Einfädeln auf die Autobahn: Vermeiden Sie diese 3 Fehler auf der Beschleunigungsspur!

3 Fehler beim Einfädeln auf die Autobahn
Machen Sie das auch auf der Beschleunigungsspur?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.02.2026
Als Favorit speichern
Autobahn Stau Abfahrt Stop
Foto: Westend61 und Sachithra Munasinghe via Getty Images

Der Beschleunigungsstreifen dient dazu, das Tempo des fließenden Verkehrs zu erreichen und sich geordnet einzuordnen. Wer seine Funktion missversteht oder nicht vollständig nutzt, erhöht das Risiko für Auffahrunfälle oder riskante Bremsmanöver auf der rechten Spur.

Fehler 1: Zu geringe Beschleunigung und zögerliches Einfädeln

Ein häufiger Irrtum besteht darin, den Beschleunigungsstreifen mit deutlich zu niedriger Geschwindigkeit zu verlassen. Wer mit etwa 60 km/h auf eine rechte Spur der Autobahn wechselt, auf der Fahrzeuge mit beispielsweise 130 km/h unterwegs sind, zwingt andere Verkehrsteilnehmer zum Bremsen oder Ausweichen. Das erhöht das Unfallrisiko erheblich.

Der Automobilclub ADAC weist darauf hin, dass die gesamte Länge des Beschleunigungsstreifens genutzt werden soll, um die Geschwindigkeit des fließenden Verkehrs möglichst anzupassen. Rechtlich ist zudem klar geregelt, dass auf dem Einfädelungsstreifen im Rahmen des geltenden Tempolimits schneller gefahren werden darf als auf den durchgehenden Fahrspuren. Grundlage ist § 7a der Straßenverkehrs-Ordnung. Ein rechtsseitiges Vorbeifahren auf dem Beschleunigungsstreifen ist dort ausdrücklich erlaubt, sofern es sicher geschieht.

Zögerliches Beschleunigen führt indes häufig dazu, dass am Ende der Spur keine passende Lücke erreicht wird. Das Problem entsteht dann nicht erst beim Einordnen, sondern bereits durch eine falsche Tempowahl zu Beginn.

Fehler 2: Falsches Verständnis der Vorfahrtsregeln

Immer wieder ziehen Fahrzeuge vom Beschleunigungsstreifen auf die rechte Autobahnspur, obwohl dort keine ausreichende Lücke vorhanden ist. Dahinter steckt häufig die Annahme, der Verkehr auf der rechten Spur müsse Platz machen oder das sogenannte Reißverschlussverfahren greife automatisch.

Tatsächlich gilt auf Autobahnen eine eindeutige Regelung. Nach § 18 Absatz 3 der Straßenverkehrs-Ordnung hat der Verkehr auf der durchgehenden Fahrbahn Vorfahrt. Ein Einordnen darf nicht erzwungen werden. Wer ohne ausreichenden Abstand einschert, begeht nicht nur einen Regelverstoß, sondern provoziert gefährliche Bremsmanöver.

Das bedeutet zugleich, dass auffahrende Fahrzeuge die Lücke aktiv suchen und ihre Geschwindigkeit entsprechend anpassen müssen. Ein Anspruch auf Einfädeln besteht nicht.

Fehler 3: Anhalten am Ende des Beschleunigungsstreifens

Besonders problematisch ist die Situation, wenn am Ende des Beschleunigungsstreifens keine Lücke vorhanden ist. Die Rechtslage ist formal eindeutig. Kann nicht eingefädelt werden, darf der Wechsel nicht erzwungen werden. In der Konsequenz bleibt nur das Anhalten und Abwarten.

Gleichzeitig verbietet § 18 Absatz 8 der Straßenverkehrs-Ordnung grundsätzlich das Halten auf Autobahnen. Der Beschleunigungsstreifen zählt dazu. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen formaler Regel und praktischer Verkehrssicherheit.

Polizeidienststellen vertreten in Einzelfällen eine pragmatische Sichtweise. So erklärte ein Sprecher der Autobahnpolizei Ingolstadt im Interview mit dem Radiosender Bayern 1, man solle "so lange auf dem Standstreifen weiterfahren, bis ein gefahrloser Spurwechsel möglich ist", wenn sich keine Einfädelmöglichkeit ergibt. Auch andere Polizeibehörden äußerten sich in ähnlicher Weise.

Demgegenüber warnt der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg vor diesem Vorgehen. Das Weiterfahren auf dem Seitenstreifen widerspreche der geltenden Rechtslage und könne in einer praktischen Führerscheinprüfung als schwerer Fehler gewertet werden. Zudem bestehe die Gefahr, stehende Pannenfahrzeuge zu übersehen.

Unabhängig von dieser rechtlichen Diskussion zeigt sich in der Praxis ein anderes Muster. Wer frühzeitig den rückwärtigen Verkehr beobachtet, rechtzeitig beschleunigt und den Abstand zum Vorausfahrenden einhält, gerät seltener in die Lage, am Ende der Spur anhalten zu müssen. Häufig ist ein erzwungenes Anhalten ein Hinweis darauf, dass die Verkehrslage zu spät eingeschätzt wurde.

Fazit