49-Euro-Ticket Deutschlandticket Symbolbild Getty Images / Firn
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Für 49 Euro: Deutschlandticket für Regional- und Nahverkehr

49-Euro-Ticket für Regional- und Nahverkehr Was Sie über das Deutschlandticket wissen müssen

Das Bundeskabinett hat dem Gesetz für das sogenannte Deutschlandticket zugestimmt. Hier erfahren Sie, wann es kommt, wie die Finanzierung geregelt ist und was noch geklärt werden muss.

Während der Corona-Pandemie hat der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) extrem gelitten. Mit dem zwischen Juni und August 2022 gültigen "9 für 90-Ticket" sollten die Menschen wieder an Bus und Bahn herangeführt werden. Das sogenannte 9-Euro-Ticket, das nach Branchenangaben etwa 52 Millionen mal verkauft wurde, erwies sich als großer Erfolg, da sind sich die meisten Experten und Beobachter einig. Früh forderten sie eine Nachfolgeregelung. Diese ist nun mit dem "Deutschlandticket" – so die offizielle Bezeichnung – gefunden und hat mit einem Beschluss des Bundeskabinetts die erste Gesetzgebungshürde genommen.

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Was soll das Deutschlandticket kosten?

Die Kosten beziffert der inoffizielle Zweitname "49-Euro-Ticket". Doch dabei handelt es sich wohl nur um einen Einführungspreis. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat laut "Süddeutscher Zeitung" bereits in einem frühen Stadium der Ausarbeitung angekündigt: "Der Preis wird steigen." Denn die Verkehrsminister von Bund und Ländern haben ab 2024 einen automatischen Inflationsausgleich vereinbart. Steigen die Kosten für die Verkehrsbetriebe, beispielsweise durch höhere Kraftstoff- und Strompreise, wird auch das Deutschlandticket teurer. Das soll verhindern, dass die Bus- und Bahnbetreiber in diesem Fall ihr Angebot ausdünnen, um Kosten zu sparen.

Wann soll das Deutschlandticket eingeführt werden?

Der ursprüngliche Plan war, bereits zum Jahresbeginn 2023 mit dem 9-Euro-Ticket-Nachfolger zu starten. Auf ihrer Konferenz am Dienstag (29. November 2022) hatten sich die Verkehrsminister von Bund und Ländern dann auf den Starttermin 1. April 2023 verständigt. Im "Entwurf eines Neunten Gesetzes zur Änderung des Regionalisierungsgesetzes", das Basis für die Einführung des Deutschlandtickets ist, wird nun der 1. Mai 2023 als Starttermin genannt. Ab 3. April soll es erhältlich sein. Anfangs und bis Ende des laufenden Jahres zusätzlich als Papier-Ticket und danach nur noch digital auf dem Smartphone oder als Chipkarte.

Was sind die Gründe für die Verzögerung?

Bund und Länder haben lange um die Nachfolgeregelung zum 9-Euro-Ticket gerungen, allein das hat den Einführungsprozess verzögert. Zudem müssen die regionalen Verkehrsverbände den Vertrieb des Deutschlandtickets regeln und im Zuge dessen ihre Tarifsysteme umstellen – so etwas dauert. Wie so oft bei derartigen Projekten verzögert aber auch der Streit um die Finanzierung dessen Umsetzung.

Mit dem neuen Gesetz steht fest: Sowohl der Bund als auch die Länder und Kommunen müssen das nötige Geld bereitstellen und die ÖPNV-Betreiber pro Jahr mit jeweils 1,5 Milliarden Euro unterstützen. Sollte sich im Nachgang herausstellen, dass das nicht ausreicht, werden Bund und Länder die Mehrkosten für 2023 jeweils zur Hälfte ausgleichen. Danach werden Mehr- und Minderkosten und deren Übernahme stets in Abhängigkeit der tatsächlichen Kosten neu evaluiert. Der Zuschuss des Bundes über die sogenannten "Regionalisierungsmittel" ist vorerst bis 2025 befristet. Aus diesem Topf erhält übrigens Bayern den größten Anteil (317,5 Millionen Euro), während das Saarland mit 10,3 Millionen Euro den geringsten Zuschuss bekommt.

