Vision Pulse: Hyundai und Kia entwickeln "Röntgenblick"

Vision Pulse UWB-Technik
Hyundai und Kia entwickeln „Röntgenblick“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 31.01.2026
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Hyundai und Kia Corporation haben mit dem System Vision Pulse eine neue Fahrzeugsicherheitstechnologie vorgestellt, die auf Ultra-Wideband-Signalen (UWB) basiert. Die Aufgabe: Personen und Hindernisse rund um ein Fahrzeug in Echtzeit zu erfassen und darzustellen, damit Unfälle vermieden werden können. Im Gegensatz zu kamerabasierten Systemen oder Sensoren arbeitet Vision Pulse mit Funksignalen. Deshalb funktioniert es auch bei schlechten Sichtverhältnissen, über weite Strecken und kann praktisch durch Hindernisse hindurchblicken.

Hohe Reichweite und Genauigkeit

Das Herzstück der Technologie sind kleine UWB-Module, die im Fahrzeug eingebaut sind und ständig Funksignale aussenden. Befinden sich in der Nähe andere Verkehrsteilnehmer mit ebenfalls aktiven UWB-Modulen, misst das System, wie lange die Signale zwischen den Geräten unterwegs sind. Aus diesen Zeiten berechnet Vision Pulse die genaue Position jedes Objekts. So kann das System rechtzeitig warnen, um Zusammenstöße zu verhindern.

Laut Hersteller liegt die Positionsgenauigkeit bei rund zehn Zentimetern im Umkreis von bis zu 100 Metern. Das Ganze funktioniert auch in komplizierten Stadtumgebungen, zum Beispiel an unübersichtlichen Kreuzungen oder in engen Straßen. Da UWB auf sehr hohen Funkfrequenzen arbeitet, ist es kaum gegen andere Signale störanfällig. Die Funkwellen können sich außerdem gut "beugen" und dringen durch viele Hindernisse hindurch, sodass auch Objekte erkannt werden, die nicht direkt sichtbar sind. Die Datenübertragung läuft fast ohne Verzögerung mit Latenzen von nur ein bis fünf Millisekunden und ist damit für Echtzeit-Anwendungen ausgelegt. Selbst bei Nacht oder schlechtem Wetter soll das System mehr als 99 Prozent aller Objekte zuverlässig erkennen.

Günstige Technik

Ein weiterer Vorteil: Vision Pulse braucht deutlich weniger teure Sensorik. Es kann Radar- oder LiDAR-Systeme ergänzen oder teilweise sogar ersetzen. Da UWB-Module in einigen Hyundai- und Kia-Modellen ohnehin schon verbaut sind, so bei der OptionDigital Key 2, ist bei bestimmten Fahrzeugen keine zusätzliche Hardware nötig. Auch externe Geräte wie Smartphones, Smartwatches oder kleine Tracker können Teil des Systems werden, solange sie UWB unterstützen. Bei Apple ist die UWB-Technik seit dem iPhone 11 integriert, diverse Modelle der Samsung Galaxy-Reihe und mehrere Google Pixel-Geräte haben UWB-Chips an Bord.

Neben dem Straßenverkehr sehen die Hersteller auch Einsätze in anderen Bereichen. In Fabriken etwa kann Vision Pulse helfen, Unfälle zwischen Gabelstaplern und Mitarbeitenden zu vermeiden. Seit 2025 wird die Technik im Kia PBV Conversion Center in Hwaseong, Südkorea, im Produktionsalltag getestet. Weitere Projekte sind im Hafen von Busan geplant. Dort soll untersucht werden, wie sich Kollisionen zwischen Arbeitsfahrzeugen und Hafenpersonal verhindern lassen.

Ortung von Personen

Selbst für Rettungseinsätze könnte UWB nützlich sein: Mit der Technologie lassen sich Menschen orten, die unter Trümmern eingeschlossen sind. In einer begleitenden Kampagne zeigen Hyundai und Kia außerdem, wie das System an Schulbussen eingesetzt werden kann. Kinder tragen dabei kleine UWB-Sender als Schlüsselanhänger an ihren Rucksäcken. Sie leuchten im Dunkeln und müssen nur selten aufgeladen werden.

Fazit