Geely geht bei der Entwicklung eigener Feststoffbatterien offenbar den nächsten großen Schritt. Nach ersten Pack- und Fahrzeugtests soll die Technologie bereits 2027 auf der Straße zum Einsatz kommen. Der chinesische Konzern verspricht dabei eine Energiedichte von bis zu 500 Wh/kg und Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern.
Bereits im Januar hatte Geely angekündigt, 2026 den ersten vollständigen Feststoffbatterie-Pack fertigzustellen und anschließend in einem Fahrzeug zu erproben. Dieser Zeitplan scheint eingehalten worden zu sein: Nach Angaben von CarNewsChina läuft inzwischen die Validierung unter realen Bedingungen. Für 2027 ist nun ein Pilotbetrieb mit Fahrzeugen aus dem Markenportfolio der Geely Holding vorgesehen. Welche Marke und welches Modell den Anfang machen, ist allerdings noch offen. Zum Konzern gehören neben Geely unter anderem Zeekr, Lynk & Co, Volvo, Polestar, Lotus und Smart. Auch zur Zahl der vorgesehenen Fahrzeuge und zum genauen Produktionsumfang macht Geely bislang keine Angaben.
Bis zu 500 Wh/kg auf Packebene
Besonders ambitioniert sind die Angaben zur Energiedichte. Geely arbeitet offenbar an mehreren Varianten seiner Feststoffbatterie, wobei die leistungsfähigste Version bis zu 500 Wh/kg erreichen soll. Nach den vorliegenden Angaben bezieht sich dieser Wert auf die Batterieebene und nicht lediglich auf die einzelne Zelle. Zum Vergleich: Zeekrs erste Generation der "Golden Brick"-Batterie kommt auf Packebene auf rund 128 Wh/kg. Eine Steigerung auf 500 Wh/kg würde damit eine nahezu Vervierfachung bedeuten. Allerdings sind solche Zielwerte zunächst mit Vorsicht zu betrachten, solange keine Angaben zu Serienstand, nutzbarer Kapazität, Lebensdauer und realen Fahrbedingungen vorliegen.
Geely stellt mit der neuen Technologie Reichweiten auf dem Niveau moderner Dieselautos in Aussicht. Im Raum stehen mehr als 1.000 Kilometer mit einer Ladung. Unter welchen Bedingungen dieser Wert erreicht werden soll, ist jedoch noch nicht bekannt. Weder Fahrzyklus noch Batteriegröße oder Fahrzeugtyp wurden genannt. Feststoffbatterien ersetzen den flüssigen Elektrolyten konventioneller Lithium-Ionen-Batterien durch einen festen Elektrolyten. Dadurch sollen unter anderem höhere Energiedichten möglich werden. Gleichzeitig stellen Herstellung, Temperaturmanagement, Haltbarkeit und die großtechnische Fertigung weiterhin erhebliche Herausforderungen dar. Bei der Materialentwicklung arbeitet Geely offenbar auch mit dem US-Chemiekonzern Dow zusammen. Dabei geht es unter anderem um einen Klebstoff für Feststoffzellen, der laut den vorliegenden Angaben zwischen minus 40 und plus 120 Grad Celsius stabil bleiben soll.
2027 wird zum Testjahr für Feststoffbatterien
Geely ist mit seinem Zeitplan nicht allein. Auch andere chinesische Hersteller wollen 2027 erste Fahrzeuge oder Pilotproduktionen mit Feststofftechnik realisieren. BYD plant nach bisherigen Angaben den Einsatz von Feststoffbatterien in Demonstrationsfahrzeugen ab 2027 und arbeitet zudem an einer Kleinserienfertigung entsprechender Zellen. Auch CATL peilt für 2027 eine Pilotproduktion an. Gleichzeitig warnt der weltweit größte Batteriehersteller vor zu hohen Erwartungen. CATL-Chef Robin Zeng hatte im Juni erklärt, die eigene Feststofftechnologie befinde sich derzeit erst auf Stufe vier einer neunstufigen Skala zur technologischen Reife. Bis zur wirtschaftlichen Großserienproduktion sind demnach noch mehrere Entwicklungsschritte notwendig.
Damit dürfte 2027 tatsächlich ein wichtiges Jahr für die Feststoffbatterie werden – allerdings vor allem als Jahr der Pilotanwendungen. Von einer flächendeckenden Serienproduktion ist die Branche noch entfernt. Auch Geely spricht ausdrücklich von einem Pilotbetrieb und nicht von einem regulären Serienstart. Der Januar-Zeitplan des Konzerns zeigt zugleich, wie schnell sich die Entwicklung inzwischen bewegt: Damals war zunächst von einem ersten Pack und anschließenden Fahrzeugtests im Jahr 2026 die Rede. Inzwischen befindet sich das Projekt offenbar bereits in der Erprobung unter realen Bedingungen, während für 2027 die nächste Stufe vorgesehen ist.





