Das Werk in Douvrin wurde 1969 unter dem Namen "Française de Mécanique" als Gemeinschaftsprojekt von Peugeot und Renault gegründet. Ziel war es, Nordfrankreich nach dem Niedergang des Kohlebergbaus wirtschaftlich zu stärken. Mit bis zu 6.000 Mitarbeitern entwickelte sich Douvrin schnell zu einem der wichtigsten Motorenstandorte Europas.
Besonders bekannt wurde das Werk durch den PRV-V6-Motor, ein Gemeinschaftsprojekt von Peugeot, Renault und Volvo. Dieser sogenannte Europa-V6 fand nicht nur in Fahrzeugen wie dem Peugeot 604 oder Renault 25 Verwendung, sondern erlangte internationale Berühmtheit als Antrieb des DeLorean DMC-12 aus der Filmreihe "Zurück in die Zukunft". Das Edelstahl-Auto galt mit diesem Triebwerk allerdings untermotorisiert. Außerdem produzierte Douvrin kompakte Motoren für Fahrzeuge wie den Peugeot 205 oder Renault Clio.
In den vergangenen Jahren lag der Fokus auf modernen PureTech-Benzinmotoren, insbesondere dem 1,2-Liter-Dreizylinder. Diese Triebwerke kamen in zahlreichen Modellen von Peugeot, Citroën und Opel zum Einsatz und sollten ursprünglich eine neue Ära effizienter Verbrennungsmotoren einläuten.
Probleme mit PureTech-Motoren
Trotz ihrer technischen Innovation gerieten die PureTech-Motoren zunehmend in Kritik. Besonders problematisch war der im Motoröl laufende Zahnriemen bei frühen Versionen des 1,2-Liter-Dreizylinders. Dieser führte häufig zu vorzeitigem Verschleiß und kostspieligen Motorschäden. Stellantis reagierte mit technischen Überarbeitungen sowie erweiterten Garantie- und Kulanzregelungen, doch das Image der betroffenen Modelle litt nachhaltig.
Die Probleme mit den PureTech-Triebwerken waren einer der Gründe für Stellantis' strategische Neuausrichtung hin zu den FireFly-Motoren aus italienischer Produktion. Diese modular aufgebauten Aggregate setzen auf Aluminiumblöcke und MultiAir-Technologie und sollen künftig flächendeckend die PureTech-Motoren ersetzen.
Die Rolle der FireFly-Motoren
Die FireFly-Triebwerke wurden ursprünglich von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) entwickelt und kommen bereits seit einigen Jahren in verschiedenen Modellen wie dem Fiat 500X oder Jeep Compass zum Einsatz. Für Europa werden sie im italienischen Werk Termoli produziert, das durch Investitionen langfristig gesichert ist.
Die GSE-Familie umfasst Dreizylinder- und Vierzylinder-Varianten mit Turbolader sowie spezielle Versionen für Hybridantriebe. Sie sind nicht nur zuverlässiger als ihre französischen Vorgänger, sondern auch besser auf zukünftige Abgasnormen wie Euro-7 vorbereitet. Laut Stellantis sollen diese Motoren bis weit in die 2030er-Jahre hinein gebaut werden.
Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Region
Die Schließung des Werks betrifft heute nur noch wenige Beschäftigte direkt – rund 50 Festangestellte sowie etwa ebenso viele Leiharbeiter suchen noch nach Lösungen. In seiner Blütezeit beschäftigte Douvrin jedoch, wie oben beschrieben, bis zu 6.000 Menschen und war ein zentraler Wirtschaftsfaktor für die Region Pas-de-Calais.
Um den Strukturwandel abzufedern, betreibt Stellantis zusammen mit Partnern wie Mercedes-Benz und TotalEnergies seit Mai 2023 eine Batteriefabrik direkt neben dem ehemaligen Motorenwerk. Die ACC-Gigafactory soll langfristig Arbeitsplätze sichern und Nordfrankreich als Standort für Elektromobilität etablieren. Allerdings verlief der Hochlauf der Batterieproduktion bislang schleppend – viele ehemalige Mitarbeiter konnten noch nicht integriert werden.
Ein Symbol für den Wandel der Automobilindustrie
Die Geschichte von Douvrin spiegelt den tiefgreifenden Wandel wider, den die Automobilbranche aktuell durchläuft: Vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität. Während einst leistungsstarke V6-Motoren oder innovative Dreizylinder das Rückgrat des Werks bildeten, stehen heute Batteriezellen im Fokus.
Dieser Übergang zeigt jedoch auch die Herausforderungen eines solchen Wandels: Technologische Umstellungen erfordern massive Investitionen, während gleichzeitig soziale Verantwortung gegenüber langjährigen Mitarbeitern gefragt ist.





