Opel Insignia Sports Tourer, Volvo V60 Achim Hartmann
Opel Insignia Sports Tourer, Volvo V60
Opel Insignia Sports Tourer
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Opel Insignia Sports Tourer & Volvo V60 im Test

Opel Insignia Sports Tourer & Volvo V60 im Test Lohnt sich die Basis-Mittelklasse?

Die Mittelklasse-Kombis von Opel und Volvo bieten viel Platz und Nutzwert bei zurückhaltendem Auftritt. Doch reicht bei den beiden die Basismotorisierung für ebenso angenehmes wie zügiges Vorwärtskommen? Im Test die Benziner mit 170 PS (Opel) und 163 PS (Volvo).

Früher war beileibe nicht alles besser. Hätten wir diesen Vergleichstest etwa Mitte der 70er veranstaltet, wäre der Opel als Rekord mit dem 66 PS starken 1700er-Basismotor vorgefahren. Der Volvo hätte es als 245 mit dem B20-Motor immerhin auf 82 PS gebracht.

Das ist zum Glück 45 Jahre her. Es zeigt freilich auch, dass Opel und Volvo bei den Mittelklasse-Kombis Traditionsanbieter sind. Sie hatten bereits in den 60er-Jahren familienfreundliche Steilheckautos im Angebot, als die Audi noch DKW hießen und zweitakteten und die Volkswagen ausschließlich luftgekühlte Boxermotoren im Heckabteil transportierten.

Nun also Insignia und V60, und zwar mit der preiswertesten Benzinervariante, was in beiden Fällen einen Einkaufspreis von rund 40.000 Euro mit sich bringt. Der Volvo kommt als B3 in der Momentum-Pro-Ausstattung (ab 42.650 Euro) zum Test, mit dem gleichen Antrieb wäre er für 3.500 Euro weniger auch als ebenfalls sehr gut ausgestattetes Basismodell Momentum Core verfügbar – die billigste Möglichkeit, hierzulande einen neuen V60 zu erwerben.

Fixer Turbo im Opel

Ein erheblicher Teil der Insignia-Kundschaft bevorzugt immer noch Selbstzünder, der Spar-Diesel mit 122 PS steht ab 33.315 Euro in der Preisliste. So billig kann es also sein, einen ausgewachsenen Mittelklasse-Kombi aus deutscher Produktion zu erwerben. Bei den Benzinern wird es kostspieliger. Immerhin steht seit Anfang des Jahres eine weitere Variante zur Wahl: der 2.0 Turbo mit 170 PS. Den gibt es ab 38.370 Euro, der Testwagen verfügt über die sehr runde Business-Elegance-Ausstattung (ab 40.160 Euro). So ist der Opel also etwas preiswerter, bringt auch die umfangreichere Ausstattung mit, doch muss er, anders als der Volvo, auf mildhybridische Unterstützung verzichten. Der V60 B3 leistet 163 PS plus 10 kW E-Power.

Opel Insignia Sports Tourer
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Opel Insignia ST 2.0: 170 PS, 350 Nm, Vmax 225 km/h, Laderaum 560 –1.665 Liter, ab 38.370 Euro.

Die allerdings nicht dazu führt, dass der Volvo gefühlt oder gemessen fixer zu Werke ginge als der Opel. Im Gegenteil, der Insignia-Turbo hängt besser am Gas, reagiert spontaner auf Pedalbefehle und dreht williger hoch. Die Messapparatur verzeichnet deutlich bessere Werte in der Opel-Spalte: So beschleunigt der Insignia 1,3 Sekunden schneller auf 100 km/h (8,5 und 9,8 s) und ist auch beim Zwischenspurt um einiges flotter. Und es mag ja in Zukunft unwichtiger werden, doch zurzeit ist es noch relevant: Der Opel-Kombi rennt 225 km/h schnell, während sich der V60 wie alle aktuellen Verbrenner-Volvo mit 180 km/h bescheidet. Entsprechend gut motorisiert fühlt man sich dann auch im 170 PS starken Sports Tourer. Das liegt nicht zuletzt an der sehr zielsicher und unauffällig schaltenden Neunstufenautomatik von ZF.

Der V60 B3 ist serienmäßig ebenfalls mit einem Automatikgetriebe (namens Geartronic) ausgestattet. Es kommt vom Zulieferer Aisin und fällt durch gemächlicheres und nicht immer punktgenaues Schalten auf. Zudem wird es über einen wenig praktischen Stummelschalter bedient. Der muss nicht nur bei jedem Wechsel aus der Vorwärts- in die Rückwärtsbewegung oder umgekehrt zweimal angeschubst werden, auch das manuelle Schalten erweist sich als unergonomisch.

Immerhin verbraucht die Volvo-Antriebseinheit mit Mildhybrid-Unterstützung weniger Kraftstoff, so kann man ihr ja einiges nachsehen. Der Zweiliter im Opel benötigt in fast allen Lebenslagen rund einen halben Liter pro 100 km mehr. Dafür zeigt sich der Insignia-Antrieb laufruhiger und geschmeidiger, sodass er im Motorenkapitel deutlich mehr Punkte sammelt.

