Besonders umstritten ist die Entscheidung, weil sich Unternehmen und IG Metall erst 2023 auf eine Fortführung des Werks bis Ende 2028 verständigt hatten. Magna verweist auf die wirtschaftliche Entwicklung, die Gewerkschaft spricht dagegen von einem Bruch der damaligen Vereinbarungen. Darüber berichten BR24 sowie die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Für die Beschäftigten ist es bereits die zweite Schließungsankündigung innerhalb von drei Jahren. Nachdem das Werk 2023 noch erhalten werden konnte, endet die Produktion nun rund eineinhalb Jahre früher als damals vereinbart.
Magna sieht keine wirtschaftliche Perspektive mehr
Nach Angaben des Unternehmens lässt sich der Standort trotz Investitionen und verschiedener Kostensenkungsmaßnahmen wirtschaftlich nicht mehr fortführen. Als Grund nennt Magna eine anhaltend negative Geschäfts- und Marktentwicklung. Die Fertigung soll noch bis Mitte 2027 laufen, anschließend wird das Werk geschlossen. Produziert werden in Dorfprozelten Außen- und Rückspiegel für die Automobilindustrie.
Die Entscheidung fällt in einer Phase, in der zahlreiche Automobilzulieferer ihre Kapazitäten neu ordnen. Sinkende Fahrzeugproduktionen, hohe Investitionen in neue Antriebstechnologien und der anhaltende Kostendruck zwingen viele Unternehmen zu Einsparungen.
Gewerkschaft wirft Magna Wortbruch vor
Die IG Metall kritisiert die Schließung scharf. Nach ihrer Darstellung wurden wesentliche Zusagen aus der Einigung von 2023 nicht eingehalten. So seien weder neue Produkte am Standort angesiedelt noch Fertigungen anderer Werke nach Dorfprozelten verlagert worden.
Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Aschaffenburg, Percy Scheidler, sagte laut dpa: "Magna hat vereinbarte Arbeit, Aufträge und Anlagen nicht geliefert und hat jetzt entschieden, dass der Standort nicht mehr tragfähig ist. Unternehmertum sieht anders aus." Auch Gewerkschaftssekretär Christoph Curs kritisierte gegenüber BR24, dass die als Zukunftstechnologie vorgesehene LC-Spiegelglas-Technologie nicht bis zur Serienreife weiterentwickelt worden sei. Nach Angaben der Gewerkschaft flossen dafür Fördermittel des Freistaats Bayern.
Wer ist Magna?Magna zählt zu den größten Automobilzulieferern der Welt und entwickelt sowie produziert Komponenten und komplette Systeme für zahlreiche Fahrzeughersteller. Das Unternehmen liefert unter anderem Außenspiegel, Karosserie- und Fahrwerkskomponenten, Sitzsysteme, Elektronik sowie Antriebslösungen. Darüber hinaus übernimmt Magna für Hersteller wie Mercedes-Benz, BMW, Toyota oder Jaguar Land Rover auch die komplette Fahrzeugfertigung im österreichischen Graz. Weltweit beschäftigt der Konzern mehr als 170.000 Mitarbeiter an mehreren hundert Entwicklungs- und Produktionsstandorten.
Standort war bereits 2023 vor dem Aus
Schon vor drei Jahren wollte Magna das Werk schließen. Nach Protesten der Belegschaft sowie Verhandlungen mit der IG Metall, der Politik und den Kommunen wurde jedoch ein Eckpunktepapier vereinbart. Dieses sah vor, den Standort mit mindestens 250 Beschäftigten bis Ende 2028 fortzuführen. Bereits damals wurden rund 200 Arbeitsplätze abgebaut. BR24 berichtete, dass viele Beschäftigte diese Einschnitte akzeptierten, um den Standort zu erhalten. Für Dorfprozelten bedeutet das zugleich den Verlust eines der wichtigsten Industriearbeitgeber der Gemeinde.





