AM General UGV: Was soll der Humvee ohne Fahrgastzelle?

AM General UGV
Was soll der Humvee ohne Fahrgastzelle?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.07.2026
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AM General UGV
Foto: AM General

Die Plattform soll Transportaufgaben übernehmen, Verwundete bergen, andere Drohnenfahrzeuge transportieren und bei Bedarf auch Systeme zur Drohnenabwehr tragen. Entwickelt wurde das Fahrzeug gemeinsam mit mehreren Spezialisten für Robotik und autonome Systeme.

Bewährte Humvee-Basis statt kompletter Neuentwicklung

Anders als viele neu entwickelte UGV nutzt AM General keine vollständig neue Plattform. Grundlage ist das sogenannte 13-Series-Chassis des Herstellers, das technisch aus der Humvee-Familie hervorgegangen ist. Die Plattform verfügt über eine robuste Leiterrahmenkonstruktion, Allradantrieb und eine für militärische Einsätze ausgelegte Fahrwerksarchitektur.

Für das UGV wurde das Fahrgestell umfassend modernisiert. Lenkung, Bremse und Antrieb arbeiten über eine Drive-by-Wire-Technik, sodass das Fahrzeug ferngesteuert oder autonom betrieben werden kann. Dadurch entsteht praktisch ein unbemannter Nachfolger des Humvee, der ohne Besatzung verschiedene Aufgaben im Gefechtsfeld übernehmen soll.

Interessant ist auch die historische Verbindung zum Eagle. Die ersten Generationen des von Mowag entwickelten Eagle I bis Eagle III nutzten ebenfalls Humvee-Technik als Grundlage. Das neue UGV knüpft damit indirekt an ein Konzept an, das bereits seit Jahrzehnten bei militärischen Radfahrzeugen genutzt wird.

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Neuer V8-Diesel mit mehr als 746 Newtonmetern

Angetrieben wird das Fahrzeug von einem neuen 6,5-Liter-V8-Turbodiesel. Der Motor leistet 250 PS und stellt als Drehmoment 746 Newtonmeter bereit. Der Antrieb kann mit normalem Dieselkraftstoff sowie den NATO-Kraftstoffen JP-8 und F-24 betrieben werden.

Diese Mehrstofffähigkeit soll die Versorgung im Einsatz vereinfachen. JP-8 und F-24 sind militärische Flugkraftstoffe auf Kerosinbasis, die bei zahlreichen NATO-Streitkräften standardisiert genutzt werden.

Humvee und Hummer – was ist der Unterschied?Der Humvee (HMMWV) wurde Anfang der 1980er-Jahre als Militärfahrzeug für die US-Streitkräfte entwickelt und wird bis heute in zahlreichen Varianten eingesetzt. Der Hummer H1 ist die zivile Version dieses Fahrzeugs und übernahm viele technische Komponenten des Humvee. Die späteren Modelle Hummer H2 und H3 wurden dagegen von General Motors entwickelt und basieren auf zivilen Pick-up- und SUV-Plattformen. Mit dem ursprünglichen Militär-Humvee haben H2 und H3 technisch nur noch wenige Gemeinsamkeiten.

Nutzlast von bis zu 2,3 Tonnen auf der Ladefläche

AM General nennt für die verstärkte Ladeplattform eine maximale Nutzlast von bis zu 5.000 Pfund beziehungsweise rund 2.268 Kilogramm. Die Plattform verfügt über ein variables Ladekonzept mit modularen Befestigungspunkten, einem L-Track-System zur Ladungssicherung und einem fernbedienbaren Servicekran mit T-Boom-Ausleger.

Dadurch kann das Fahrzeug unterschiedliche Lasten aufnehmen und für verschiedene Einsätze konfiguriert werden.

Verwundete bergen und andere Roboter transportieren

AM General sieht das UGV als universelle Unterstützungsplattform.

Zu den vorgesehenen Aufgaben gehören:

  • Nachschubtransporte
  • Munitionstransporte
  • Verwundetenevakuierung (CASEVAC)
  • Aufklärungsmissionen
  • Transport weiterer unbemannter Systeme
  • Drohnenabwehr
  • Bergungs- und Unterstützungsaufgaben

Besonders interessant ist die Möglichkeit, kleinere unbemannte Bodenfahrzeuge mitzuführen. Diese sollen die Reichweite von Truppen erweitern und zusätzliche Sensoren oder Fähigkeiten ins Einsatzgebiet bringen.

KI an Bord und autonome Konvoifahrten

Die Autonomiearchitektur gehört zu den wichtigsten Merkmalen des neuen Fahrzeugs. Zur Ausstattung zählen ein Trägheitsnavigationssystem, moderne Netzwerktechnik und eine offene MOSA-Architektur. MOSA steht für Modular Open Systems Approach und soll spätere Modernisierungen erleichtern.

Zu den Fähigkeiten des Fahrzeugs gehören autonome Konvoifahrten im sogenannten Leader-Follower-Betrieb, bei denen das UGV einem vorausfahrenden Fahrzeug selbstständig folgt. Darüber hinaus kann die Plattform vollständig ferngesteuert oder im Modus der überwachten Autonomie eingesetzt werden, bei dem das Fahrzeug bestimmte Aufgaben eigenständig ausführt, während ein Bediener die Mission überwacht. Sensoren erkennen Hindernisse auf der Fahrstrecke und ermöglichen es dem System, diese selbstständig zu umfahren. Ergänzt wird dies durch KI-gestützte Funktionen, die Entscheidungen direkt an Bord des Fahrzeugs unterstützen und dadurch auch ohne permanente Verbindung zu externen Rechenzentren arbeiten können.

Zusammenarbeit mit drei Robotik-Spezialisten

Bei der Entwicklung arbeitet AM General mit mehreren Industriepartnern zusammen. Carnegie Robotics liefert die autonome Navigation, Hinderniserkennung, Hindernisvermeidung und die KI-Funktionen. Textron Systems ist für die Drive-by-Wire-Technologie, Teleoperation, Kommunikationssysteme und die Netzwerkintegration verantwortlich.

Hinzu kommt Swarmbotics AI. Das Unternehmen liefert das FireAnt-sUGV-Schwarmkonzept. Dabei handelt es sich um kleine und vergleichsweise kostengünstige Bodenroboter, die gemeinsam mit dem großen UGV eingesetzt werden können.

Auf der Rüstungsmesse Eurosatory wird das Fahrzeug mit einer Hornet-Fernwaffenstation präsentiert. Das System dient der Abwehr kleiner Drohnen und zeigt gleichzeitig die Fähigkeit der Plattform, unterschiedliche Waffensysteme zu integrieren.

Fazit