Der Flügeltürer-Spezialist HK Engineering hat einen Mercedes-Benz 300 SL der Baureihe W 198 aus einem Korkeichenhain in Lissabon geborgen. Das Chassis und die Karosserie standen nebeneinander in einem gemauerten Schuppen, Teile lagerten an einem anderen Ort im Keller eines Wohnhauses. Rechnungen, Schriftverkehr und Dokumente legen nahe, dass das Auto immer in Familienbesitz war; der Enkel des Erstbesitzers hat den Flügeltürer an die Firma von Hans Kleissl verkauft. Auf Kleissl war der Verkäufer durch eine Anfrage bei einer KI gekommen; die künstliche Intelligenz hatte den Experten als Ansprechpartner genannt. Einen neuen Besitzer hat er bereits gefunden, nun soll der Gullwing restauriert werden.
Restaurierung dauert etwa zwei Jahre
Die Restaurierung wird etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen, im Frühjahr 2028 könnte der Flügeltürer wieder fahren. Die Familie des Erstbesitzers hatte schon vor rund drei Jahrzehnten eine Restaurierung geplant und das Auto zerlegt. Doch zum Wiederaufbau kam es nie, Chassis und Karosserie blieben in der Garage, die Teile im Keller.
Der Erstbesitzer hatte den 300 SL 1955 in DB 180 Silbergrau mit blauem Leder-Interieur gekauft. Er besaß eine Zeitlang noch einen zweiten, Baujahr 1956, mit dem er Rennen gefahren ist. Wo sich der zweite Flügeltürer befindet, ist unbekannt. Die Familie des Erstbesitzers ist mit Erträgen aus dem Verkauf von Kork aus ihren Korkeichenhainen wohlhabend geworden.
Für den Transport nach Deutschland entschieden die Mechaniker, die Karosserie wieder auf das Chassis zu setzen. Dieser Vorgang heißt im Automobilbau "Hochzeit" – der Flügeltürer sollte also das zweite Mal heiraten. Diesmal allerdings nicht im Mercedes-Werk, sondern unter einem Korkeichenbaum. Für die Hochzeit hatten die Mechaniker den Nachbau einer Vorrichtung mitgebracht, wie sie Mercedes im Werk verwendet hat. Mit einem Flaschenzug, der am Korkeichenbaum vor der Garage befestigt wurde, und dem Gestell wurde die Karosserie auf das Chassis gehievt. Das komplette Auto rollte anschließend in den geschlossenen Transportanhänger. Zahlreiche Dokumente und Teile begleiteten den Flügeltürer bei seiner Reise nach Deutschland.
Flügeltürer mit besonderer Geschichte
In den vergangenen beiden Jahren waren bei Auktionen zwei Mercedes 300 SL mit besonderer Geschichte versteigert worden. Auf dem Schrottplatz von Rudi Klein in Los Angeles hatten sich mehrere Flügeltürer befunden, darunter einer mit Aluminium-Karosserie. Diese Variante gab es ab Werk nur 29-mal. Das Besondere an Kleins Autos war ihre Historie: Sie standen teils Jahrzehnte auf dem Schrottplatz und waren sehr lange nicht mehr auf dem Markt gewesen. Rudi Klein hatte lange kaum jemanden auf sein Gelände gelassen, der Platz war ein Mythos. Bis Kleins Erben den Platz räumen mussten und RM Sotheby's den Auftrag gaben, die Autos zu versteigern. Am 25. Oktober 2024 hat RM Sotheby's die 67 Autos, drei Motorräder und 130 Teile sowie Motoren vor Ort versteigert und insgesamt 26,5 Millionen Euro erlöst. Der Alu-Flügeltürer kostete umgerechnet 8,6 Millionen Euro.
Das französische Auktionshaus Artcurial hat während der Oldtimermesse Rétromobile in Paris am 27. Januar 2026 einen Mercedes-Benz 300 SL versteigert, der mit seinem niedrigen Kilometerstand und seinem authentischen Zustand zwei Besonderheiten aufwies. Der graphitgraue Flügeltürer war 1956 an den Coca-Cola-Importeur und Olympia-Goldmedaillengewinner Claude Foussier geliefert worden. Nach drei weiteren Besitzerwechseln befanden sich immer noch die originalen, schwarzen Kennzeichen mit Pariser Zulassung am Auto. Die besondere Geschichte und den originalen Zustand dieses 300 SL honorierte ein Käufer mit 4,4 Millionen Euro. Das entspricht etwa dem doppelten Wert eines Flügeltürers in gutem Zustand.












