112 europaweit nutzen: So geht der europäische Notruf 112!

112 europaweit nutzen
So geht der europäische Notruf 112!

ArtikeldatumVeröffentlicht am 11.02.2026
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Notruf 112
Foto: Ingo Niemann/UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Wie kam es zur Einführung des Notrufs?

Am 3. Mai 1969 stirbt der achtjährige Björn Steiger nach einem Autounfall, weil die Hilfe erst eine Stunde später eintrifft. Im Gedenken an ihren Sohn gründen Ute und Siegfried Steiger eine Stiftung, um die Notfallversorgung in Deutschland zu verbessern. Ihr Einsatz für eine einheitliche Notrufnummer wird von Bundespostminister Horst Ehmke unterstützt, doch finanzielle und politische Hürden verhindern zunächst die Umsetzung.

Im Juli 1973 möchte Siegfried Steiger die Unfinanzierbarkeit selbst prüfen und fragt bei der Oberpostdirektion Stuttgart nach den Kosten für den Regierungsbezirk Nordwürttemberg, der aus 19 Landkreisen und kreisfreien Städten bestand. Zu seiner Überraschung erhält er noch am selben Tag ein verbindliches Angebot über 387.000 DM. Für die Stiftung eine große Summe, doch bei einer Aufteilung auf die 19 Landkreise und kreisfreien Städte wird der Betrag überschaubar und die Finanzierung machbar.

Warum 112 und nicht 111?

In den frühen 50er Jahren wurde die 110 für die Polizei festgelegt. Der Polizeinotruf 110 hatte zudem den Vorteil, dass er sich auf den damals verbreiteten Wählscheibentelefonen auch im Dunkeln einfach wählen ließ, da die Ziffern Eins und Null an den Enden der Wählscheibe platziert waren.

Es folgte die 112 für die Feuerwehr, nachdem die 111 übersprungen wurde, um technische Störungen zu vermeiden. Das Besondere: Beim Feuerwehr- und Rettungsdienstnotruf 112 lagen die Ziffern direkt nebeneinander.

Seit wann gilt die 112 in anderen Ländern?

Offiziell wurde die 112 am 29. Juli 1991 vom EU‑Rat eingeführt und danach in allen Mitgliedstaaten umgesetzt.

Wo gilt die Notrufnummer?

Weltweit ist in allen Mobilfunknetzen die Notrufnummer 112 und parallel auch die 911 anwählbar.

Wann dürfen Sie die 112 anrufen?

Ob bei einem Brand oder einem Verkehrsunfall, bei bedrohlichen gesundheitlichen Zwischenfällen oder bei einem Unglück im Haushalt.

Wen erreichen Sie mit 112?

Mit 112 erreichen Sie in allen Ländern die zuständige Leitstelle, die Sie an Polizei, Feuerwehr oder medizinischen Rettungsdienst weiterleitet. Der Disponent nimmt die Gesprächsführung in seine Hände und führt den Anrufer gezielt durch das Telefonat. Unterstützt und geleitet wird er dabei von einem Computerprogramm. Die Software sieht alle möglichen Szenarien vor: Verbrennung, Platzwunden oder Vergiftung, Zimmerbrand, Gasgeruch oder Explosion – nichts, was nicht berücksichtigt ist. Frage für Frage und Antwort für Antwort wird klarer, was der Anrufer unternehmen kann, welches Rettungsmittel zum Einsatz kommen muss.

Wie verhalten Sie sich beim Anruf?

Bleiben Sie ruhig und beantworten Sie klar folgende Punkte (Fünf W):

