Howe & Howe Technologies wurde 2001 von den Zwillingsbrüdern Michael und Geoffrey Howe im US-Bundesstaat Maine gegründet. Das Unternehmen machte sich zunächst mit ungewöhnlichen Spezialfahrzeugen einen Namen, bevor es sich zunehmend auf militärische und behördliche Anwendungen konzentrierte. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Howe & Howe mit dem Ripsaw-Prototyp, einem extrem schnellen Kettenfahrzeug, das ursprünglich als Technologiedemonstrator entwickelt wurde. Daneben entstanden weitere außergewöhnliche Fahrzeuge wie der Badger, der als kleinstes gepanzertes Angriffsfahrzeug der Welt einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde erhielt, sowie der SR1, ein ferngesteuertes Fahrzeug für den Einsatz in Tunneln und unterirdischen Anlagen. Seit der Übernahme durch Textron Systems Ende 2018 bildet Howe & Howe den Geschäftsbereich für unbemannte Bodenfahrzeuge des Konzerns.
Modulare Plattformen
Heute liegt der Schwerpunkt auf modularen unbemannten Kettenplattformen, die unterschiedliche militärische Aufgaben übernehmen können. Die Fahrzeuge sind nicht für einen einzelnen Einsatzzweck ausgelegt, sondern dienen als Trägerplattformen für wechselbare Missionsmodule. Dazu gehören Aufklärung, bewaffnete Einsätze, Pionieraufgaben, Minenräumung, Logistik, Transport sowie die Unterstützung bemannter Verbände. Grundlage ist jeweils ein offenes Fahrzeugkonzept mit großer Ladefläche, auf der Sensoren, Waffenstationen oder Spezialausrüstung installiert werden können.
Die größte Plattform ist der Ripsaw M5. Das Fahrzeug entstand im Rahmen des Programms Robotic Combat Vehicle der US Army und gehört zur mittleren Gewichtsklasse unbemannter Gefechtsfahrzeuge. Es verfügt über einen diesel-elektrischen Hybridantrieb und kann dank offenem Fahrzeugaufbau unterschiedlich ausgerüstet werden. Genannt werden unter anderem fernbedienbare Waffenstationen, Minenräumsysteme, Counter-UAS-Technik, Brücken- und Pionierausrüstung sowie Sensorpakete für die Aufklärung. Ein modulares Fahrwerk und skalierbare Schutzsysteme ermöglichen Anpassungen an verschiedene Einsatzprofile. Für die Umfeldaufklärung kommen unter anderem ein 360-Grad-Sensorsystem von Teledyne FLIR sowie weitere elektrooptische Aufklärungssysteme zum Einsatz.
Unterhalb des M5 positioniert Textron den Ripsaw M3. Das Fahrzeug übernimmt das gleiche Grundkonzept, fällt jedoch kompakter aus und soll dadurch einfacher transportiert werden können. Trotz der geringeren Abmessungen verfügt der M3 über eine Nutzlast von bis zu 2,3 Tonnen sowie zehn kW externe elektrische Leistung für Missionssysteme. Der Hybridantrieb ermöglicht laut Hersteller auch rein elektrisches Fahren sowie einen geräuscharmen Beobachtungsbetrieb über mehr als 19 Stunden. Als Einsatzfelder nennt Textron Wirkmittel, Aufklärung, Pionieraufgaben und logistische Unterstützung. Ein modulares Open-System-Design erleichtert die Integration neuer Nutzlasten und Autonomiefunktionen.
Amphibie in Entwicklung
Mit ACES befindet sich außerdem eine amphibische Plattform im Aufbau. Sie soll Flüsse und Gewässer selbstständig schwimmend überwinden können und vollständig tauchfähig sein. Ziel ist die Unterstützung militärischer Operationen in schwierigem Gelände und bei Gewässerquerungen. Konkrete technische Daten nennt für das ACES-System nennt der Hersteller noch nicht.
Die kleinste Plattform im Programm ist das RS2. Dieses kompakte unbemannte Kettenfahrzeug besitzt einen Hybrid-Diesel-Elektroantrieb und wird per Funksteuerung bedient. Das modulare Fahrzeug kann unter anderem mit Räumschilden gegen Sprengfallen, Waffenstationen oder Systemen zur Drohnenabwehr ausgerüstet werden. Zusätzlich stellt es bis zu vier kW elektrische Leistung für externe Ausrüstung bereit. Auf derselben technischen Basis entstand auch der Thermite-Löschroboter, der außerhalb militärischer Anwendungen bei Feuerwehren eingesetzt wird.
Gemeinsam ist allen Plattformen der modulare Aufbau sowie die zunehmende Einbindung autonomer Funktionen. Textron setzt hierfür eine einheitliche Software ein, die verschiedene Autonomiestufen, standardisierte Schnittstellen sowie die Integration unterschiedlicher Sensoren und Missionssysteme unterstützt. Dadurch sollen sich neue Fahrzeuge und Ausrüstung mit möglichst geringem Integrationsaufwand kombinieren lassen.