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Doch sowohl Länder und Kommunen als auch die Verkehrsunternehmen und ihre Lobbyverbände sind skeptisch, ob das 49-Euro-Ticket auf diese Weise tatsächlich finanzierbar ist. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hält die finanziellen Fragen dagegen für geklärt. Offenbar genau wie das Bundeskabinett, sonst hätte es den Gesetzentwurf nicht verabschiedet.

Wo kann ich mit dem 49-Euro-Ticket fahren?

"Attraktiv, digital, einfach: Noch nie war es für die Menschen in unserem Land so einfach, Bus und Bahn zu nutzen", verspricht Wissing. Deshalb handelt es sich beim Deutschlandticket nicht um eine Karte für bestimmte Zeiträume, wie es noch beim 9-Euro-Ticket der Fall war, sondern um ein monatlich kündbares Abonnement. Grundsätzlich soll es dessen Freiheiten aber ebenfalls bieten: Die ÖPNV-Nutzung wäre dann nicht nur im eigenen Heimatort, sondern zusätzlich in anderen Gebieten Deutschlands möglich.

Vorteil: Wie beim 9-Euro-Ticket muss sich niemand mit den teils verwirrenden Tarifzonen-Regelungen einzelner Regionen auseinandersetzen. Das soll auch so bleiben: Im Gesetz wird ausdrücklich "die dauerhafte Vereinfachung des Tarifsystems im ÖPNV durch die Länder" gefordert. Weiterhin können die Regionalzüge der Deutschen Bahn und ihrer Konkurrenzanbieter genutzt werden. Fahrten mit den DB-Fernzügen (IC oder ICE) sind wie bisher ausgeschlossen.

Wie lautet die Regelung für Jobticket-Inhaber?

Dies wird noch im Detail ausgearbeitet, aber eine günstigere Adaption wird bereits diskutiert. Wird das Deutschland- als Jobticket genutzt und der Arbeitgeber übernimmt mindestens 25 Prozent der Kosten, wollen Bund und Länder weitere fünf Prozent zuschießen. Pendlerinnen und Pendler könnten dadurch mindestens 30 Prozent sparen; der Preis würde also auf maximal 34,30 Euro sinken. Für Schüler, Azubis und Studenten könnte es teils noch günstiger werden. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat für diese Personengruppen in Bayern bereits ein 29-Euro-Ticket versprochen.

Können Kinder und Fahrräder kostenlos mitgenommen werden?

Nein. Für Kinder und Fahrräder müssen Zusatztickets gekauft werden. Zudem ist das Deutschlandticket personengebunden und nicht auf andere Personen übertragbar.

Was gilt es noch zu klären?

Es muss noch abgestimmt werden, ob Fernbusse in das Deutschlandticket integriert werden sollen. Der größte Anbieter Flixbus bekundet großes Interesse, an diesem Programm teilzunehmen, auch der ADAC befürwortet dies. Die Frage, wie die Finanzierung ab 2025 geregelt wird, ist bislang ebenfalls ungeklärt. Dann soll es ein erneutes Gesetzgebungsverfahren geben, "um auf der Grundlage der dann erfolgten Regelungen zum Nachteilsausgleich die weitere Finanzierung des bundesweit gültigen Nahverkehrstickets dauerhaft zu sichern", wie es im Gesetzentwurf heißt. Folglich ist das aktuelle Gesetz bis zum Jahresende 2025 befristet.

Der ÖPNV ist generell Ländersache, und den Ländern ist der Bundesanteil jetzt schon zu niedrig. Um das Angebot langfristig aufrechtzuerhalten, müssten ihrer Ansicht nach größere Summen aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt werden. Es dürfte künftig also erneut hart um die Finanzierung des Angebots gerungen werden. Insofern werden die noch ausstehenden Abstimmungen im Bundestag und vor allem in der Länderkammer Bundesrat, die Voraussetzung für die Einführung des Deutschlandtickets sind, mit Spannung erwartet. Auch die EU muss noch ihren Segen geben, aber das Bundesverkehrsministerium hält das Gesetz für "mit dem Recht der Europäischen Union vereinbar".

