt wurde, sind die Gewinde verdreckt und festgerostet - es erfordert etliche Arbeitszeit, sie wieder gängig zu machen. Ähnlich lange in Atem halten den Mechaniker die häufig extrem festsitzenden Silentbuchsen in den Blattfederaugen. Weitere Beispiele gefällig? Kein Problem. Bei einem Wechsel der Trommelbremsbeläge sind oft zusätzlich die Radbremszylinder fällig. Oder irgendwelche Simmerringe, weil die Bremse verölt ist ... und, und, und.

Das sind keine Kleinigkeiten. Wenn die hintere Steckachse abschert und Pech im Spiel ist, steckt ein Stück des Bauteils hartnäckig im Differenzial fest, weshalb man gezwungen ist, "das Differenzial auszubauen, was einen zusätzlichen Aufwand von anderthalb bis zwei Stunden bedeutet", sagt Fauster. Das alles klingt, als sei der Landy eine Katastrophe - was nicht stimmt, wenn er in gutem Zustand ist. Doch ein wenig Schraubergeschick schadet nicht. Wer aber zwei linke Hände und ein verbasteltes Auto hat, dem rät Thomas Schnell stets ein Handy mitzunehmen - und einen Picknickkorb, um entspannt auf den Pannendienst warten zu können.

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