Zum letzten Mal gehörte im Rahmen der Mercedes S-Klasse-Weltpremiere die große Bühne auch dem langjährigen Designchef Gorden Wagener. Mercedes-Chef Ola Källenius würzte seine Abschiedsworte mit viel Humor, beschrieb Wageners gesundes Selbstvertrauen mit Anflügen von Ironie und ließ den Abschiedsapplaus aufbrausen – Wagener, geboren 1968 in Essen und mittlerweile im Besitz eines US-Passes, standen die Tränen in den Augen.
Mercedes-Designchef stand oft in der Kritik
Wagener war zuletzt umstritten. Zu eitel wirkten seine Auftritte im Rahmen der IAA, wo er mit einem T-Shirt-Aufdruck "G wie Gorden" (statt G-Klasse) unterwegs war und wo er öffentlich das Design der Konkurrenz kritisierte – das brachte intern das Fass zum Überlaufen.
Bei aller Kritik: Wagener, als Nachfolger von Peter Pfeiffer, verschaffte der Marke mit dem Stern erstmals eine Designstrategie. Die Philosophie der sinnlichen Klarheit stammt von ihm, in deren Rahmen er versuchte, aus den Mercedes-Modellen wieder Ikonen zu schaffen, die sich weltweit vom automobilen Einheitsbrei unterscheiden. Sein Erstlingswerk war der SLR McLaren, eines der letzten Modelle aus seiner Feder wird die nächste Generation des GLS sein. Weltweit fiel er im wahrsten Sinne des Wortes mit EQE und EQS durch.
Wobei: Die Strategie, neben der S-Klasse ein elektrisch betriebenes Luxusauto in Form einer aerodynamisch geformten Fließheck-Limousine zu gestalten, wurde nicht von ihm, sondern dem Vorstand beschlossen. Es sollte, so heißt es heute, auch ein indirektes Angebot an Apple sein, die damals Pläne für ein eigenes Automodell hatten. Traditionalisten forderten auch immer wieder die Rückkehr zu klassischen Bedienelementen im Innenraum, der unter Wageners Leitung immer stärker durch große Bildschirmflächen dominiert wurde.
Umbruch im Mercedes-Design also nach 17 Jahren – das gilt dann auch für die langjährigen Weggefährten Wageners wie dem Exterieur-Designchef Robert Lesnik (Jahrgang 1971). Der bekommt mit Gordens Nachfolger Bastian Baudy (41 Jahre) einen neuen Chef, der ehemals als Teamleiter für ihn gearbeitet hat, bevor der Youngster als nächste Station zu AMG als Designchef wechselte.
Baudy ist wie viele Designstars ein Zögling der FH Pforzheim. Er hat dort unter dem langjährigen Leiter Professor James Kelly studiert, dem der ehemalige Audi-Designchef Marc Lichte, der jetzt amtierende Volvo-Designchef Thomas Ingenlath und auch Michael Mauer, der langjährige Porsche-Designchef die ersten Schritte in eine erfolgreichen Laufbahn zu verdanken haben.
Auch Michael Mauer muss gehen
Mauer, seit 22 Jahren Porsche-Designchef, ereilte in diesen Tagen das gleiche Schicksal wie Wagener: Der 63-Jährige wurde vom neuen Porsche-Chef Michael Leiters abberufen und – Sie ahnen es – von einem weiteren Zögling der FH Pforzheim ersetzt: Leiters setzt künftig auf Tobias Sühlmann, der nach seinem Studien-Abschluss bei VW und Bugatti und zuletzt nach einer Station bei Aston Martin der Designchef von McLaren war – ein Vertrauter von Leiters also, der dem englischen Sportwagenhersteller als CEO vorstand.
Mauer hinterlässt andere Spuren als Wagener: Leise, humorvoll, viel weniger machtbesessen und dabei trotzdem erfolgreich – der leidenschaftliche Skifahrer gilt nach wie vor als einer der besten Designer der Welt, der noch das Amt des VW-Konzerndesignchefs innehat. Aber Porsches Ausrichtung in den vergangenen Jahren war nicht erfolgreich – besonders nicht durch den Beschluss, den Macan nur noch rein elektrisch anzubieten.
Wobei Mauer dafür genauso wenig kann wie Wagener für den EQS. Was bleibt, ist eine unglaubliche Lebensleistung: Mauer hat schließlich noch unter dem legendären Mercedes-Designchef Bruno Sacco bei Mercedes gearbeitet und die erste Generation des SLK verantwortet. Bei Saab war es der 9-3, bei Porsche stammen Cayman/Boxster, Cayenne und Panamera, Taycan und natürlich der ikonische 911 aus seiner Feder. Große Fußstapfen, in die Sühlmann tritt.
Wann geht Adrian van Hooydonk?
Wackelt nun auch die 3. Designbastion – Adrian van Hooydonk bei BMW? In einem Jahr, in dem der neue elektrische iX3 auf Basis der Neuen Klasse so erfolgreich in den Markt startet, dass es mittlerweile neun Monate Lieferzeiten gibt, ist damit noch nicht zu rechnen. Der gebürtige Niederländer wird in diesem Jahr 62 Jahre alt und hat BMW äußerst erfolgreich positioniert.
Seit 1992 ist er Designchef und hat neben der gesamten Modellpalette auch die elektrisch betriebene i-Reihe stilistisch entwickelt. Vergleichbare Anlaufschwierigkeiten wie bei EQS und EQE? Fehlanzeige. BMW agiert aber insgesamt auch strategischer und hat sich von der anfänglichen Kritik an den opulent gestalteten Frontpartie nicht abbringen lassen. Mittlerweile funktioniert das Design weltweit.

Adrain van Hooydonk, BMW-Chef-Designer.
Kein Grund also, Hooydonk vorzeitig aus dem Amt zu rufen, obwohl mit Milan Nedeljkovic am 14. Mai 2026 ein neuer Vorstandsvorsitzender antritt. Erst nächstes Jahr, so heißt es intern, dürfte Hooydonk abgelöst werden. Dann hat er mit 63 Jahren die interne Altersgrenze für Führungskräfte erreicht. Damit endet dann endgültig die Ära der drei erfolgreichsten Designchefs deutscher Marken, die weltweit Autofans bewegt hat.












