Patria TRACKX mit Superfahrwerk: Das kann das finnische "Sumpfmonster"

Patria TRACKX mit Superfahrwerk
Das kann das finnische „Sumpf-Monster“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.07.2026
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Entstanden ist das Fahrzeug im europäischen Forschungsprogramm FAMOUS (Future Highly Mobile Augmented Armoured Systems), das durch den European Defence Fund unterstützt wird. Ziel war die Entwicklung einer modernen Plattform in der Gewichtsklasse zwischen 13 und 18 Tonnen, die hohe Geländegängigkeit mit zeitgemäßer Ergonomie und geringeren Betriebskosten verbindet. Nach Angaben von Patria soll der Trackx in der Serienversion ab 2027 ältere leichte Kettenfahrzeuge wie den M113 oder den sowjetischen MT-LB ablösen.

Neues Fahrwerk als wichtigste technische Besonderheit

Die größte Neuerung des Trackx ist nicht die Bewaffnung, sondern das Fahrwerk. Während viele ältere Mannschaftstransporter noch auf eine klassische Drehstabfederung setzen, verfolgt Patria einen anderen Ansatz. Jedes der Laufräder verfügt über eine eigene hydropneumatische Federung und arbeitet unabhängig von den übrigen Rädern. Dadurch kann das Fahrwerk Unebenheiten einzeln ausgleichen, was den Bodenkontakt verbessert und die Belastung für Fahrzeug und Besatzung reduziert.

Mit dieser Konstruktion verzichtet Patria vollständig auf Torsionsstäbe im Fahrzeugboden. Bei herkömmlichen Kettenfahrzeugen verlaufen diese quer durch den Rumpf und schränken die Gestaltung des Innenraums ein. Beim Trackx entsteht dagegen ein nahezu ebener Fahrzeugboden. Das erleichtert den Ein- und Ausstieg der Soldaten, schafft zusätzlichen Platz im Kampfraum und vereinfacht spätere Anpassungen an unterschiedliche Fahrzeugvarianten. Diese Bauweise gehört zu den auffälligsten konstruktiven Merkmalen des neuen Mannschaftstransporters.

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Breite Gummiketten senken den Bodendruck

Ebenso ungewöhnlich sind die 56 Zentimeter breiten Verbund-Gummiketten. Sie verteilen das Fahrzeuggewicht auf eine größere Fläche und verringern dadurch den Bodendruck auf lediglich 32 Kilopascal. Das Fahrzeug sinkt auf weichem Untergrund weniger tief ein und kann auch Gelände befahren, das für schwerere Fahrzeuge oder schmalere Stahlketten problematisch wäre. Bodenfreiheit und Schwerpunkt wurden ebenfalls auf hohe Geländegängigkeit ausgelegt. Der Trackx verfügt über 55 Zentimeter Bodenfreiheit und einen möglichst tief liegenden Schwerpunkt, um die Seitenstabilität in schwierigem Gelände zu verbessern.

Gegenüber klassischen Stahlketten bieten Verbund-Gummiketten weitere Vorteile. Sie verursachen deutlich weniger Laufgeräusche und Vibrationen, was den Fahrkomfort erhöht und die Belastung der Fahrzeugstruktur reduziert. Gleichzeitig wird der Straßenbelag bei längeren Verlegungen weniger beansprucht. Auch der Wartungsaufwand fällt in vielen Bereichen geringer aus als bei herkömmlichen Stahlketten, da weniger bewegliche Metallteile verschleißen.

Für extreme Klimabedingungen entwickelt

Nach Angaben des Herstellers wurde der Trackx in den vergangenen Jahren unter sehr unterschiedlichen Bedingungen erprobt. Dazu gehörten Tiefschnee, Schlamm, Moore, Sandflächen, Waldwege und Straßen. Die Erprobungen sollten sicherstellen, dass das Fahrzeug unabhängig vom Untergrund eine möglichst gleichbleibende Mobilität bietet.

Die technischen Daten unterstreichen diese Auslegung. Der zulässige Einsatzbereich reicht von minus 46 bis plus 44 Grad Celsius. Hinzu kommen eine maximale Steigfähigkeit von 60 Prozent sowie die Fähigkeit, zwei Meter breite Gräben zu überwinden. Außerdem ist der Trackx schwimmfähig und erreicht im Wasser eine Geschwindigkeit von bis zu vier Kilometern pro Stunde.

Patria Trackx
Patria

Neuer Antriebsstrang mit Renk-Getriebe

Für den Vortrieb sorgt ein Dieselmotor mit einer Leistung von 366 PS (296 kW) und einem maximalen Drehmoment von 1.423 Newtonmetern. Den Motorlieferanten nennt Patria nicht. Die Kraftübertragung übernimmt dagegen ein bekanntes Unternehmen aus Deutschland. Zum Einsatz kommt das neu entwickelte Automatikgetriebe HSWL 076 des Augsburger Antriebsspezialisten Renk.

Renk stellte das Getriebe erstmals 2026 vor. Es wurde speziell für leichte und mittlere Kettenfahrzeuge der 13- bis 21-Tonnen-Klasse entwickelt und ist sowohl für konventionelle Dieselantriebe als auch für zukünftige Hybridkonzepte ausgelegt. Gleichzeitig unterstützt es moderne elektronische Fahrzeugarchitekturen und soll sich vergleichsweise einfach in unterschiedliche Fahrzeugplattformen integrieren lassen.

Platz für 12 Soldaten und moderne Ergonomie

Der Trackx wurde als klassischer geschützter Mannschaftstransporter entwickelt. In der APC-(Armoured Personnel Carrier)-Ausführung besteht die Besatzung aus Fahrer und Kommandant. Dahinter befindet sich ein Kampfraum für bis zu zehn Soldaten. Patria stattet sämtliche Sitze mit explosionsdämpfender Aufhängung aus, um die Belastung der Insassen bei Minen- oder Sprengfallenexplosionen zu verringern. Gleichzeitig hebt der Hersteller die gute Rundumsicht für Fahrer und Kommandant sowie die großzügigen Platzverhältnisse im Innenraum hervor.

Mit einer Fahrzeuglänge von 7,3 Metern, einer Breite von 2,95 Metern und einer Höhe von lediglich zwei Metern bis zur Dachplatte bleibt der Trackx vergleichsweise kompakt. Das Gefechtsgewicht beträgt rund 15 Tonnen. Als Bewaffnung sieht Patria unter anderem eine Waffenstation mit einem 12,7-Millimeter-Maschinengewehr vor, die je nach Kundenwunsch durch andere Systeme ersetzt werden kann.

Schutz auf Basis des STANAG-Standards

Beim Schutzniveau verfolgt Patria einen anderen Ansatz als bei schweren Schützenpanzern. Der Trackx soll vor allem Mobilität und geschützten Personentransport miteinander verbinden. Deshalb entspricht sowohl der ballistische Schutz als auch der Minenschutz der Stufe STANAG 4569 Level 1. Diese Schutzklasse bietet unter anderem Schutz gegen Beschuss mit Standardmunition des Kalibers 7,62 × 51 Millimeter NATO sowie gegen kleinere Minenexplosionen unter dem Fahrzeug. Für Einsätze mit höherer Bedrohung dürfte die Plattform je nach Kundenanforderung um zusätzliche Schutzmodule erweitert werden.

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