Neue Hellcat-Modelle von Dodge Fiat-Chrysler FCA
02/2021, Dodge Chef CEO Tim Kuniskis Challenger Hellcat
Neue Hellcat-Modelle von Dodge
Neue Hellcat-Modelle von Dodge
Dodge Challenger SRT Super Stock 22 Bilder

Muscle Cars von Dodge: Hellcat-V8 vor dem Aus, aber Gnadenfrist

Hellcat-V8 und SRT vor dem Ende Gnadenfrist für die Muscle-Car-Dinos

Dodge-Chef Tim Kuniskis skizzierte bereits das Ende des legendären Hellcat-V8-Motors. Doch die aktuellen Muscle Cars der Marke dürfen wohl über 2024 hinaus weiterleben.

Dodge hat sich in den vergangenen Jahren zu Muscle-Car-Marke des inzwischen vom neuen Stellantis-Konzern abgelösten FCA-Marken-Universums entwickelt. Das wird der Hersteller auch bleiben, wenn man den Aussagen glauben darf, die Dodge-Chef Tim Kuniskis in jüngerer Vergangenheit getätigt hat. Kuniskis prognostiziert ein neues goldenes Zeitalter der Muscle Cars, in dem die Marke Dodge eine große Rolle spielen wird – nur auf eine andere Weise als bisher.

02/2021, Dodge Chef CEO Tim Kuniskis Challenger Hellcat
Stellantis North America
Noch im Sommer 2020 hat Dodge-Chef Tim Kuniskis drei neue Hellcat-Modelle vorgestellt. Werden es die letzten gewesen sein?

Für den CEO steht eines fest: Der legendäre, seit 2014 angebotene Hellcat-V8 spielt in Zukunft keine Rolle mehr. "Die Tage des 6,2-Liter-V8 mit Eisen-Block und Kompressor-Aufladung sind gezählt", sagt Kuniskis. Das liege jedoch nicht an mangelndem Kundeninteresse. Im Gegenteil: Mit den Verkaufszahlen ist er sehr zufrieden. "In den letzten fünf Jahren haben wir weit über 50.000 Hellcats verkauft. Das ist eine Menge, wenn man bedenkt, was diese Autos kosten." Nämlich 70.000 Dollar (aktuell umgerechnet knapp 58.000 Euro) und mehr, was für ein US-Modell tatsächlich sehr viel ist. Auch während der Corona-Pandemie schreibt der Hersteller weiter schwarze Zahlen, weil die treue Fangemeinde unverdrossen die oft hubraum- und leistungsstarken Dodge-Modelle kaufte.

Wie zur Ölkrise in den 70ern

Der Hellcat-Motor, der auch in den Performance-Modellen der Schwestermarken Jeep und Ram zum Einsatz kommt, werde deshalb verschwinden, weil es für Autohersteller immer teurer wird, solche Triebwerke an die strengen Abgasvorschriften anzupassen. Es sei wie in den frühen Siebzigerjahren, als genau solche Regelverschärfungen aufgrund der damaligen Ölkrise zum Ende der ersten goldenen Muscle-Car-Ära geführt hätten.

Dodge Durango SRT Hellcat
Fiat-Chrysler FCA
Der Dodge Durango SRT Hellcat debütierte im Sommer 2020 und war ruckzuck ausverkauft.

Doch wenn die Schlüssel zum neuen goldenen Muscle-Car-Zeitalter nicht mehr Hubraum, Aufladung und hochoktaniger Kraftstoff sind, dann liegt auf der Hand, in welche Richtung auch Dodge marschieren wird: Durch die Elektrifizierung ergeben sich Kuniskis zufolge neue Möglichkeiten in Sachen "Performance 2.0" – die Leistung sei schließlich auch künftig nicht gedeckelt. Er setzt darauf, dass die Technologien günstiger werden, sobald Hybrid- und Elektroautos zu Massenphänomenen geworden sind. "Die Verrückten werden die Elektrifizierung dann leistungsbasiert einsetzen, statt die Autos sparsam zu machen", sagt der Dodge-Chef, der sich selbst und seine Marke offensichtlich in diese Kategorie einordnet.

