Am 9. Mai 2026 rückten die Feuerwehr und das THW mit schwerem Gerät an den Hohen Sprenzer See zwischen Rostock und Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Das Ziel: die Bergung eines VW-Transporters, der seit 2004 als gestohlen gilt. Damals verlor sich jede Spur, bis 2025 ein anonymer Hinweis verriet, dass dieses Auto auf dem Grund des Sees liegen soll. Ein erster Großeinsatz brachte damals die Gewissheit. Taucher inspizierten den Kleintransporter genau und fanden zumindest keine Personen im Inneren des Wagens. Daraufhin begannen die Ermittlungen. Eine Bergung war Ende 2025 nicht möglich, daher zogen die Behörden den Bus erst jetzt aus dem Wasser.
Polizei prüft Umweltstraftat
Laut der Polizei soll der damalige Besitzer bereits verstorben sein. Ob nach mehr als zwei Jahrzehnten noch ein Verantwortlicher gefunden werden kann, ist derzeit fraglich. Auf Anfrage von auto motor und sport gibt eine Sprecherin des Landeswasserschutzpolizeiamtes Mecklenburg-Vorpommern an, dass aktuell keine weiteren Spurensicherungsmaßnahmen an dem Fahrzeug geplant sind.
Die Staatsanwaltschaft Rostock müsse nun bewerten, ob überhaupt eine strafbare Gewässerverunreinigung nach § 324 StGB vorliegt. Im Zusammenhang mit dem Fahrzeug stellten die Behörden bislang keine zusätzlichen Gewässerverunreinigungen fest. Auch das Umweltamt des Landkreises Rostock begleitete den Fall nach Bekanntwerden engmaschig.
Gewässerverunreinigung
Gelangen Öl, Kraftstoff oder andere Chemikalien in ein Gewässer, verschlechtern sie die Wasserqualität und können Tiere sowie Pflanzen schädigen. Das Strafgesetzbuch wertet eine solche Gewässerverunreinigung nach § 324 StGB als Straftat. Je nach Schwere des Falls drohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren.
Der T4 als technischer Wendepunkt
Unterdessen sorgt der Fall auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil der VW T4 innerhalb der Bulli-Baureihe als technischer Wendepunkt gilt. Mit der vierten Generation verabschiedete sich Volkswagen 1990 vom jahrzehntelang verwendeten Heckmotor-Konzept der Vorgänger T1 bis T3. Stattdessen setzte der Hersteller auf quer eingebaute Frontmotoren und Frontantrieb.
VW baute den T4 bis 2003 überwiegend im Nutzfahrzeugwerk Hannover. Das Modellangebot reichte vom klassischen Kastenwagen über die Caravelle bis hin zum Multivan und den California-Camperversionen. Auch die Motorenpalette fiel ungewöhnlich breit aus: Sie reichte von einfachen Vierzylinder-Dieseln bis zu leistungsstarken Sechszylinder-Benzinern. Besonders prägend für die Baureihe waren jedoch die Fünfzylinder-TDI-Motoren ab Mitte der 1990er-Jahre. Vor allem die 2,5-Liter-Aggregate gelten bis heute als langlebig und machten den T4 sowohl bei Handwerksbetrieben als auch bei Camper-Umbauten beliebt.
Verjährung GewässerverunreinigungWurde das Fahrzeug damals im See versenkt und traten dabei einmalig Betriebsstoffe aus, gilt die Tat als beendet und die strafrechtliche Verjährung ist nach 5 Jahren (also spätestens um das Jahr 2009) eingetreten.
Juristisch wird allerdings geprüft, ob durch das fortlaufende Verbleiben und potenzielle spätere Durchrosten der Ölwanne ein andauernder rechtswidriger Zustand aufrechterhalten wurde (Dauerdelikt). Wäre dies der Fall, beginnt die Verjährung erst mit der Beseitigung des Zustands (also mit der Bergung im Mai 2026).
Die Rechtsprechung tendiert bei reiner Untätigkeit nach dem Versenken jedoch meist zum Beendigungseintritt direkt nach der Tat.
Auf dem Gebrauchtwagenmarkt haben sich gut erhaltene T4 in den vergangenen Jahren zunehmend zu gefragten Youngtimern entwickelt. Besonders gesucht sind frühe California-Camper, Multivan-Versionen sowie Modelle mit leistungsstarken TDI-Motoren oder Syncro-Allradantrieb. Entsprechend ungewöhnlich wirkt der Fund aus Mecklenburg-Vorpommern: Während viele Besitzer ihre Fahrzeuge heute aufwendig restaurieren und pflegen, lag dieses Exemplar offenbar mehr als zwei Jahrzehnte nahezu vergessen auf dem Grund eines Sees.












