Statt einer Reparatur soll ein Teil des Bauwerks abgerissen und neu errichtet werden. Der Bund will das Vergabeverfahren sofort starten, damit möglichst noch im Juli die ersten Arbeiten beginnen können.
Die Entscheidung gab Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) am Freitag (19.6.2026) nach einer Sitzung eines Lenkungskreises mit Vertretern von Bund, Land, Stadt Bonn und der Autobahn GmbH bekannt. Für die Region bedeutet dies eine langfristige Sperrung einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen über den Rhein.
Schäden deutlich schwerer als erwartet
Auslöser für die Entscheidung sind neue Untersuchungen an der linksrheinischen Vorlandbrücke. Dabei handelt es sich um den westlichen Teil des Bauwerks, der den Rheinvorbereich überspannt. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums haben die Gutachter dort deutlich größere Schäden festgestellt als zunächst angenommen. Eine Instandsetzung kommt deshalb nicht mehr infrage. Stattdessen soll die Vorlandbrücke vollständig abgerissen und neu gebaut werden.
Der rechtsrheinische Teil der Brücke sowie der Abschnitt über dem Rhein müssen nach aktuellem Stand dagegen nicht ersetzt werden. Verkehrsminister Schnieder sagte bei der Vorstellung der Pläne: "Wir sind uns bewusst, dass es eine riesige Belastung für die gesamte Region ist."
Abriss soll bereits in wenigen Wochen beginnen
Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums hat die Beschleunigung des Projekts nun oberste Priorität. Das Vergabeverfahren soll unmittelbar beginnen. Ziel ist es, möglichst noch im Juli mit dem Abriss der beschädigten Vorlandbrücke zu starten.
Für den Neubau wird derzeit eine Bauzeit von rund zwei Jahren veranschlagt. Spätestens Ende 2028 soll die Verbindung wieder für den Verkehr freigegeben werden. Noch offen ist die Frage, ob die Hauptbrücke künftig zusätzliche Fahrstreifen erhalten soll. Diese Entscheidung soll zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden. Der Neubau der Vorlandbrücke wird unabhängig davon umgesetzt.
Diese Umleitungen gelten jetzt
Mit der Entscheidung für Abriss und Neubau müssen sich Autofahrer auf eine mehrjährige Sperrung einstellen. Die A565 kann den Rhein im Bereich der Bonner Nordbrücke weiterhin nicht queren. Als wichtigste Ausweichroute dient die Konrad-Adenauer-Brücke auf der A562 südlich von Bonn. Für Fahrten im Fernverkehr kommen außerdem die Rodenkirchener Brücke auf der A4 bei Köln sowie die Südbrücke auf der A555 zwischen Köln und Bonn infrage.
Innerhalb Bonns wird ein Teil des Verkehrs über die Kennedybrücke geführt. Seit der Sperrung Anfang Juni kommt es auf den Ausweichstrecken bereits regelmäßig zu längeren Staus und Verzögerungen. Die Stadt Bonn hat deshalb zusätzliche Park-and-Ride-Flächen eingerichtet, Fahrbahnführungen angepasst und den öffentlichen Nahverkehr zeitweise kostenlos angeboten. Ziel ist es, die Belastung des Straßennetzes möglichst zu reduzieren.
Wichtige Rheinquerung für Bonn und das Rheinland
Die Friedrich-Ebert-Brücke gehört zu den wichtigsten Rheinquerungen im Rheinland. Sie verbindet die A565 mit der A59 und stellt eine zentrale Ost-West-Verbindung für Pendler, Wirtschaftsverkehr und Fernverkehr dar.
Nach Angaben der Autobahn GmbH und des ADAC nutzten vor der Sperrung täglich rund 100.000 bis 120.000 Fahrzeuge die Verbindung. Rund fünf Prozent davon entfielen auf den Schwerlastverkehr.
Das Bauwerk stammt aus den 1960er-Jahren und war bereits seit längerer Zeit Gegenstand umfangreicher Überwachungsmaßnahmen. Seit Februar 2026 galt ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen. Zusätzlich wurde die Belastung der Brücke durch technische Kontrollsysteme überwacht.





