Lancia Delta HF Integrale Rossen Gargolov
Lancia Delta HF Integrale
Lancia Delta HF Integrale, Scheibenwischer
Lancia Delta HF Integrale, Heckklappe
Lancia Delta HF Integrale, Heckklappe 10 Bilder

Lancia Delta Integrale (1986-1994) Kaufberatung

Lancia Delta Integrale (1986-1994) Worauf beim Kauf der Rallye-Ikone zu achten ist

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Vierzylinder-Turbo, Allradantrieb, kompakte Abmessungen – was heute längst üblich ist, war vor 30 Jahren eine echte Sensation. Lancia schuf mit dem Delta HF eine Dynamik-Ikone. Worauf beim Kauf zu achten ist und was ein Integrale heute kostet, lesen Sie in der Kaufberatung.

Früher war sicher nicht alles besser. Doch durch die Lancia-Brille betrachtet, war eigentlich alles besser als heute. Bestes Beispiel: Delta Nummer eins. Sechs Konstrukteurs-Titel in der Rallye-WM sorgten ganz automatisch für Ikonenstatus. Als HF 4WD und später HF Integrale eilte der kompakte Viertürer von Sieg zu Sieg.

Lancia Delta HF Integrale
Rossen Gargolov

Historie

Lancia Delta HF Integrale
Rossen Gargolov

Als der Delta 1979 mit schüchternen 75 bis 85 PS auf den Markt kam, konnte keiner ahnen, welche Waffe die Italiener einmal auf die vier Räder stellen würden. Ende 1986 folgte mit dem HF 4WD dann ein echter GTI-Schreck, zunächst noch mit schmaler Spur und ohne Backen; er wurde bis 1988 gebaut. Auf Basis dieses 165 PS starken Allradlers entwickelte Abarth in Turin bis 1994 ein Geschoss mit letztlich 215 PS Leistung. Ende 1987 kam der erste Integrale auf den Markt; er zeigte sich mit breiterer Spur, Kotflügelverbreiterungen und einem Lufteinlass auf der Motorhaube. 1989 gab es schließlich den 16V mit breiteren Felgen und nochmals geänderter Motorhaube.

Karosserie-Varianten

Lancia Delta HF Integrale
Rossen Gargolov

Dem Evoluzione spendierten die Techniker und Designer 1991 nochmals breitere Achsen und eine fülligere Karosserie samt neuer Scheinwerfer und Schürzen. Es gab zahlreiche Sondermodelle und limitierte Serien.

Technik

Lancia Delta HF Integrale, Bremse
Rossen Gargolov

Als technische Basis nutzte Lancia eine Frontmotorplattform mit quer installiertem Vierzylinder. Beim permanenten Allradantrieb kamen eine Viskokupplung und ein Torsen-Differenzial zum Einsatz. Anfangs gelangten 53 Prozent der Kraft an die Vorder- und 47 Prozent an die Hinterachse. Ab dem Integrale 16V drehte man das Verhältnis um. Übrigens stellte Lancia jedem Straßen-Delta ein entsprechendes Rallye-Gerät zur Seite.

Motoren

Die im Delta verwendeten Zweiliter-Turbomotoren waren bereits von anderen Lancia- und Fiat-Modellen bekannt. Als Zweiventiler leistete der Vierzylinder 165 bis 185 PS. Mit Kat blieben davon immerhin noch 177 PS übrig. Der 16V oder Sedici bot anfangs 200 PS, später 210 und als Evoluzione II 215 PS. Tuning war und ist ein beliebtes Mittel, um dem Turbomotor noch etwas auf die Sprünge zu helfen, 300 PS oder noch mehr lassen sich durchaus aus ihm herausquetschen.

Fahren

Lancia Delta HF Integrale, Detail
Rossen Gargolov

Papierwerte von 165 bis 215 PS sorgen heute kaum noch für hochgezogene Augenbrauen, schließlich gibt es längst jede Menge Kleinwagen, die ein ähnliches Leistungsniveau erreichen. Doch mit 3,90 Metern Länge und 1,2 bis 1,3 Tonnen Gewicht ist der Ur-Delta viel näher an den heutigen Klein- als an den heutigen Kompaktwagen. Insofern steht der Fahrspaß an erster Stelle: Dank Allrad geht kaum mal ein PS durch Schlupf verloren, außerdem überzeugt der Viertürer durch seine Handlichkeit. Mit dem Gaspedal lässt sich der Delta prima lenken, ein Wechsel vom Unter- ins Übersteuern ist immer drin. Speziell die 16V-Modelle geben sich weniger kopflastig.

