Öl-Preise steigen durch Iran-Krieg: Droht uns der 2-Euro-Sprit?

Öl-Preise steigen durch Iran-Krieg
Droht uns der 2-Euro-Sprit?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.03.2026
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Diesel und Benzin Preis
Foto: Imago

Die Nordseesorte Brent sprang zeitweise um rund zehn Prozent auf über 80 US-Dollar je Barrel. US-Präsident Donald Trump erklärte zudem, er rechne mit einer Dauer des Konflikts von etwa vier Wochen. Für die Preisbildung am Ölmarkt ist genau dieser Zeithorizont entscheidend.

Denn je länger die Unsicherheit über die Straße von Hormus anhält, desto größer wird das Risiko, dass aus einem spekulativen Preisschub ein strukturell höheres Niveau entsteht. Für Autofahrer rückt damit eine Marke wieder in den Fokus, die psychologisch wie ökonomisch relevant ist: zwei Euro je Liter.

Kann die 2-Euro-Marke erreicht werden?

Die Zwei-Euro-Grenze ist kein technischer Schwellenwert, sondern eine psychologische Marke. Bereits 2022 führte ihr Überschreiten zu spürbaren politischen und gesellschaftlichen Debatten. Sie signalisiert für viele Verbraucher eine neue Preisstufe.

Rein rechnerisch ist diese Marke jedoch kein extremer Ausreißer. Bei einem aktuellen Durchschnitt von rund 1,83 Euro für Superbenzin fehlen lediglich 17 Cent bis zur Zwei-Euro-Marke. Diesel liegt mit rund 1,73 Euro noch etwas darunter, reagiert jedoch häufig sensibler auf geopolitische Spannungen.

Entscheidend ist daher, wie stark und wie lange der Rohölpreis steigt.

Rechenbeispiel: Wann wird es rechnerisch eng?

Ein Barrel enthält 159 Liter.

  • Bei 65 US-Dollar je Barrel lag der Rohölwert bei rund 37 Cent je Liter Kraftstoff.
  • Bei 80 US-Dollar sind es rund 46 Cent je Liter.
  • Bei 100 US-Dollar wären es rund 57 Cent je Liter.

Der Rohölanteil macht allerdings weniger als ein Viertel des Zapfsäulenpreises aus. Dennoch gilt: Steigt Brent von 70 auf 100 US-Dollar, erhöht sich der rechnerische Rohölanteil um rund 20 Cent je Liter. Selbst wenn nur ein Teil davon durchschlägt, sind zweistellige Cent-Aufschläge möglich.

Wenn der aktuelle Benzinpreis bei 1,83 Euro liegt, würde ein Anstieg um 10 bis 15 Cent genügen, um die Zwei-Euro-Marke zumindest regional oder zeitweise zu überschreiten.

Nutzen Sie Sprit-Preis-Apps!

Um ein wenig die Kraftstoffkosten für die Urlaubsreise oder den Ausflug zu minimieren, sollten Autofahrer nach Möglichkeit die Schwankungen der Kraftstoffpreise im Tagesverlauf nutzen.

Für eine aktuelle Übersicht bietet sich unsere kostenlose Spritpreis-App "mehr tanken" (Google Play-Store oder Apple App-Store) an, die die aktuellen Kraftstoffpreise, eine Preis-Prognose und günstige Tankstellen in der Nähe anzeigt. Dort finden auch E-Auto-Fahrer Ladepunkte und deren Preise.

Vier Wochen Konflikt als kritische Phase

Sollte der Konflikt tatsächlich rund vier Wochen andauern, wie von Trump prognostiziert, erhöht das die Wahrscheinlichkeit eines stabil höheren Preisniveaus. Kurzfristige Preisspitzen werden oft schnell wieder korrigiert. Ein mehrwöchiger Zeitraum dagegen erlaubt es Händlern, Risikoaufschläge dauerhaft einzupreisen.

Besonders sensibel reagiert der Markt, wenn:

  • Tanker dauerhaft Umwege fahren müssen
  • Versicherungsprämien hoch bleiben
  • sich die Blockade der Straße von Hormus nicht auflöst
  • weitere Förderländer in den Konflikt hineingezogen werden

In diesem Fall wären 90 bis 100 US-Dollar je Barrel kein kurzfristiger Ausschlag mehr, sondern ein neues Zwischenplateau.

Opec plus als begrenzter Gegenpol

Die Opec plus hat angekündigt, ihre Förderung ab April um 206.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Gemessen an einer globalen Produktion von 106,6 Millionen Barrel pro Tag entspricht das weniger als 0,2 Prozent.

Selbst wenn diese Menge vollständig zusätzlich auf den Markt käme, wäre sie bei einem größeren Ausfall in der Straße von Hormus nur ein begrenzter Puffer. Die Entscheidung wird daher eher als Signal der Stabilität gewertet, nicht als massiver Eingriff.

Für die Zwei-Euro-Frage bedeutet das: Die Fördererhöhung allein dürfte nicht ausreichen, um einen längeren Preisanstieg zu verhindern.

Regionale Unterschiede wahrscheinlich

Ein bundesweiter Durchschnitt von zwei Euro je Liter ist das eine. Regionale Spitzenwerte sind etwas anderes. Erfahrungsgemäß werden runde Marken zuerst in einzelnen Regionen überschritten, etwa bei geringerer Wettbewerbsintensität oder höherem Dieselanteil. Auch Tagesverläufe spielen eine Rolle. Zwischen Morgen- und Abendpreisen liegen häufig mehrere Cent Unterschied. In Phasen hoher Volatilität können diese Ausschläge größer werden.

Ob es tatsächlich flächendeckend zum Zwei-Euro-Sprit kommt, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Dauer des Konflikts
  • tatsächliche Beeinträchtigung der Öllieferungen
  • Wechselkurs Euro zu US-Dollar
  • Raffineriemargen im ARA-Raum
  • Entwicklung der Produktpreise für Benzin und Diesel

Die Zwei-Euro-Marke ist daher kein zwingendes Szenario, aber bei einem länger anhaltenden Ölpreis von 90 bis 100 US-Dollar realistisch erreichbar.

Fazit