Das zeigen die Ergebnisse der neuen Studie "Verkehrsklima in Deutschland 2026" der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Auffällig ist dabei noch etwas anderes. Das eigene Verhalten wird deutlich weniger kritisch wahrgenommen als das der anderen.
Für die repräsentative Untersuchung wurden 2.004 Personen ab 18 Jahren befragt. Beim aggressiven Fahrverhalten wertete die UDV die Antworten von 1.578 Pkw-Fahrern aus. Da viele Fragen bereits seit 2016 gestellt werden, lässt sich die Entwicklung über zehn Jahre verfolgen.
Drängeln wird häufiger zum eigenen Fahrstil
Besonders stark hat das Drängeln zugenommen. Fast jeder zweite Befragte stimmt inzwischen zumindest teilweise der Aussage zu, drängeln zu müssen, wenn das Auto vor ihm "bummelt". 2016 war es weniger als jeder Dritte. Auf notorische Linksfahrer wird ebenfalls deutlich häufiger dicht aufgefahren, damit sie die Überholspur freimachen.
Die Studie beschreibt jedoch nicht nur solche klassischen Drängelsituationen. Autofahrer geben häufiger an, sich die Vorfahrt zu erzwingen, vor anderen knapp einzuscheren oder rechts vorbeizufahren, wenn sie sich am Überholen gehindert fühlen. Selbst Ärger schlägt sich im Fahrstil nieder. Die UDV fragt beispielsweise danach, ob Autofahrer schneller fahren oder sich sofort abreagieren müssen, wenn sie sich über andere Verkehrsteilnehmer ärgern. Bei diesen Verhaltensweisen zeigt die Untersuchung ebenfalls eine Zunahme.
Aggressiv sind vor allem die anderen
Interessant wird die Untersuchung beim Vergleich von Selbst- und Fremdbild. Das Vordrängeln an einer wartenden Autokolonne räumen 56 Prozent zumindest teilweise für sich selbst ein. Bei anderen haben es dagegen 92 Prozent beobachtet. Beim dichten Auffahren, um einem anderen Fahrzeug das Einscheren zu verwehren, stehen 37 Prozent Selbsteinschätzung 88 Prozent Fremdwahrnehmung gegenüber.
Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Autofahrer bewusst die Schuld bei anderen suchen. Die Fragen zur Eigen- und Fremdwahrnehmung sind methodisch nicht identisch. Die UDV hält als Ergebnis dennoch ausdrücklich fest, dass Selbst- und Fremdbild auseinanderklaffen. Als Konsequenz fordert die Unfallforschung unter anderem mehr Kontrollen, höhere Sanktionen und Kampagnen, die auf ein besseres Miteinander im Straßenverkehr abzielen. Übrigens: Wie Sie ohne Strafe im Verkehr Ihrem Ärger Luft machen könne, lesen Sie hier.