Der Delta als Klassiker

Die jüngeren Exemplare müssen noch ein bisschen aufs H-Kennzeichen warten, grundsätzlich besitzt der Delta aber auf jeden Fall das Potenzial zum begehrenswerten Klassiker. Nur original sollte er sein, was angesichts der vielen unterschiedlichen Versionen und zahlreicher Sondermodelle zumindest für Einsteiger nicht leicht zu beurteilen ist.

Karosserie-Check

Bis über den Jahrtausendwechsel hinaus waren viele der stark motorisierten Lancia Delta noch als günstige Alltagsautos unterwegs – wegen ihres praktischen Allradantriebs natürlich auch im Winter. Die zumeist jungen Fahrer investierten wenig in einen soliden Korrosionsschutz. Daher haben viele Fahrzeuge mit Rostbefall zu kämpfen, egal ob Delta HF 4WD oder HF Integrale. Betroffen sind häufig der Frontscheibenrahmen, die Radhäuser, Schweller, Türunterkanten, mitunter sogar die Abschlusskante des Dachs mit dem Übergang zur C-Säule. Wichtig für den Werterhalt ist der originale Auslieferungszustand. Der Integrale 16V hat ab 1989 eine gewölbte Motorhaube, ab 1990 auch die Version 8V Kat. Der Evo I ab 1991 verfügt über breitere Kotflügel und einen Heckspoiler, der Evo II als 16V oder Sedici (ab 1993) ist am roten Ventildeckel und an 45er-Pneus zu identifizieren. Vom begehrten Evo II gab es viele Sonderserien, etwa „Giallo Ferrari“, „Blu Lagos“, „Edizione Finale“, „Verde York“ oder die beiden Modelle „Martini 5“ und „Martini 6“. Je nach Kultstatus und Produktionszahl besitzt jede davon einen inzwischen recht hohen Sammlerwert.

Technik-Check

In welchem Zustand sich die Technik eines Delta befindet, hängt stark davon ab, wie die Vorbesitzer ihn behandelt haben; Tuning-Autos sind mit Vorsicht zu genießen. Ein dickes Plus stellt der Nachweis regelmäßiger Wartungen in einer sachkundigen Werkstatt dar. Ein Motorölwechsel ist nach 7.500 Kilometern fällig. Schädlich für die Lebensdauer ist Dauervollgas auf der Autobahn: Schäden an Haupt- und Pleuellagern, Ventilsitzen und der Zylinderkopfdichtung sind häufig die Folge. Dem Turbolader sollte stets die gebotene Abkühlzeit gegönnt werden. Auch die Nockenwellen können im Alter verschleißen. Bei Getriebe und Torsen-Differenzial gilt es, nicht den turnusmäßigen Ölservice zu vergessen. Bei der Probefahrt auf die Synchronringe und Geräusche vom vorderen Differenzial achten. Radlager und hintere Domlager unterliegen einem erhöhten Verschleiß. Typisch für den Delta ist die wankelmütige Elektrik. Die zahlreichen Kontrolllampen im Cockpit können mit Fehlfunktionen nerven. Hier ist der Kenner gefragt, doch meist sind nur Kleinigkeiten schuld. Daher sind diese Wehwehchen mit geringem Aufwand in den Griff zu bekommen.

Preise

Preistabelle Lancia Delta HF Integrale

Unter 25.000 Euro ist mittlerweile kaum noch etwas zu finden, vernünftige Fahrzeuge liegen heute meist deutlich über 30.000 Euro. Für seltene Sondermodelle können auch schon mal sechsstellige Beträge anfallen.

Bei Einführung 1986 (Lancia Delta HF Integrale Evo 1 Martini 5)
37 600 DM

Ersatzteile

Bei Technik und Verschleißteilen sieht es gut aus, schwieriger ist es, Ersatz für Blech- und Interieurkomponenten zu finden.

Schwachpunkte

  1. Frontscheibenrahmen
  2. Schweller
  3. Radhäuser
  4. Dachabschluss mit C-Säule
  5. Türunterkanten
  6. Domlager hinten
  7. Haupt- und Pleuellager
  8. Nockenwellen
  9. Turbolader
  10. Zylinderkopfdichtung
  11. Elektrik
  12. Originalität
Lancia Delta HF Integrale Igelbild

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Für leistungshungrige Delta-Fans steht eine zunehmend geringere Zahl an HF-Modellen zum Kauf zur Verfügung, wobei die günstigsten Angebote meist aus dem Ausland kommen. Vom Delta HF 4WD entstanden 5250 Stück, vom Integrale 8V waren es 9841 Exemplare. Der Integrale 16V lief immerhin 12.860-mal vom Band. Von den Evo-Modellen wurden zusammen gerade mal 3224 Autos produziert. Die vielen Sondermodelle und limitierten Editionen des Lancia Delta HF Integrale blieben jeweils unterhalb der 500-Fahrzeuge-Schallmauer.

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