Nach zwei tödlichen Unfällen mit Fords Assistenzsystem BlueCruise beschäftigt sich nun eine US-Bundesbehörde mit der Technik. Das National Transportation Safety Board (NTSB), die amerikanische Behörde zur Untersuchung schwerer Verkehrsunfälle, will am 31. März die Ursachen der beiden Fälle erörtern.
Beide Unfälle ereigneten sich im Jahr 2024 mit Ford Mustang Mach-E. Am 24. Februar prallte in San Antonio (Texas) um 21:50 Uhr auf der Interstate 10 ein Mustang Mach-E auf einen stehenden Honda CR-V – der 56-jährige Fahrer des Honda starb. Am 3. März fuhr ein Mustang Mach-E auf der Interstate 95 in Philadelphia (Pennsylvania) um 3:13 Uhr morgens auf zwei nach einem Unfall stehende Fahrzeuge auf. Ein 20-jähriger Fahrer eines Hyundai Elantra und ein 21-jähriger Fahrer eines Toyota Prius starben.
Nach Angaben der Ermittler registrierte die Datenerfassungstechnik der Fahrzeuge unmittelbar vor dem Aufprall weder ein Bremsmanöver noch eine Ausweichbewegung – weder durch den Fahrer noch durch das zum Unfallzeitpunkt aktive BlueCruise-System.
Behörden untersuchen mögliche Systemgrenzen
Neben dem NTSB untersucht auch die US-Verkehrssicherheitsbehörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) die Technik. Die Behörde hat ihre Untersuchung Anfang 2025 auf eine vertiefte technische Analyse ausgeweitet.
Die Ermittler wollen klären,
- wie BlueCruise in diesen Situationen reagierte
- welche Systemgrenzen bestehen
- ob Fahrer ausreichend Zeit hatten einzugreifen
BlueCruise gehört zur Kategorie teilautomatisierter Fahrassistenzsysteme. Der Fahrer darf dabei auf bestimmten Autobahnen die Hände vom Lenkrad nehmen, bleibt jedoch jederzeit verantwortlich und muss das Verkehrsgeschehen permanent aufmerksam verfolgen.
Ford betont, dass BlueCruise als Komfortfunktion entwickelt wurde und den branchenüblichen Sicherheitsstandards für solche Systeme entspreche. Nach Unternehmensangaben haben Fahrzeuge mit BlueCruise weltweit bereits mehr als 500 Millionen Meilen (zirka 800 Millionen Kilometer) zurückgelegt. Rund 2,5 Millionen Fahrzeuge verfügen über das System.

Bei den Untersuchungen der US-Behörden geht es um zwei Unfälle, die mit Ford Mustang Mach-E passiert sind, während dessen Assistenzsystem BlueCruise aktiviert war.
Debatte um Assistenzsysteme
Die Diskussion über die Sicherheit solcher Systeme begleitet die Branche schon länger. Insbesondere Tesla musste sich bereits mehrfach nach tödlichen Unfällen mit seinen Fahrerassistenzsystemen vor Behörden erklären. Im Zentrum steht dabei oft die Frage, wie zuverlässig Fahrzeuge ungewöhnliche Verkehrssituationen erkennen – etwa stehende Hindernisse auf Autobahnen – und wie aufmerksam Fahrer bleiben, wenn Assistenzsysteme aktiv sind.
Ford baut BlueCruise in Europa aus
Parallel zu den Untersuchungen baut Ford BlueCruise in Europa weiter aus. Das System kam hier zunächst im Mustang Mach-E auf den Markt. Nun soll das System auch im Puma und im Kuga verfügbar sein. BlueCruise funktioniert in Europa auf speziell freigegebenen Autobahnabschnitten, den sogenannten Blue Zones. Dort dürfen Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen, solange sie weiterhin aufmerksam bleiben. Eine Kamera im Innenraum überwacht die Blickrichtung des Fahrers.
Nach Angaben von Ford decken diese Strecken inzwischen rund 95 Prozent des Autobahnnetzes in den derzeit teilnehmenden europäischen Ländern ab. Das System funktioniert bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h.












