Hyundai i30 Fastback N Performance, Mini Clubman John Cooper Works All4, Exterieur Tyson Jopson
Hyundai i30 Fastback N Performance, Mini Clubman John Cooper Works All4, Exterieur
Mini Clubman John Cooper Works All4, Exterieur
Mini Clubman John Cooper Works All4, Exterieur
Mini Clubman John Cooper Works All4, Exterieur 25 Bilder

Hyundai i30 Fastback N vs. Mini Clubman John Cooper Works All4

Sport-Koreaner fordert Kurven-König

Als selbst ernannter König aller Kurven und Kehren muss sich der Mini nun gegen einen Hyundai wehren, will seinen Titel mit 306-PS-Motor, Allradantrieb und Automatikgetriebe verteidigen. Der i30 N greift mit 275 PS und Sperrdifferenzial an. Ob das reicht?

So schlimm kann es offenbar nicht sein, das Landleben. Urbanisierung hin oder her, 44 Prozent der Deutschen wünschen sich ein Leben auf dem Land. Okay, aktuell wohnen nur 15 Prozent der Bevölkerung in Städten und Dörfern mit weniger als 5.000 Einwohnern, wobei das eine nicht zwangsläufig etwas mit dem anderen zu tun haben muss. Wer aber zu besagten 44 Prozent gehört und ein passendes Fahrzeug für die Stadtflucht mit anschließendem Landleben sucht: auto motor und sport weiß Rat. So wie meistens.

Deshalb fegen nun Hyundai und Mini über diese Seiten, mit Motorleistungen um 300 PS mäandernd. Im Fall des Clubman gelingt die Stadtflucht besonders gut, was nicht nur an der markentypischen Hipsterigkeit liegt, die er seit der Modellpflege noch ein wenig exaltierter mit sich herumträgt, Stichwort Union-Jack-Rückleuchten. Ungeachtet seiner Lifestyle-Last, die ja eher ideeller Natur ist und daher nur bedingt zum üppigen Gewicht des Testwagens von 1.604 Kilogramm beiträgt, hechtet er mit einem Wahnsinns-Elan los.

Mini Clubman John Cooper Works All4, Exterieur
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Der Clubman hechtet mit einem Wahnsinns-Elan los.

Während sich das Zweiliteraggregat aus der BMW-B47-Familie um einen ernsten Ton bemüht, sich grollend durch das Drehzahlband ackert, kumpelt es derart innig mit dem Achtstufen-Automatikgetriebe und dem elektronisch geregelten Allradantrieb herum, dass der Kombi in nur 4,9 Sekunden von null auf 100 km/h hechtet. Ein überkommener Wert? Herzlich willkommen auf dem Land! Hier zählt Tradition.

Wem das alles zu schnell geht: bremsen. Klappt beim Mini ähnlich gut wie das Beschleunigen, zumindest was die Konstanz und die Vehemenz der Verzögerung betrifft. Einzig die Dosierung der Bremskraft mag nur mit viel Gewöhnung gelingen, da das Pedal unnötig viel Gegenkraft aufbaut.

Hitz’ komm

Auf die Lenkung musst du dich ebenfalls einschießen, denn es wirkt so, als wolle sie alleine den Clubman um die Ecken werfen. Bereits auf der Autobahn piesackt dich das hitzige Ansprechen, konterkariert einen ordentlichen Geradeauslauf. Darauf kommt es bei einer Knallbüchse wie dem Mini nicht an? Einspruch stattgegeben. Doch selbst dann, wenn sich Kurven mit größtmöglicher Athletik übers Land asphaltieren, mag sich der Mini nicht so recht mit dem Steuergerät des Fahrers vernetzen. Es beginnt eben schon mit der nicht optimal zu dosierenden Bremse. Dann will die hitzige Lenkung den Vorderwagen in die Kurve schubsen, doch der teilt den Eifer nicht.

Überraschend früh beginnt der Clubman über die Vorderräder zu schieben, überraschend konsequent ignoriert das Heck provozierende Lastwechsel, und überraschend spät schließt die Lamellenkupplung, um Drehmoment an die Hinterräder zu schicken, obwohl es dort beim Herausbeschleunigen gut zu gebrauchen wäre. Zugegeben, dieses Gemaule fällt in die gleiche Kategorie wie „Weshalb bekomme ich zum Hefezopf nur Butter und nicht noch Erdbeermarmelade dazu?“, aber, nun ja, die Erwartungshaltung an einen Mini zählt weiterhin zu den höchsten – was die Fahrdynamik betrifft.

