Nidec Radnabenmotor Elektromotor E-Antrieb Nidec

Nidec Radnabenmotor

Ist das der Elektroantrieb der Zukunft?

Der japanische Nidec-Konzern hat jetzt einen Prototypen-Elektromotor zum Einsatz als integrierter Radantrieb vorgestellt. Das Unternehmen will bis 2023 die Massenproduktion starten.

Das Thema Radnabenmotor ist alles andere als neu: Schon vor 120 Jahren kamen elektrische Radnabenmotoren beim „Lohner-Porsche“ zum Einsatz. Der japanische Nidec-Konzern will nun mit Nachdruck in diese Technik investieren und kündigte an, bis 2023 mit der Massenproduktion solcher Radnabenmotoren zu starten.

Der neuentwickelte Radnabenmotor von Nidec basiert auf dem ebenfalls von der Firma entwickelten E-Axle-Konzept, das eine in den Achsantrieb integrierte Elektromaschine mit der Leistungselektronik kombiniert und in Kürze in einem chinesischen E-Auto Premiere feiern soll.

Ernst Piech
Hans-Dieter Seufert
Der Lohner-Porsche mit elektrischen Radnabenmotoren debütierte im Jahr 1900 auf der Pariser Weltausstellung

Die Eckdaten des Radnabenmotors gibt Nidec mit 100 kW Leistung und einem Gewicht von 32 Kilo an. Der Umfang der Elektromaschine bedingt eine Felgengröße von wenigstens 20 Zoll. Das genannte Gewicht ist auch einer der Gründe dafür, warum sich Radnabenmotoren bislang nicht durchsetzen konnten: Sie erhöhen die sogenannten ungefederten Massen sehr stark. Das bedingt nicht nur eine verstärkte Mechanik für die Achsaufhängung, sondern hat auch sehr großen Einfluss auf den Federungskomfort gerade bei höherem Tempo. Radnabenmotoren gelten daher in erster Linie als Lösungsansatz für langsamere Stadfahrzeuge.

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Zusätzliche Nachteile der Radnabenmotor-Technik: Durch die Bauform ist die Kühlung vor allem bei starker Belastung eine Herausforderung. Und die Notwendigkeit, für jedes Rad (im Zweifelsfall bei Allradantrieb gleich vier Mal) eine komplette Elektromaschine mit der teuren Leistungselektronik zu verbauen. Das oft genutzte Argument gegen Radnabenmotoren, sie seien den Umwelteinflüssen (Gischt bei Regenfahrt etc.) zu stark ausgesetzt, kann man inzwischen jedoch vernachlässigen, die Abdichtung und standfeste Ausführung der Maschinengehäuse ist kein Problem mehr.

Nidec Radnabenmotor

Nidec ist dennoch davon überzeugt, dass sich die Technik durchsetzen wird. In einem Interview mit dem Online-Magazin „Technology Review“ verkündete Konzernchef Shigenobu Nagamori selbstbewusst: „Wir werden die Nummer Eins in der Welt sein“. Gleichzeitig warnte er die etablierten Autohersteller davor, überhaupt noch weiter in die Entwicklung und Fertigung von Elektromaschinen zu investieren.

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Allerdings übersieht Nagamori dabei, dass die Entwicklung der E-Antriebstechnik bereits jetzt zu einem erheblichen Teil bei etablierten Zulieferern und nicht bei den Autoherstellern selbst erfolgt. Auch Radnabenmotoren zählen neben E-Achsen und ähnlichem zum Forschungsgebiet praktisch jedes Zulieferers aus dem Antriebsbereich. So zum Beispiel der „eWheel Drive“ von Schaeffler, der bereits 2013 in einem Prototypen verbaut wurde. Bislang konnte sich die Technik jedoch nicht durchsetzen. Nidec will das ändern, wir sind gespannt.

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