  • Wo befindet sich der Unfall? Geben Sie den genauen Ort an, an dem der Notfall passiert. Dies kann eine Adresse, ein nahegelegener Ort oder eine detaillierte Wegbeschreibung sein. Bei Mobiltelefonen kann der Disponent häufig auch den Standort über GPS ermitteln, aber genaue Angaben sind trotzdem wichtig.
  • Wer ruft an? Nennen Sie Ihren Namen, Ihren Standort und Ihre Telefonnummer für Rückfragen!
  • Was ist passiert? Erklären Sie den Vorfall: Handelt es sich um einen Brand, einen Unfall, eine medizinische Notlage oder eine andere Gefahrensituation? Je klarer Sie das Geschehen beschreiben, desto schneller kann der Disponent entscheiden, welche Hilfe benötigt wird.
  • Wer ist betroffen? Geben Sie an, wie viele Personen betroffen sind und in welchem Zustand sie sich befinden. Sind Menschen verletzt, bewusstlos oder in Gefahr? Diese Informationen sind entscheidend, um die richtige Hilfe zu schicken (z. B. Notarzt, Feuerwehr).
  • Warten auf Rückfragen! Legen Sie nicht gleich auf, die Mitarbeiter der integrierten Leitstelle benötigen von Ihnen vielleicht noch weitere Informationen!

Strafe bei Spaßanrufen?

Unnötige oder falsche Notrufe blockieren lebenswichtige Ressourcen und sind in vielen Ländern strafbar mit Geld‑ oder Freiheitsstrafen.

Was, wenn Sie taub sind oder Sprechen nicht möglich ist?

EU-Recht fordert gleichwertigen Zugang für Menschen mit Behinderung. In vielen Ländern gibt es alternativen Kontakt über SMS, Text‑Services oder spezialisierte Apps – der Ausbau ist im Gange. Die Funktion Real Time Text (RTT) kann textbasierte Kommunikation in Echtzeit – insbesondere für hör- oder sprachbeeinträchtigte Menschen und damit den Audio-Anruf um einen weiteren Kanal ergänzen. Dieser Dienst ist bereits im Netz verfügbar, er soll ab 2027 auf Leitstellenseite eingesetzt werden.

Was, wenn ich kein Guthaben mehr habe oder das Telefon gesperrt ist?

Die Nummer 112 kann im Notfall selbst bei gesperrten Mobiltelefonen – ohne Netzvertrag, PIN oder Guthaben – kostenfrei gewählt werden.

Stimmt es, dass ich auch ohne SIM-Karte 112 erreiche? Jein!

Sieht man den Euronotruf als europäischen Notfalldienst, kann man die Idee hervorheben, dass man ihn per Mobiltelefon auch ohne SIM-Karte erreichen kann. Das klappt auch, zumindest in einigen Ländern. Aber nicht in Deutschland! Die Bundesnetztagentur begründet die Abschaffung dieser Möglichkeit wie folgt: "Ab dem 1. Juli 2009 sind Notrufe von Mobiltelefonen in Deutschland nur noch mit einer aktivierten Mobilfunkkarte, der sog. SIM-Karte, möglich. Bisher war die Notrufnummer 112 auch ohne SIM-Karte von jedem Mobiltelefon aus erreichbar. Die betriebsbereite Mobilfunkkarte ermöglicht eine eindeutige Identifikation des Karteninhabers, sodass zukünftig Missbräuche besser verfolgt werden können."

Funfacts & Anekdoten

  • Es gibt einen eigenen Europäischen 112‑Tag am 11. Februar, weil das Datum (11.2) die Notrufnummer spiegelt.
  • Viele Menschen wissen nicht, dass 112 in ganz Europa gilt; Studien zeigten einen relativ niedrigen Bekanntheitsgrad.
  • Im eCall‑System wählen Autos bei schweren Unfällen automatisch die 112 und übertragen Daten wie Position und Aufprallinfos.
  • Im Jahr 2025 gingen 31,5 Millionen Notrufe über das Netz der Deutschen Telekom ein.
  • 72 Prozent aller Notrufe erfolgen über das Mobilfunknetz, 28 Prozent über das Festnetz.
  • Die alten Römer hatten keinen Notruf im modernen Sinn, aber sie organisierten Rettungskräfte und Brandbekämpfung über städtische Feuerwehren (Vigiles) – Vorläufer unserer heutigen Notfallorganisation, aber ohne Nummer.

Notrufnummern in Deutschland:

  • Notruf, Feuerwehr: 112
  • Polizei: 110
  • Krankentransport: 19222
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116117

Fazit