Ob nun der Clubman wirklich Golf-Fahrer ansprechen soll, denen ihr Auto zu fad wurde? Der Hersteller sieht das jedenfalls so. Deshalb die Größe, mit 4,27 Metern Länge zwar immer noch deutlich kürzer als sein Wettbewerber, dafür mit mehr Normsitzraum und Innenhöhe, Letzteres wohl wegen der herrlich tief montierten, packenden Sitze. Kofferraum? Ja, vorhanden, irgenwie. Das Beste: die tiefe Ladekante und die hohe Variabilität, die zwei Türchen aber nicht mehr als ein (gewichtiger) Gag. Du willst aber eigentlich nicht einladen, sondern durchladen.

Hyundai i30 Fastback N Performance, Exterieur
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Ehrgeizig lenkt der i30 N ein, nicht jedoch verbissen. Fahrwerk und Lenkung arbeiten zusammen.

Selten begeistert ein Auto derart mit der schieren Beschleunigung, verführt zu leicht pubertären Handlungen wie nächtlichen Autobahn-Hochgeschwindigkeitsetappen wie der JCW. Ginge alles in Großbritannien so schnell, wäre das Land nicht nur längst aus der EU, sondern auch aus dieser Galaxie geflohen.

Der Hyundai hingegen fühlt sich hier ganz wohl, der i30 weicht die Eile des Clubman ein wenig auf, rückt das erlebte Tempo in den Fokus. Eine Trantüte? Hey, nein, natürlich nicht. Die Sechsgangschaltung verhindert schnellere Sprints wegen der Übersetzung der Gänge und der manuellen Betätigung – die wiederum den Reiz des i30 N ausmacht.

Als Fastback will auch er dem Pragmatismus huldigen, als ob das ein Hyundai nicht schon per se täte. So fährt er vor allem viel Kofferraumvolumen mit sich herum, gar nicht mal so viel Platz im Fond, lässt sich besser bedienen als der Mini, schützt mit weniger Assistenzsystemen.

Lieb und Feuer

Beim Fahren allerdings assistiert er hervorragend, von der etwas zu hohen Sitzposition einmal abgesehen. Die Sitze fallen größer aus als die des Konkurrenten, stützen ebenso gut, lassen sich optimal justieren. Ja, und dann wummert der N Performance los, sein Vierzylinder-Turbomotor spricht zügig an, donnerpröttelt überzeugender aus der Abgasanlage mit steuerbaren Klappen.

Hyundai i30 Fastback N Performance, Interieur
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Die Sitze fallen größer aus als die des Konkurrenten, stützen ebenso gut, lassen sich optimal justieren.

Das Feuerwerk der Emotionen überlassen zwar beide Triebwerke dem Captain’s Dinner auf dem Traumschiff, doch das des i30 bringt seinen Arbeitseifer ein wenig überzeugender rüber, erzählt lauter davon, entfaltet seine Leistung jedoch nicht homogener oder energischer als das des Mini. Allerdings arbeitet es weniger effizient, hier helfen dem JCW variable Ventil- und Nockenwellensteuerung. Im Testverbrauch ergibt sich ein Unterschied von 0,8 l/100 km zugunsten des Clubman. Dafür passt sich der Hyundai variabel erst dem Fahrer (Kennlinien der Dämpfer, der Stabilitätskontrolle, der Differenzialsperre, des Motors – alles das und mehr lässt sich per Bordmonitor einstellen) und dann jedem Kurvenradius an.

Die Natürlichkeit der Fahrzeugreaktionen prägt sein Wesen, nichts erscheint mühsam herbeikonstruiert, alles wirkt wie selbstverständlich vernetzt. Ehrgeizig lenkt der i30 N ein, nicht jedoch verbissen. Fahrwerk und Lenkung arbeiten zusammen, lassen dich lässig den Schwung setzen, neutral dem Radius folgen und geradezu übereifrig früh wieder Feuer geben, denn die Differenzialsperre verarbeitet die Drehmomentwelle an den Vorderrädern äußerst geschickt, wenngleich nicht ganz ohne Zerren in der Lenkung. Und wenn du es willst, kommt noch ein bisschen Leben ins lange Heck, juhu.

Während dich also der Mini besonders schnell aufs Land bringt, fährt dich der Hyundai besonders schnell übers Land. Deutlich günstiger ohnehin, doch das war zu erwarten. Dass der i30 N sogar die Krone aller Mini, den JCW, in seiner Kernkompetenz schlägt, dagegen weniger.

Fazit

1. Hyundai 413 Punkte

Wer sich von der rationalen Seite dem Irrationalen nähert, landet beim i30 N. Ein No-problem-Auto, geräumig, günstig. Und: Er packt dich! Fährt agil, lebendig, mitreißend.

2. Mini 406 Punkte

Wer das Irrationale potenzieren will, landet beim Clubman JCW. Der unpraktischste aller Kombis mit irre giftigem, effizientem Antrieb, aber auch eher freudlosem Handling.

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