Stellantis hatte den 5,7-Liter-Hemi-V8 im Grand Cherokee schrittweise aus dem Programm genommen. 2023 strich Jeep den Achtzylinder im Grand Cherokee mit kurzem Radstand, 2024 folgte das Aus für die Langversion mit drei Sitzreihen. Damit verschwand eine Motorisierung, die für viele Kunden ein zentrales Kaufargument darstellte. Insbesondere für Fahrer, die auf hohe Anhängelasten Wert legten, war die V8-Variante die komfortabelste Wahl.
Nun deutet sich eine Kehrtwende an. Während der Konzern den V8 eigentlich beenden wollte, bringt er ihn in anderen US-Modellen längst wieder verstärkt an den Start. Bei Wrangler, Gladiator und Ram 1500 setzt Stellantis erneut auf den klassischen Achtzylinder. Vor diesem Hintergrund erscheint eine Rückkehr im Grand Cherokee plausibel.
Joe Aljajawi, Entwicklungsleiter für den Grand Cherokee des aktuellen Modelljahres, hat auf Nachfrage von The Drive durchblicken lassen, dass Jeep die Wünsche der Kundschaft ernst nimmt. Konkrete technische Details nennt die Marke noch nicht. Doch das Signal ist eindeutig: Das Thema V8 ist im Grand Cherokee doch nicht abgeschlossen.
Der entscheidende Punkt: die Anhängelast
Der Hemi-V8 war im Grand Cherokee mehr als nur ein emotionales Angebot. Er erhöhte die Anhängelast auf 3.266 Kilogramm. Das sind rund 454 Kilogramm mehr als beim 3,6-Liter-V6 und sogar 544 Kilogramm mehr als beim nicht mehr angebotenen Plug-in-Hybrid.
Für Besitzer von Booten, Pferdeanhängern oder großen Wohnwagen ist dieser Unterschied relevant. Wer regelmäßig schwere Lasten zieht, kalkuliert gern mit Reserven. Genau diese Reserve lieferte der V8.
Hinzu kamen technische Anpassungen. Die höhere Anhängelast war laut The Drive mit kräftigeren Bremsen an der Vorderachse verbunden – die höhere Zugkraft war also an eine entsprechend angepasste Hardware gekoppelt.
Mit dem Wegfall des V8 sank die maximale Anhängelast. Der aktuelle Grand Cherokee des Modelljahres 2026 bietet nur noch den bekannten V6 und einen aufgeladenen Vierzylinder. Beide erreichen die 3,3-Tonnen-Anhängelast-Marke nicht.

Im Jeep Grand Cherokee könnte Stellantis wieder einen hubraumstarken V8-Hemi-Motor anbieten.
Warum kein starker Sechszylinder?
Im Konzern-Portfolio hält Stellantis mit dem aufgeladenen Reihensechszylinder eine moderne Alternative bereit. Dieser Motor übertrifft den Hemi sowohl bei Leistung als auch bei Beschleunigung. Dennoch verzichtet Jeep bislang auf diese Option im Grand Cherokee. Die Gründe dafür sind offen – möglich sind Kosten, interne Prioritäten oder eine klare Positionierung innerhalb des Konzerns. Technisch dürfte sich eine hohe Anhängelast auch mit einem kräftigen Sechszylinder realisieren lassen.
Der V8 erfüllt jedoch eine zusätzliche Funktion. Er steht für eine bestimmte Charakteristik und für ein vertrautes Fahrgefühl. Gerade in den USA spielt diese emotionale Komponente eine größere Rolle als in Europa.

Mit V8 bot der Jeep Grand Cherokee bisher die höchste Anhängelast (im Bild ein Grand Cherokee L Summit Reserve des Modelljahrs 2024).
Bedeutung für den US-Markt – und für Europa?
In Nordamerika besitzt der Grand Cherokee eine lange Tradition als Zugfahrzeug. Käufer erwarten Robustheit und hohe Lastwerte. Wenn Stellantis den V8 im Wrangler und im Ram wieder anbietet, würde ein dauerhaftes Fehlen im Grand Cherokee kaum ins Bild passen. In Europa ist die Lage anders. Strenge Emissionsvorgaben und hohe Kraftstoffpreise schränken die Spielräume für hubraumstarke Aggregate ein. Ein V8 im Grand Cherokee käme hier voraussichtlich nur geringe Stückzahlen und wäre eine Belastung für die Flottenbilanz.
Sollte Jeep den Hemi tatsächlich zurückbringen, dürfte sich das Angebot daher vor allem auf den US-Markt konzentrieren. Eine Rückkehr nach Europa erscheint derzeit wenig wahrscheinlich.












