Das Land will mit dem Stad Ship Tunnel den ersten Tunnel für hochseetaugliche Schiffe bauen. Nach jahrelangen politischen Debatten und deutlich gestiegenen Kosten hat die norwegische Regierung nun die Finanzierung für den Baubeginn auf den Weg gebracht.
Anders als Straßentunnel oder Eisenbahntunnel ist das Bauwerk ausschließlich für den Schiffsverkehr vorgesehen. Autos, Lastwagen oder Züge werden den Tunnel nicht nutzen können. Stattdessen soll er eine gefährliche Passage entlang der norwegischen Westküste umgehen.
Warum der Tunnel gebaut werden soll
Der Stad Ship Tunnel entsteht auf der Halbinsel Stadlandet an der Westküste Norwegens. Die Gewässer rund um das Kap Stad gelten als eine der schwierigsten und wetteranfälligsten Seepassagen des Landes.
Starke Winde, schnelle Wetterwechsel und hohe Wellen führen dort regelmäßig zu Problemen für den Schiffsverkehr. Der Tunnel soll deshalb eine wetterunabhängige Verbindung schaffen und die Sicherheit für Schiffe erhöhen. Statt die gefährliche Küstenstrecke zu umfahren, können Schiffe künftig direkt durch den Berg fahren.
Die Dimensionen des Projekts verdeutlichen, warum es weltweit als einzigartig gilt. Der Tunnel wird groß genug sein, damit auch größere Fracht- und Passagierschiffe ihn sicher passieren können.
Nach Angaben der norwegischen Küstenverwaltung Kystverket wurde bisher nirgendwo auf der Welt ein Tunnel dieser Größe speziell für hochseetaugliche Schiffe gebaut. Damit wäre das Projekt bei seiner Fertigstellung ein weltweites Novum.
Jahrelanger Streit um die Finanzierung
Das Projekt wurde bereits 2017 grundsätzlich vom norwegischen Parlament beschlossen. Danach folgten jedoch mehrere Kostensteigerungen. Während frühe Planungen von rund fünf Milliarden norwegischen Kronen ausgingen, lagen die jüngsten Schätzungen zeitweise bei mehr als neun Milliarden Kronen.
Im Mai 2026 hatte die Regierung das Vorhaben deshalb zunächst erneut infrage gestellt. Finanzminister Jens Stoltenberg sprach sich damals dafür aus, vorhandene Mittel lieber für Betrieb und Instandhaltung bestehender Infrastruktur einzusetzen. Nach weiteren Verhandlungen wurde schließlich ein neuer Kostenrahmen von 8,6 Milliarden norwegischen Kronen vereinbart. Das entspricht derzeit rund 782 Millionen Euro.





