Das Lieblings-Instrument von US-Präsident Donald Trump scheinen Strafzölle zu sein. Wer nicht seinen Wünschen entspricht, wird beim Warenimport in die USA abkassiert. Im Streit um die Insel Grönland, die Trump gerne den USA einverleiben würde, ist dieses Thema jetzt eskaliert. Bis zu 25 Prozent zusätzliche Zollgebühren droht der US-Präsident jetzt einzelnen EU-Ländern, darunter Deutschland, an.
Derzeit gilt für Autos aus der Europäischen Union bei der Einfuhr in die USA ein vergleichsweise niedriger Grundzoll. In den vergangenen Jahren war dieser Satz jedoch mehrfach Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Zeitweise standen Zölle von bis zu 25 Prozent im Raum. Nach Verhandlungen zwischen Washington und Brüssel wurde zuletzt ein Zollsatz von 15 Prozent für EU-Autoexporte vereinbart. Im Gegenzug sollten US-Produkte, also auch Autos, zollfrei in die EU gelangen dürfen. Diesen Deal kann der "Dealmaker" jetzt allerdings erst einmal vergessen, die EU hat bereits angekündigt, diese Vereinbarung angesichts der neuen Drohungen auf Eis zu legen.
Was solche Zölle konkret bedeuten würden, lässt sich an einzelnen Modellen verdeutlichen. Ein BMW 3er, der aus Deutschland in die USA exportiert wird und dort einen Listenpreis von umgerechnet rund 45.000 Euro hat, würde bei einem bereits angekündigten Zoll von 15 Prozent um 6.750 Euro teurer. Steigt der Zollsatz auf 25 Prozent, läge der Aufschlag bei rund 11.250 Euro. Bei höherpreisigen Fahrzeugen fällt der Effekt entsprechend größer aus.
Deutsche Autos würden extrem teuer
Auch bei SUV-Modellen, die in den USA besonders gefragt sind, wären die Auswirkungen deutlich. Ein Audi Q5 mit einem angenommenen Preis von 60.000 Euro würde bei einem 15-prozentigen Zoll um 9.000 Euro teurer, bei 25 Prozent um 15.000 Euro. Diese Beträge entstehen allein durch den Zoll und kommen zu Transportkosten, Händlermargen und lokalen Steuern hinzu.
Neben kompletten Fahrzeugen wären auch Autoteile betroffen. Viele Hersteller exportieren Motoren, Getriebe, Elektronik oder andere Komponenten aus Deutschland in die USA. Höhere Zölle auf solche Teile würden die Kosten in den Lieferketten erhöhen. Besonders betroffen wären Fahrzeuge, die zwar in den USA montiert werden, aber einen hohen Anteil importierter Bauteile enthalten.
Die Vereinigten Staaten sind der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt für deutsche Autohersteller im Export. Jährlich werden mehrere Hunderttausend Fahrzeuge aus Deutschland in die Vereinigten Staaten geliefert. Im Jahr 2024 gingen rund 13 Prozent aller aus Deutschland ausgeführten Neuwagen in die USA. Bezogen auf den gesamten Pkw-Exportwert von etwa 135 Milliarden Euro entspricht das einem Volumen von rund 17 bis 18 Milliarden Euro. Damit liegen die USA deutlich vor allen anderen Abnehmerländern.
Inlands-Produktion als Ausweg
Ein Teil der Hersteller hat bereits auf frühere Zollrisiken reagiert. BMW produziert große Stückzahlen in seinem Werk im Bundesstaat South Carolina, Mercedes-Benz fertigt unter anderem in Alabama. Fahrzeuge, die dort gebaut werden, gelten als in den USA produziert und unterliegen keinen Importzöllen. Sie sind damit von möglichen neuen Abgaben nicht direkt betroffen, allerdings von Zöllen auf zugelieferte Teile aus Deutschland.
Führende Wirtschaftsverbände in Deutschland haben die Zollankündigungen deutlich kritisiert. Karl Haeusgen, Präsident des Maschinenbauverbands VDMA, erklärte, Europa dürfe sich nicht unter Druck setzen lassen, auch nicht von den USA. Er forderte eine gemeinsame und klare Antwort der Europäischen Union. Nach seiner Einschätzung würde ein Nachgeben die US-Regierung eher dazu ermutigen, weitere Zölle anzudrohen. Ähnlich äußerten sich auch andere große Wirtschaftsverbände. Sie warnten vor Nachteilen für Industrie und Exportwirtschaft und mahnten, eine weitere Zuspitzung des Konflikts zu vermeiden. Mehrere Vertreter gehen zudem davon aus, dass das EU-Parlament einem zuletzt ausgehandelten Zollabkommen mit den USA unter diesen Bedingungen nicht zustimmen wird.
Neue Strafzölle wären "grotesk"
Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) meldete sich zu Wort. Dessen Präsidentin Hildegard Müller sprach von einer schweren Belastung für die Beziehungen zwischen Europa und den USA. Die möglichen Strafzölle würden nach ihrer Einschätzung hohe Kosten für die deutsche und europäische Autoindustrie verursachen. Der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Dirk Jandura, äußerte sich ebenfalls kritisch. Er bezeichnete die Ankündigung neuer US-Zölle wörtlich als "grotesk". Aus seiner Sicht würden damit Länder getroffen, die sich im Rahmen der NATO in der Arktis engagieren. Auch er sprach sich für eine gemeinsame politische Antwort Europas aus.












