Ein Sattelzug, der mit Geschwindigkeiten unterwegs war, die eher zu einem Pkw als zu einem 40-Tonner passen, hat auf der A6 bei Sinsheim einen Polizeieinsatz ausgelöst. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Mannheim meldete ein Verkehrsteilnehmer am Donnerstagabend (25. Juni) gegen 20.45 Uhr einen Lastzug, der in Fahrtrichtung Heilbronn mit auffallend hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen sei. Im Baustellenbereich soll der Fahrer mit rund 140 km/h andere Fahrzeuge überholt haben.
Mit 140 km/h in Autobahn-Baustelle
Eine Streife der Autobahnpolizei holte den Sattelzug ein und leitete ihn auf die Tank- und Rastanlage Kraichgau aus. Dort werteten die Beamten den digitalen Fahrtenschreiber aus. Das Kontrollgerät dokumentierte Geschwindigkeiten von bis zu 156 km/h. Außerdem stellten die Einsatzkräfte Manipulationen am Kontrollgerät fest. Um eine Weiterfahrt zu verhindern, wurden Fahrzeugschlüssel, Führerschein und Fahrerkarte des 25-jährigen Fahrers sichergestellt. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Fälschung technischer Aufzeichnungen sowie der erheblichen Geschwindigkeitsverstöße führt nun der Verkehrsdienst Mannheim mit seinen Spezialisten für den Schwerlastverkehr.
Weitere offizielle Angaben zum Fahrzeug machte die Polizei bislang nicht, die Anfrage von auto motor und sport blieb bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags unbeantwortet. Weder das Zulassungsland des Sattelzugs noch das Transportunternehmen wurden veröffentlicht. Auch zum genauen Abschnitt der Baustelle gibt es daher keine näheren Informationen. Bekannt ist lediglich, dass die Kontrolle auf der Tank- und Rastanlage Kraichgau an der A6 bei Sinsheim stattfand.
Lkw um 34,4 Tonnen überladen
Der Fall erinnert an einen Vorfall, über den auto motor und sport bereits im Februar berichtet hatte. Damals stoppte die Polizei am Autobahnkreuz Wismar einen niederländischen Lastzug, dessen digitaler Fahrtenschreiber Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 137 km/h aufgezeichnet hatte. Zusätzlich brachte das mit Metallschrott beladene Gespann statt der zulässigen 40 Tonnen insgesamt 74,4 Tonnen auf die Waage und war damit um 34,4 Tonnen beziehungsweise rund 86 Prozent überladen. Auch in diesem Fall war die Fahrt zunächst beendet.
Welche Sanktionen drohen dem Fahrer?
Sollte sich der ausgelesene Wert von 156 km/h als Grundlage des Verfahrens bestätigen, liegt die Geschwindigkeitsüberschreitung mehr als 70 km/h über der für schwere Lkw auf Autobahnen zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h.
Der Bußgeldkatalog sieht hier regelmäßig 700 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und ein dreimonatiges Fahrverbot vor. In besonders schweren Fällen (z. B. bei zusätzlicher Gefährdung oder Wiederholung) kann das Bußgeld auch höher ausfallen. Hinzu kommen mögliche weitere Verstöße: Wurde im Baustellenbereich ein durch Verkehrszeichen 277 (Überholverbot für Kraftfahrzeuge über 3,5 t) angeordnetes Überholverbot missachtet, drohen dafür zusätzlich 70 Euro Bußgeld und ein Punkt. Bei Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer erhöht sich das Bußgeld auf in der Regel 150 Euro oder mehr, es kommen zwei Punkte und ein einmonatiges Fahrverbot hinzu. Ob dieser Tatbestand erfüllt ist, hängt von der konkreten örtlichen Beschilderung, der Verkehrslage und den Feststellungen der Ermittler ab.
Deutlich schwerer wiegt der Verdacht der Manipulation des digitalen Kontrollgeräts (Fahrtenschreiber/Tachograph). Die Polizei ermittelt daher nicht nur wegen der Ordnungswidrigkeiten, sondern auch wegen des Verdachts der Fälschung technischer Aufzeichnungen gemäß § 268 StGB. Dabei handelt es sich um eine Straftat, die unabhängig vom Bußgeldverfahren strafrechtlich verfolgt wird und mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet werden kann.
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