Grizzly 10x10 mit deutscher Technik: 5 Achsen und 9 Schuss in Fahrt

Grizzly 10x10 mit deutscher Technik
5 Achsen und 9 Schuss in Fahrt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.06.2026
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Grizzly LAV 10x10 Haubitze
Foto: General Dynamics Land Systems-Canada

Mit dem neuen Grizzly LAV 10x10 hat General Dynamics Land Systems Canada erstmals eine selbstfahrende Radhaubitze vorgestellt, die auf denselben Geschützturm setzt wie der deutsche RCH 155. Der Unterschied liegt vor allem im Fahrgestell. Statt eines Boxer 8x8 nutzt der Grizzly ein neues 10x10-Fahrzeug mit fünf Achsen. Das soll mehr Nutzlast, eine bessere Gewichtsverteilung und zusätzliche Reserven für künftige Modernisierungen ermöglichen.

Kanada benötigt im Rahmen seines Programms zur Modernisierung der Artillerie zwischen 80 und 98 neue selbstfahrende Haubitzen. Sie sollen die bisher eingesetzten M777-Geschütze ersetzen und zugleich die Feuerkraft der Streitkräfte ausbauen. Der Grizzly wurde Ende Mai 2026 auf der Rüstungsmesse CANSEC in Ottawa erstmals öffentlich vorgestellt.

Deutscher Geschützturm auf kanadischem Fahrgestell

Die eigentliche Besonderheit des Fahrzeugs steckt nicht im Fahrgestell, sondern im Turm. General Dynamics kombiniert den Grizzly mit dem Artillery Gun Module (AGM) von KNDS.

Die Besatzung bleibt während des gesamten Einsatzes geschützt im Fahrzeug. Das Laden der Munition sowie die Feuerleitung erfolgen weitgehend automatisiert. Nach Angaben des Herstellers sind Feuerraten von bis zu neun Schuss pro Minute möglich. Außerdem unterstützt das System sogenannte Shoot-and-Scoot-Einsätze, bei denen das Fahrzeug unmittelbar nach dem Schießen seine Stellung wechselt.

Für Kanada ist zudem wichtig, dass das AGM mit der geforderten NATO-Standardmunition kompatibel ist und Reichweiten von 40 Kilometern und mehr ermöglicht.

Fünf Achsen statt vier

Während der deutsche RCH 155 auf dem Boxer-Fahrgestell mit vier Achsen basiert, setzt der Grizzly auf eine deutlich größere Plattform mit fünf Achsen.

Das Fahrgestell wurde für Gesamtgewichte von bis zu 40 Tonnen entwickelt. Die Nutzlast soll bis zu 18 Tonnen betragen. Vier der fünf Achsen sind lenkbar (1,2,4,5), um die Beweglichkeit trotz der Fahrzeuggröße aufrechtzuerhalten. Das Fahrzeug basiert auf der neuen Piranha Heavy Mission Carrier Plattform, die ursprünglich für besonders schwere militärische Anwendungen entwickelt wurde.

Feuer während der Fahrt als entscheidender Vorteil

Besonders interessant ist eine Anforderung der kanadischen Streitkräfte. Die neue Haubitze kann Ziele auch während der Fahrt bekämpfen.

Genau hier sehen viele Beobachter einen Vorteil des AGM-Systems. Sowohl der deutsche RCH 155 als auch der neue Grizzly wurden für diese Fähigkeit ausgelegt. Damit könnten die Fahrzeuge ihre Überlebensfähigkeit auf modernen Gefechtsfeldern erhöhen, da sie nach dem Aufklären durch gegnerische Drohnen oder Radarsysteme deutlich schwerer zu bekämpfen wären.

Schweiz setzt bereits auf eine ähnliche Lösung

Ganz neu ist das Konzept allerdings nicht. Die Schweizer Armee hat bereits ein System bestellt, das auf demselben Grundprinzip basiert. Dort wird das AGM ebenfalls auf einem 10x10-Fahrgestell der Piranha-Familie eingesetzt und soll langfristig die bisherigen M109-Haubitzen ersetzen. Die Auslieferung ist für die kommenden Jahre vorgesehen.

Für Kanada reduziert das den technischen Aufwand. Ein großer Teil der Integration zwischen Fahrgestell und Geschützturm wurde bereits bei den europäischen Projekten erprobt.

Fazit