Mut zum Verzicht ist im Übrigen bei beiden Einstiegsmodellen nicht vonnöten. Vor allem der Opel zeigt sich als Business Elegance sehr umfangreich ausgestattet, da bleibt nicht so viel übrig, was man in der Optionsliste noch anklicken möchte. So sind etwa Spurhalte- und Spurwechselassistent stets mit dabei, ebenso der bekannt gute AGR-Sitz für den Fahrer oder das sehr empfehlenswerte IntelliLux-LED-Licht. Wer noch was drauflegen will, kann das Innovationspaket 2 dazubuchen. Für 995 Euro bietet es unter anderem adaptive Geschwindigkeitsregelung, Head-up-Display, schlüsselloses Starten und sensorgesteuerte Heckklappe.

Viel Platz im Insignia

Ähnlich gut ausstaffiert kommt der V60 B3 Momentum Pro zum Kunden. Sicherheitssysteme wie City Safety, aktiver Spurassistent, Verkehrszeichenerkennung oder die markenspezifische Oncoming Lane Mitigation zum Schutz gegen unbeabsichtigtes Verlassen der Fahrbahn sind serienmäßig in jedem V60 verbaut. Der Momentum Pro hat dazu das Sensus-Navi, schlüssellosen Start, automatische Kofferraumklappe oder auch CarPlay an Bord.

Als kostenpflichtige Option empfiehlt sich Pilot Assist für 1.140 Euro, es umfasst eine adaptive Geschwindigkeitsregelung samt aktiver Spurführung und Anpassung der Fahrgeschwindigkeit an Kurvenverläufe anhand der Navigationsdaten. Adaptivdämpfer sind für beide Kombis verfügbar, entbehrlicher scheinen sie im Opel. Der federt besser und feinfühliger. Im Volvo geht es deutlich holpriger zu, er gibt kleine und große Unebenheiten unmittelbarer an die Insassen weiter.

Volvo V60
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Volvo v60 b3: 163 PS, 265 Nm, Vmax 180 km/h, Laderaum 495 –1.407 Liter, ab 39.150 Euro.

Und es wäre noch etwas ungemütlicher, wenn der V60 nicht über so bequemes Sitzmobiliar verfügte. Vorn wie hinten fühlen sich die Passagiere kuschelig untergebracht. Was allerdings auch am beengteren Raumangebot liegt. Der Insignia Sports Tourer erreicht zwar ebenfalls nicht die Raumfülle eines Superb Combi oder Passat Variant, doch er bietet für Insassen und Gepäck spürbar mehr Platz als der kompakte V60. Kein Wunder, der Opel misst satte 4.986 Millimeter in der Länge, 225 mehr als der Volvo. Dennoch fühlt sich der Insignia beim Fahren nicht größer an, im Gegenteil. Er geht Kurven williger und agiler an, lenkt recht spontan ein und verfügt über die gefühligere und harmonischere Lenkung.

All das erscheint im Volvo schon behäbiger, so als wolle er dem Fahrer signalisieren, dass ambitioniertes Kurvenfahren ohnehin aus der Zeit gefallen sei. Das passt ja auch zum Sicherheitsanspruch des schwedischen Herstellers.

Was freilich nicht so gut dazu passt, ist die bescheidene Performance seiner Bremsanlage, ein Phänomen, das ebenso bei anderen V60-Testwagen zu verzeichnen war. Der V60 bremst auch in diesem Vergleichstest einfach schlechter als die Konkurrenz. In diesem Fall sammelt der Insignia bei der Bewertung der Bremswege zehn Punkte mehr.

Opel Insignia Sports Tourer, Volvo V60
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Der Opel ist etwas preiswerter, bringt auch die umfangreichere Ausstattung mit, doch muss er, anders als der Volvo, auf mildhybridische Unterstützung verzichten.

Zum Teil mag die magere Vorstellung des V60 in dieser Disziplin an der Michelin-Primacy-4-Bereifung des Testwagens liegen. Der Sports Tourer kam auf Michelin Pilot Sport 4 zum Test. Beide übrigens im 18-Zoll-Format, das beim Opel Serienausstattung ist, bei Volvo jedoch 920 Euro Aufpreis kostet.

Nach Punkten kommt der Volvo V60 in diesem Vergleich also nicht am Opel Insignia Sports Tourer vorbei. Der liefert eine reife Vorstellung mit komfortablem Fahrwerk und ansprechender Motor-Getriebe-Kombination. Der Volvo überzeugt eher mit Sekundärtugenden, jenem feinen Gefühl etwa, in einem sauber gebauten Premium-Auto unterwegs zu sein. An sich nicht verkehrt, doch ist das diesmal verglichen mit dem überzeugenden Insignia zu wenig.

Fazit

1. Opel Insignia ST 2.0 Di Turbo Business Elegance 617 Punkte

Komfortables, handliches Fahrwerk, gute Bremsen, saubere Fahrqualitäten – der Insignia Sports Tourer überzeugt mit vielen guten Eigenschaften. Er ist zudem preiswerter.

2. Volvo V60 B3 Momentum Pro 567 Punkte

Zu den Vorzügen des V60 zählen der niedrigere Verbrauch, das ausgefeiltere LED-Licht sowie die etwas bessere Verarbeitungsqualität. Mäßig sind die Bremsen.

Technische Daten

Opel Insignia Sports Tourer 2.0 DI Turbo Business Volvo V60 B3 Momentum Pro
Grundpreis 37.490 € 42.650 €
Außenmaße 4986 x 1863 x 1500 mm 4761 x 1850 x 1427 mm
Kofferraumvolumen 560 bis 1665 l 495 bis 1407 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 1969 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 4250 U/min 120 kW / 163 PS bei 4800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h 180 km/h
Verbrauch 6,4 l/100 km
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Opel Insignia
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