V8-Muscle-Cars dürfen länger leben

Dodge bietet aktuell fünf Baureihen an: den bald auslaufenden Minivan Grand Caravan, die SUV Journey und Durango, die Stufenheck-Limousine Charger und das zweitürige Coupé Challenger. Die letzten Drei sind mit dem Hellcat-V8 erhältlich, und das wird trotz des bisher erfolgten Abgesangs auch noch eine Weile so bleiben. "Die neue Plattform kommt im Jahr 2024, das neue Auto kommt im Jahr 2024", sagt Kuniskis der Fach-Website "musclecarsandtrucks.com". "Wir haben aber nicht gesagt, dass die aktuellen Autos 2024 aussterben werden." Dem Dodge-Chef zufolge wird die Überschneidung aber nur von kurzer Dauer sein: "Man wird nicht jahrelang den Klassiker und das neue Auto gleichzeitig haben."

Im gesamten Dodge-Portfolio fehlen bisher Hybrid- oder gar vollelektrisch angetriebene Alternativen. Das wird sich ändern, und hier spielt der Wechsel zum neuen Riesen-Konzern Stellantis eine große Rolle. Mit der "neuen Plattform" meint Kuniskis den STLA Large-Baukasten, der wie die anderen STLA-Ableger auch Hybrid- und reine Elektro-Antriebe aufnehmen kann und für Modelle wie den Charger und Challenger infrage kommt. Das "neue Auto" kündigte die Marke Anfang Juli 2021 in einem Teaser-Video an. Viel ist darin nicht zu sehen. Was zu erkennen ist, gibt Hinweise auf ein allradgetriebenes Elektro-Muscle-Car im Retro-Look der Sechziger- und Siebzigerjahre.

Auch M, RS und AMG leben elektrifiziert weiter

Stellantis hat bereits begonnen, sein Vielmarken-Reich neu zu ordnen – mit ersten Konsequenzen auf amerikanischer Seite. Denn die Performance-Marke SRT (das steht als Abkürzung für "Street and Racing Technology") hat nun kein Entwicklungs-Team mehr. Wie ein Stellantis-Sprecher mehreren US-Fachmedien bestätigte, seien die Ingenieure in die globale Entwicklungs-Organisation des Konzerns abkommandiert worden. Trotzdem können Fans amerikanischer Muscle-Car-Power vorerst aufatmen: SRT wird als Marke weiterbestehen, das bestätigte Stellantis in einer Mitteilung. Das Kürzel soll also auch künftig die besonders leistungsstarken Modelle der amerikanischen Stellantis-Marken schmücken, die es weiterhin geben wird. Eigene SRT-Modelle hatte es bisher sowieso nicht gegeben.

Dodge Durango SRT Hellcat
Fiat-Chrysler FCA
SRT existiert als Marke weiter, hat künftig aber keine eigene Entwicklungsabteilung mehr.

Trotz des globalen Schwenks hin zur Elektromobilität halten viele Autohersteller an ihren Performance-Marken fest – auch die deutschen. Markus Flasch, Chef der BMW M GmbH, hat bereits bestätigt, dass es eine M-Version des neuen i4 geben wird. Audi verpasst der stärkeren Version des neuen E-Tron GT Quattro das RS-Signet, während der schnellste Porsche Taycan bekanntermaßen als Turbo S den Asphalt aufreißt. Zudem ist längst klar, dass auch die AMG-Zukunft zu immer größeren Teilen elektrifiziert sein wird.

Gibt es einen Run auf die letzten Muscle-Car-Dinos?

Bis die alten Rivalitäten in Zukunft mithilfe von Volt statt Oktan ausgelebt werden, spielen für eine Übergangszeit aber weiterhin dicke V8-Motoren die Hauptrolle. Kuniskis erwartet vor deren Einstellung sogar einen regelrechten Absatz-Boost für die Muscle-Car-Dinos. Dieser könne kommen, je näher das Ende der Verbrenner-Modelle rückt, sagt der Dodge-CEO. So sei es damals auch bei der Viper gewesen: "Als wir die Einstellung der Viper ankündigten und gleichzeitig das Topmodell ACR vorstellten, gab es darauf einen regelrechten Run. Und das, obwohl es die teuerste Viper aller bisheriger Zeiten war", so der Manager bei "musclecarsandtrucks.com".

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Fazit

Es ist klar: Großvolumige reine Verbrenner-Antriebe haben nicht nur in Europa, sondern auch in den USA keine rosige Zukunft mehr. Doch genau darauf ist das Image von Dodge derzeit ausgerichtet. Also muss Markenchef Tim Kuniskis rechtzeitig gegensteuern, um sowohl die Fangemeinde des Herstellers als auch das Stellantis-Management davon zu überzeugen, dass sich dieses Image auch an eine weitgehend elektrifizierte Zukunft adaptieren lässt. Das Sub-Label SRT ist weiterhin ein Teil davon, wenn auch künftig in anders organisierter Form als bisher.

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