Linken-Chefin und "Ihr" A8 mit Wunschkennzeichen: Was ist dran an der Audi-Posse?

Linken-Chefin und „Ihr“ A8 mit Wunschkennzeichen
Was ist dran an der Audi-Posse?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.02.2026
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Heidi Reichinnek Audi A8
Foto: Screenshot Twitter / Wittich

Zu sehen ist ein Audi A8 mit Berliner Kennzeichen "B-HR 419", was als Anspielung auf ihre Initialen und ihren Geburtstag 19. April interpretiert wurde. Der Audi A8 50 TDI mit Sechszylinder-Dieselmotor, Mildhybrid-System und umfangreicher Komfort- sowie Sicherheitsausstattung kosten deutlich über 100.000 Euro.

Die rund 21 Sekunden lange Sequenz wurde zunächst aus dem eher rechten politischen Spektrum verbreitet. Auch die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch teilte das Video auf der Plattform X und stellte öffentlich die Frage, ob es sich um Reichinneks Privatfahrzeug handele oder ob das Bild manipuliert sei. In entsprechenden Beiträgen wurde der Vorwurf erhoben, eine Politikerin, die höhere Besteuerung von Vermögen fordere und das Dienstwagenprivileg kritisiere, lasse sich in einer Luxuslimousine chauffieren.

Gegenreaktionen und KI-Vorwürfe

Aus dem politisch linken Umfeld folgte rasch eine Gegenbewegung. Mehrere Nutzer auf X erklärten, das Video oder zumindest das Kennzeichen sei mithilfe künstlicher Intelligenz manipuliert worden. Es kursierten parallel bearbeitete Versionen der Szene mit veränderten Kennzeichen sowie satirische Bildmontagen, die Reichinnek etwa vor einer Yacht oder vor einem Schloss zeigten. Ziel dieser Beiträge war es, die aus ihrer Sicht überzogene Empörung als konstruiert darzustellen.

Die Debatte verlagerte sich damit schnell von der Frage nach dem Fahrzeug auf die Echtheit der Aufnahme. In Kommentaren war von "KI-Fake" und "Desinformationskampagne" die Rede. Gleichzeitig verbreiteten rechte Accounts das ursprüngliche Video weiter und stellten es als Beleg für politische Doppelmoral dar.

Ist der Audi und das Kennzeichen echt?

Eine Sprecherin der Linksfraktion bestätigte unterdessen, dass das Video echt ist. Es handelt sich jedoch weder um ein Privatfahrzeug Reichinneks noch um ein Fahrzeug der Fahrbereitschaft des Bundestages. Der Audi ist ein geleastes Fahrzeug der Bundestagsfraktion der Partei "Die Linke".

Nach Angaben der Fraktion besitzt Reichinnek selbst kein eigenes Auto. In der Regel nutze sie öffentliche Verkehrsmittel; das Fraktionsfahrzeug komme nur bei bestimmten Terminen oder aus Sicherheitsgründen zum Einsatz.

Einordnung der Fahrzeugpraxis

Fraktionsvorsitzende und Parlamentarische Geschäftsführer verfügen in der Regel über Dienstfahrzeuge. Die konkrete Ausgestaltung variiert zwischen den Fraktionen. Manche stellen ausschließlich der engsten Führungsebene Fahrzeuge zur Verfügung, andere einem erweiterten Kreis.

Ob die Fahrzeuge mit Fahrern besetzt sind oder selbst gefahren werden, entscheiden die Fraktionen intern. Die Finanzierung erfolgt aus den Fraktionsmitteln des Bundestages, nicht aus privaten Geldern der Abgeordneten und auch nicht direkt aus Parteikassen.

Die Parteien entscheiden zudem eigenständig über Leasingverträge und Fahrzeugtypen. Hersteller wie Audi, aber auch Mercedes und BMW bieten politischen Institutionen regelmäßig Leasing-Sonderkonditionen an.

Auch personalisierte oder an Initialen angelehnte Kennzeichen sind in der deutschen Spitzenpolitik verbreitet und rechtlich zulässig, sofern sie den Vorgaben der Zulassungsstellen entsprechen. Ein gesonderter Fall war 2016 das Kennzeichen "AH 1818", das der damalige AfD-Politiker Siegbert Droese für seinen Dienstwagen wählte. Die Kombination "AH 1818" als rechtsextremer Code führte zu öffentlicher Kritik.

Fazit