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Bietet das Deutschlandticket wirklich eine finanzielle Ersparnis?

Meistens ja. Wie groß diese ist, hängt vor allem von der Region ab, in der man lebt. Und wie groß die Tarifzone ist, die man nutzen möchte. Beispiel München: Ein Monatsticket für die Innenstadtzone M kostet für Erwachsene bereits 59,10 Euro. Wer die gesamte Tarifzone des Münchner Verkehrsverbundes MVV nutzen möchte, zahlt aktuell sogar 227,50 Euro. Beides wäre künftig – zumindest anfangs – für 49 Euro nutzbar. Hinzu kommt die Möglichkeit, mit dem Deutschlandticket ohne Extrakosten per Regionalbahn in andere Gegenden Deutschlands zu reisen.

Gibt es auch billigere Angebote?

Aktuell ja. Berlin hat im Oktober 2022 beispielsweise ein 29-Euro-Ticket eingeführt, in Hessen gibt es ein 31 Euro teures Pendant. Der Beschluss zum Deutschlandticket erlaubt ausdrücklich "ergänzende, länderspezifische Vergünstigungen". Allerdings müssen die Mehrkosten dafür vom jeweiligen Bundesland getragen werden. Eine billigere Variante des Deutschlandtickets für Menschen mit geringen Einkommen ist bisher dagegen nicht geplant. Deshalb gibt es von Sozial- und Verbraucherverbänden Kritik am 49-Euro-Ticket. Sie fordern entweder, die Kosten auf 29 Euro zu verringern, oder ein 365-Euro-Ticket für das gesamte Jahr einzuführen. Weil einige Bundesländer bereits günstigere Sozialtickets angekündigt haben, befürchten einige Verkehrsexperten bei diesen einen Flickenteppich.

Hinweis: In der Fotoshow präsentieren wir Ihnen den Mercedes eCitaro G, einen Gelenkbus mit Feststoffbatterie.

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Ist das 9-Euro-Ticket eine gute Sache?
Ja. Es wird viele Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen.
Nein. Es ist ein Strohfeuer und nicht zu Ende gedacht.

Fazit

Das 9-Euro-Ticket sollte ein Anreiz für die Menschen in Deutschland sein, über die Sommermonate vom Auto auf Busse und Bahnen umzusteigen – und sich möglichst vom ÖPNV überzeugen zu lassen. Das hat im Großen und Ganzen geklappt. Nun hängt es von der Nachfolgeregelung ab, dass daraus tatsächlich ein nachhaltiger Trend wird. Dass der Preis von neun Euro monatlich nicht zu halten sein wird, war von vornherein klar. 49 Euro (anfangs, später wohl mehr) bedeuten zwar einen großen Preissprung im Vergleich zum im Sommer gültigen Ticket, dürfte sich aber in den meisten Regionen finanziell lohnen. Hinzu kommt die Flexibilität und Unabhängigkeit von regionalen Tarifzonen, die die Nutzerinnen und Nutzer im Sommer zu schätzen gelernt haben.

Was die "größte ÖPNV-Tarifreform in Deutschland" (O-Ton: Wissing) tatsächlich bewirkt, muss sich jedoch mittel- und langfristig zeigen. Schließlich bewirken günstige Tickets nur dann dauerhaft einen Umstieg vom Auto in Bus oder Bahn, wenn diese auch zuverlässig fahren, ländliche Regionen gut angebunden sind und ein ordentlicher Komfort geboten wird. Damit das gewährleistet bleibt, muss es eine stabile Finanzierung geben, die den Verkehrsverbänden und der Bahn ausreichend Mittel zur Verfügung stellt.

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